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Tarifflucht in der Druckindustrie | BR24

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Tarifflucht Druckindustrie

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Tarifflucht in der Druckindustrie

Heute trafen sich in Berlin wieder die Tarifparteien in der Druckindustrie . Die Gewerkschaft hatte vorab zu weiteren Warnstreiks aufgerufen. Einige Firmen nutzen die Zeit der Verhandlungen, um sich aus der Tarifbindung zu verabschieden.

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Wer Mitglied in einem Arbeitgeberverband ist, der muss in seinem Betrieb den gültigen Tarifvertrag eins zu eins anwenden. Passt ihm der nicht mehr ins Betriebskonzept, dann bleibt nur der Austritt aus dem Verband. Genau den hat jetzt die Augsburger Presse-Druck und Verlags GmBH erklärt. Dort wird die Augsburger Allgemeine gedruckt. Auch das Druckhaus Ulm-Oberschwaben und die Frankfurter Societäts-Druckerei wollen nicht mehr an den Flächentarif gebunden sein. Der Austritt jetzt macht aus deren Sicht Sinn. Die bisherigen Regelungen gelten zwar für die zur Zeit Beschäftigten fort. Mit neuen Mitarbeitern aber kann die Firma anderes vereinbaren. Und an das, was demnächst zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband in einem neuen Tarifvertrag ausgehandelt wird, ist sie nicht mehr gebunden.

Bundesregierung will Tarifbindung stärken

Von Tarifflucht spricht die Gewerkschaft Verdi. Die Zeche zahlten am Ende die Beschäftigten durch schlechtere Konditionen. Und Verdi wirft dem Bundesverband Druck und Medien vor, daran nicht unbeteiligt zu sein. Denn er bietet den Firmen eine OT Mitgliedschaft an: also ohne Tarifbindung, aber mit Serviceangeboten wie eine Rechtsberatung. Auch andere Arbeitgeberverbände bieten solche OT-Bereiche an. Sie wiederum werfen den Gewerkschaften vor, dass sie sich flexiblen Lösungen verweigern. Die Tarifverträge seien zu wenig auf die Bedürfnisse einzelner Unternehmen ausgerichtet. Das Problem ist inzwischen bei der Bundesregierung angekommen. Hubertus Heil will demnächst ein Konzept präsentieren, wie die Tarifbindung wieder gestärkt werden könnte