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Tarifverhandlungen - IG-Metall verzichtet auf Forderungen | BR24

© BR/Birgit Harprath

In der Metall- und Elektroindustrie stehen demnächst Tarifverhandlungen an. Die IG Metall verzichtet nun auf eine konkrete Tarifforderung, um die Arbeitgeber zu einem baldigen Abschluss zu bewegen. Wie die Verhandlungen funktionieren:

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Tarifverhandlungen - IG-Metall verzichtet auf Forderungen

In der Metall- und Elektroindustrie stehen demnächst Tarifverhandlungen an. Die IG Metall verzichtet nun auf eine konkrete Tarifforderung, um die Arbeitgeber zu einem baldigen Abschluss zu bewegen. Wir berichten, wie die Verhandlungen funktionieren.

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Jede Branche hat für Tarifrunden ihr eigenes Drehbuch. Bei der Metall- und Elektroindustrie ist das auf Seiten der Gewerkschaft kompliziert. Es gibt zwar einen Flächentarif, aber der wird in jedem der Tarifbezirke zum Teil mit Abweichungen ausgehandelt. Am Ende steht aber ein einheitliches Einkommensplus für die rund bundesweit 3,8 Millionen Beschäftigten, davon 870.000 in Bayern.

Verzicht auf konkrete Tarifforderungen

Die IG-Metall will die Arbeitgeber nun zu raschen Verhandlungen bewegen, indem sie auf konkrete Tarifforderungen verzichtet. Die Gewerkschaft schlägt ein "Moratorium für einen fairen Wandel" vor, so IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Die Gewerkschaft forderte die Arbeitgeber zu Verhandlungen über ein "Zukunftspaket" auf. Bis zum 3. Februar sollen die Unternehmen klären, ob sie an Verhandlungen zu Kündigungsverzicht, künftige Investitionen Kurzarbeit und Qualifizierung teilnehmen wollen. Die Gewerkschaft wünscht sich eine Einigung vor dem 28. April. Sollten die Arbeitgeber dem Moratorium nicht zustimmen, wird die Gewerkschaft doch noch Tarifforderungen formulieren.

Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft begrüßt Vorschlag

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft begrüßt den Vorschlag der Gewerkschaft, so Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Angesichts der Rezession und des Strukturwandels in der Branche muss der Standort zukunftsfähig sein.

Suche nach möglichen Inhalten

Die Gewerkschaft versteht sich als Basisorganisation. Also wird in den tarifgebundenen Firmen darüber diskutiert, mit welchen Punkten man an den Verhandlungstisch ziehen sollte. Die Bezirksleitung sammelt das, und die Tarifkommission einigt sich auf eine mögliche Forderung. Die geht dann an die Zentrale in Frankfurt. Der Vorstand bündelt die Forderungen und gibt eine Empfehlung an die Bezirke zurück. Die müssen dann entscheiden, ob sie dieser folgen. Die Arbeitgeber haben es anfangs etwas leichter. Eine konkrete Forderung legen sie nur selten beim ersten Treffen auf den Verhandlungstisch. Sie stimmen aber in den Bezirken ein mögliches Angebot an die Gewerkschaft ab. Auch das führt zu Diskussionen. Nicht jeder Betrieb steht gleich gut oder gleich schlecht da.

Suche nach einer Forderung

Tarifrunden sind nicht mit dem Feilschen auf einem Bazar zu vergleichen. Es geht nicht darum, möglichst viel zu fordern, um ein hohes Einkommensplus herauszuholen. Die IG Metall orientiert sich an bestimmten Vorgaben. Drei Dinge sind dabei wichtig: Die zu erwartende Inflationsrate. Das ausgehandelte Plus soll ja nicht von steigenden Preisen aufgefressen werden. Die zu erwartende Entwicklung der Produktivität. Maßstab ist aber nicht die der Branche, sondern der gesamten Wirtschaft. Das kann von Vorteil sein, wenn die Branchenlage im Vergleich schlechter ist. Das kann aber auch von Nachteil sein. Und schließlich wird noch das hinzugerechnet, was die Gewerkschaft "Umverteilung" nennt. Die Mitarbeiter sollen einen Teil vom Gewinn abbekommen.

Kritik von Seiten der Arbeitgeber

Die Arbeitgeber kritisieren diese Berechnungen aus mehreren Gründen. Für sie muss ein Abschluss finanzierbar sein und er darf die Firmen im Wettbewerb nicht belasten. Sie blicken auf die konkrete Lage der Branche. Und sie wollen, dass jeder einzelne Betrieb sich im Abschluss auch wiederfindet. Deshalb fordern die Arbeitgeber mehr Öffnungsklauseln im Vertrag und Wahlmöglichkeiten für die Firmen. Die Metallarbeitgeber in Bayern haben schon angekündigt, dass ihnen das in dieser Tarifrunde wichtig ist.

Suche nach einem Kompromiss

Bevor ein neuer Tarifvertrag verhandelt wird, muss der alte gekündigt werden. Geschieht das nicht, dann fehlt die juristische Grundlage für neue Gespräche. Meist sind es die Gewerkschaften, die das Kündigungsschreiben verschicken. Manchmal ist der Absender aber auch die Arbeitgeberseite. Das erste Mal verhandelt wird vor dem Auslaufen des alten Vertrages. Die Metallbranche hat das so festgeschrieben. Läuft der alte Vertrag aus und wurde er ordentlich gekündigt, dann endet die Friedenspflicht. Die Gewerkschaft kann erste Warnstreiks organisieren. In der Metallbranche hat man sich darauf verständigt, diese "friedliche" Zeit um einen Monat zu verlängern. In diesem Jahr darf die IG Metall in den Betrieben ab 28. April um 24 Uhr zu Aktionen aufrufen.