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Super E10 auch nach zehn Jahren wenig genutzt | BR24

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Bildrechte: picture alliance/dpa | Sven Hoppe

Seit genau zehn Jahren gibt es an Tankstellen hierzulande Super E10. Der Kraftstoff enthält bis zu zehn Prozent Bioethanol. Das soll der Umwelt helfen – die Kritik blieb und auch die Zurückhaltung.

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Super E10 auch nach zehn Jahren wenig genutzt

Seit genau zehn Jahren gibt es an Tankstellen hierzulande Super E10. Der Kraftstoff enthält bis zu zehn Prozent Bioethanol. Das soll der Umwelt helfen – die Kritik blieb und auch die Zurückhaltung.

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  • Gabriel Wirth

Super E10 soll dazu beitragen, den CO2-Ausstoß der Autos zu senken. Denn das verwendete Bioethanol wird aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. Der Bio-Anteil im Benzin emittiere 88 Prozent weniger CO2 als herkömmliches Benzin, heißt es beim Mineralölwirtschaftsverband, und günstiger ist es auch noch. Warum also die Zurückhaltung?

Sorge vor Motorschäden und Mehrverbrauch

Der Kraftstoff E10 hatte es hierzulande nie leicht. Schon bei seiner Einführung vor zehn Jahren lehnten viele die neue Spritsorte ab, weil sie sich um ihre Autos sorgten. So warnte man beim ADAC, dass ältere Fahrzeuge E10 nicht vertragen, da der Kraftstoff recht aggressiv sei. Das könne gar zu Motorschäden führen. Heute sei das eigentlich nur noch bei älteren Autos und Oldtimern ein Thema, meint der Pressesprecher des Automobilclubs Johannes Boos:

"Wir wissen, dass 95 Prozent aller Autos mit Ottomotor problemlos E10 tanken können. Bei der Pannenhilfe hatten wir bisher keinen einzigen Fall, wo ein Motor wegen E10 kaputtgegangen wäre, obwohl das Fahrzeug für den Kraftstoff freigegeben ist." ADAC Sprecher Johannes Boos

Wer sich nicht sicher ist, sollte nachschauen

Bei neueren Fahrzeugen ist meist im Tankdeckel ein entsprechender Hinweis zu finden, ob problemlos E10 getankt werden kann. Daneben steht es häufig auch im Handbuch des Autos. Der Mineralölwirtschaftsverband verweist darüber hinaus auf die sogenannte DAT-Liste E10. Dort kann man nachlesen, welche Fahrzeuge den Kraftstoff vertragen.

Zurückhaltung bleibt

Der Kraftstoff hat seit einigen Jahren nur einen Anteil von 13 bis 14 Prozent am gesamten Benzinabsatz in Deutschland und das, obwohl er gegenüber herkömmlichem Super-Benzin ein paar Cent günstiger ist. Eine ADAC-Umfrage hat jedoch gezeigt, dass gut die Hälfte aller Befragten, die E10 nicht tanken, nach wie vor Sorge haben, dass das Auto den Kraftstoff nicht verträgt oder der Verbrauch steigt.

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So hat sich der Marktanteil von E10 entwickelt.

Bundesumweltministerium: Mehrverbrauch kaum messbar

Ein Mehrverbrauch durch E10 sei - wenn überhaupt - nur marginal und werde durch den günstigen Preis um ein Vielfaches wieder ausgeglichen, meint ADAC-Sprecher Boos. Beim Bundesumweltministerium schätzt man, dass der Mehrverbrauch bei weniger als zwei Prozent liegt und im Alltag gar nicht messbar ist. Andere Einflüsse spielten eine Rolle wie Fahrverhalten, Verkehrsdichte, Witterung, Straße, die den Verbrauch zusätzlich und stärker beeinflussten. Durch eine energiesparende Fahrweise könne man den Kraftstoffverbrauch um mehr als 25 Prozent senken.

Mineralölwirtschaftsverband wünscht sich höheren Anteil

Die Einführung vor zehn Jahren geht auf eine europäische Richtlinie zurück. Beim Mineralölwirtschaftsverband hätte man gerne, dass mehr Verbraucher E10 tanken. Seit einigen Jahren liegt der Anteil der Kraftstoffsorte bei 13 bis 14 Prozent des gesamten Benzinabsatzes in Deutschland. Viel mehr Tankkunden könnten von E5 auf E 10 wechseln und so umgehend zu mehr Klimaschutz im Verkehr beitragen, heißt es beim Verband. Auch im Bundesumweltministerium setzt man sich dafür ein. Biokraftstoffe wie das im E10 enthaltene Bioethanol spielten eine wichtige Rolle beim Klimaschutz und bei der Energieversorgung. Durch die Kraftstoffsorte E10 gebe es noch großes Potential, mehr Bioethanol in Verkehr zu bringen, meint der Pressesprecher des Ministeriums Christopher Stolzenberg. Indem man Biokraftstoffe verwende, sinke auch die Abhängigkeit vom immer knapper werdenden Erdöl, das oftmals aus politisch instabilen Ländern importiert werde. Allerdings verweist der Ministeriumssprecher auch darauf, dass "Bio" nicht gleich "Öko" ist.

"Teller vor Tank"-Diskussion

Die Steigerung des Anteils von Biokraftstoffen aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen sei keine nachhaltige Option, so der Sprecher des Bundesumweltministeriums Stolzenberg. Aus diesem Grund werde bei der Umsetzung der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie ("RED II") der Anteil an Biokraftstoffen aus Nahrungs- und Futtermitteln auf das aktuelle Niveau gesetzlich begrenzt. Beim Mineralölverband weist man die Kritik zurück. Das Ethanol im E10 stehe nachweislich nicht in Konkurrenz zu Nahrung, heißt es. Der Pressesprecher des Verbands Alexander von Gersdorff verweist darauf, dass das Bioethanol ausschließlich aus nachhaltig zertifiziertem Anbau gewonnen werde. Umweltschützer dagegen beklagen den Flächenfraß, der ihrer Meinung nach durch den Anbau nachwachsender Rohstoffe entsteht. Kein Land könne sich leisten, wertvolle Ackerflächen mit noch mehr Monokulturen für Biosprit zu verschwenden, warnt etwa Greenpeace.

Kritik von Umweltschützern

Das Bundesumweltministerium schätzt, dass durch den Einsatz von E10 jährlich in Deutschland gegenüber fossilen Kraftstoffen Treibhausgase eingespart werden, die rund zwei bis drei Millionen Tonnen CO2 entsprechen. Auch der ADAC und der Mineralölwirtschaft sind der Ansicht, dass E10 gut für die Umwelt ist. Umweltschützer halten von dem Kraftstoff aber offensichtlich nichts. So kritisierte der Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup auf BR-Anfrage, die Geschwindigkeit der Klimakrise und des Branchenwandels hätten E10 und den Verbrennungsmotor längst überholt. Die Zukunft des Autos sei batterieelektrisch, so der Greenpeace-Experte. Beim Naturschutzbund Nabu sieht man das ähnlich. Der dortige Verkehrsexperte Johannes Russmann meint gegenüber dem BR, Biokraftstoffe hätten mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz nichts zu tun. Das sei eine anachronistische Verkehrspolitik.

E10-Anteil im Ausland höher

Die Zurückhaltung scheint dabei vor allem ein deutsches Phänomen zu sein. So verweist der ADAC-Pressesprecher Boos darauf, dass in Frankreich und den Niederlanden E10 mittlerweile die Benzinsorte mit dem höchsten Marktanteil ist. In den USA wird gar E15 angeboten.

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