BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Studie: Fast eine Million Bayern arbeiten zu Niedriglöhnen | BR24

© dpa-Bildfunk

Studie: Fast eine Million Bayern arbeiten zu Niedriglöhnen

10
Per Mail sharen

    Studie: Fast eine Million Bayern arbeiten zu Niedriglöhnen

    Knapp eine Million Beschäftige in Bayern arbeiten im Niedriglohnsektor. Das Niedriglohnrisiko liegt unter dem Bundesdurchschnitt. Insbesondere der Norden des Freistaats ist betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des DGB Bayern.

    10
    Per Mail sharen

    Die Stadt Hof im Norden Bayers liegt in einer Seen- und Mittelgebirgslandschaft. Auch Kultur- und Bildungseinrichtungen machen den Standort attraktiv. Hinzu kommen Projekte wie der neue Autozulieferer und Technologiepark Hochfranken, wo in den kommenden Jahren rund 2.000 gut bezahlte Arbeitsplätze entstehen sollen.

    Daneben gibt es aber immer noch die andere Seite der Stadt Hof: mit nach wie vor großen Problemen im Strukturwandel und der höchsten Niedriglohnquote in Bayern. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Bayern in Auftrag gegebene Studie des Instituts "Arbeit und Qualifikation" der Universität Duisburg-Essen.

    Mehr als Mindestlohn aber weniger als 11,21 Euro

    Beschäftigte im Niedriglohnsektor verdienen zwar mehr als nur den Mindestlohn – der aktuell bei 9,35 Euro liegt – unterschreiten mit ihrem Gehalt aber die bundesweite Niedriglohnschwelle von 11,21 Euro. Insgesamt arbeiten in Bayern knapp eine Million Beschäftige im Niedriglohnsektor. In Bayern liegt das Niedriglohnrisiko mit knapp 17 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt von rund 22 Prozent.

    Eva Döhla (SPD), die Oberbürgermeisterin von Hof, ist von diesem Ergebnis der aktuellen DGB Studie nicht überrascht. Aber unschön sei es natürlich trotzdem. "Natürlich haben wir hier niedrigere Lebenshaltungskosten", so Döhla. "Aber das Ganze steht nicht in so einem Zusammenhang, dass man sagen kann, Niedriglohn ist jetzt hier in Ordnung oder es ist erstrebenswert, dass wir hier an der Spitze dieser Tabelle stehen".

    Vor allem Minijobber und Frauen betroffen

    Einer der Gründe warum in Hof häufig niedrigere Gehälter gezahlt werden, seien die Callcenter, die sich in der Stadt angesiedelt hätten, sagt Döhla. In dieser Branche sind Niedriglöhne weit verbreitet. Die Erschließung neuer Gewerbegebiete für besser bezahlte Jobs sei deshalb besonders wichtig, genauso wie das neue Logistik Zentrum der Polizei, dass hier entstehen soll.

    Neben Hof sind auch der Landkreis Coburg und – auf dem dritten Platz – Garmisch-Partenkirchen relativ stark von Niedriglöhnen betroffen. Dort spielt der Tourismus eine große Rolle mit geringen Gehältern in Gaststätten und Hotels. Minijobber würden besonders häufig schlecht bezahlt und in mehr als zwei Dritteln der Fälle trifft das Frauen.

    DGB: Tarifverträge schützen oft vor Niedriglöhnen

    Außerdem sei durch die Studie klar geworden, so die stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern Verena Di Pasquale, "dass überall dort, wo es Tarifverträge gibt, wo Menschen in ihren Betrieben nach Tarifvertrag bezahlt werden, das Risiko, zu Niedriglohn beschäftigt zu werden, weitaus niedriger ist.

    Der DGB Bayern fordert deshalb stärkere Tarifbindung und möglichst keine öffentlichen Aufträge für Unternehmen, die keinen Tariflohn zahlen. Außerdem werden mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen statt Minijobs gefordert.

    Arbeitgeber verteidigen Niedriglöhne

    Die Arbeitgeberseite sieht das freilich ganz anders. Niedriglohn sei nicht für alle die schlechteste Alternative, so der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt. Niedriglohn sei besser als Arbeitslosigkeit.

    Der Niedriglohnbereich ermögliche "den Einstieg in den finanziellen und den sozialen Aufstieg. 30,4 Prozent der Niedriglohnbeschäftigten im Feistaat schaffen es innerhalb eines Jahres, in den Normallohnbereich aufzusteigen," so Brossardt.

    Deutschland hinkt europäischen Nachbarn hinterher

    Für den DBG Bayern sind solche Aufstiegsversprechen Mythen. Niedriglöhne seien weder Sprungbrett noch Einstieg in die Arbeitswelt, so Di Pasquale: "Das ist die alte Argumentation: sozial ist, was Arbeit schafft. Und davon halten wir überhaupt gar nichts. Sondern eine Arbeit, der ein Mensch nachgeht, muss diesen Menschen in die Lage versetzen, dass er sich und seine Existenz heute wie auch im Alter sichern kann. Darum geht es und das ist für uns der Maßstab."

    Auch im europäischen Vergleich schneiden Deutschland und Bayern in der Studie nicht gut ab. Während in Schweden, Belgien, Finnland oder Frankreich weniger als zehn Prozent der Arbeitnehmer Niedriglohn beziehen würden, seien es in Deutschland 2018 mehr als doppelt so viele gewesen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!