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© Patrick Graichen - Agora Energiewende
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Julian Stratenschulte

Keine klimaschädlichen Gase mehr ausstoßen. In Deutschland soll das bis zum Jahr 2050 gelingen. Klimaexperten haben jetzt aber eine Studie vorgelegt, wonach das auch schon bis 2045 gelingen könnte – sogar mit wirtschaftlichem Mehrwert.

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Studie: Deutschland könnte in 25 Jahren klimaneutral sein

Keine klimaschädlichen Gase mehr ausstoßen. In Deutschland soll das bis zum Jahr 2050 gelingen. Klimaexperten haben jetzt aber eine Studie vorgelegt, wonach das auch schon bis 2045 gelingen könnte – sogar mit wirtschaftlichem Mehrwert.

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Von
  • Dirk Vilsmeier

Fünf Jahre schneller auf dem Weg zur klimaneutralen Nation. Statt erst 2050 könnte Deutschland schon 2045 ohne jeglichen Ausstoß von Kohlendioxid zurechtkommen. Davon geht eine Studie der Organisationen "Stiftung Klimaneutralität", "Agora Energiewende" und "Agora Verkehrswende" aus. Das sei nicht nur machbar, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen zu empfehlen.

Beschleunigter Klimaschutz hat auch wirtschaftliche Vorteile

Hauptgrund dafür sei, dass Deutschland so einen technologischen Vorsprung gewinnen könnte, denn die meisten anderen Nationen schauten auf das Jahr 2050. "Wer im Geleitzug läuft, gewinnt keinen Vorsprung. Nur wer mit Technologien an der Spitze ist, wird sich an den Märkten von morgen behaupten", so Rainer Baake, Direktor der "Stiftung Klimaneutralität". Baake war davor unter anderem als Staatssekretär für Energie im Bundeswirtschaftsministerium tätig. Der Chef der Denkfabrik "Agora Energiewende", Patrick Graichen, betonte bei der Vorstellung der Studie: "Wir wollen das auch, weil man das aus Wettbewerbsgründen braucht."

Jetzt investieren – später davon profitieren

Die Experten räumen aber ein, dass bis 2030 zwar entscheidende Weichen gestellt werden müssten, aber eine deutliche Beschleunigung bei der CO2-Reduktion noch nicht möglich sei. Insgesamt könne man so bis 2030 rund 65 Prozent weniger CO2 gegenüber 1990 ausstoßen. Bisher liegt das deutsche Ziel bei 55 Prozent. Man könne jetzt wie in den 50er Jahren aber eine Investitionswelle auslösen, damit man in künftigen Jahren davon profitieren könne, so Graichen.

Eine Milliarde Tonnen weniger CO2

Die an der Studie beteiligten Klimaexperten gehen davon aus, dass mit der schnelleren Klimaneutralität knapp eine Milliarde Tonnen CO2-Emissionen verhindert werden könnten. Sie beschäftigten sich dafür mit vier verschiedenen Klimaschutztechnologien: Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Elektrifizierung und Wasserstoff. Im Konzept enthalten sind auch eine Verringerung des Fleischkonsums und ein größerer Einsatz von Fleischersatz-Produkten.

Schnellerer Ausbau der Erneuerbaren Energien

Um das Ziel, klimaneutral bis 2045, erreichen zu können müsse zum Beispiel der Kohleausstieg beschleunigt werden. Nicht erst im Jahr 2038, sondern schon 2030 solle Schluss sein. Dafür müssten dann auch die Ausbauziele für Windkraft und Photovoltaik hochgefahren werden. Außerdem sollte ab 2040 Erdgas zunehmend von regenerativ erzeugtem Wasserstoff als Energieträger ersetzt werden. Wasserstoff würde dann Kraftwerke zur Stromproduktion antreiben, wenn Sonne und Wind gerade nicht genügend Strom liefern.

Wasserstoff auch mit Erdgas und importiertem Grünstrom

Investitionen in die Wasserstoffproduktion sollten dabei so schnell wie möglich passieren. Das verhindere, dass weiteres Geld in klimaschädliche Industriezweige gesteckt werde. Investitionen die dann ja wieder für viele Jahre genutzt werden müssten. Baake betonte, es müsse absolute Priorität haben, dass die Industrie nicht mehr in fossile Technologien investiere, sondern in Zukunftstechnologien.

In Kauf nehmen müsse man dafür, dass klimafreundlicher Strom zur Erzeugung von Wasserstoff auch aus dem Ausland importiert werde und auch übergangsweise Erdgas zur Herstellung von Wasserstoff genutzt werde. Das dabei entstandene CO2 könne anschließend unterirdisch gespeichert werden. Dies gelte auch für Methan aus der Landwirtschaft.

Schneller mehr Elektroautos

Die Klimaexperten betonen in ihrer Studie auch, dass sich die Mobilität schneller verändern müsse. Sie empfehlen, dass ab 2032 keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden dürfen. Schon 2030 sollten auf deutschen Straßen 14 Millionen E-Autos unterwegs sein, statt der bislang geplanten 10 Millionen. Bis 2045 müsste dann auch im Bestand der Fahrzeuge der Anteil der Verbrenner mehr oder weniger bei Null liegen. Die persönliche Mobilität werde sich dabei verändern, heißt es: "Die Menschen fahren deutlich mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Rad, und sie gehen mehr zu Fuß."

Aber auch in der gewerblichen Mobilität sollen sich die bisherigen Gewohnheiten verändern. Güter sollen verstärkt auf der Schiene transportiert werden und auf der Straße müsse der Anteil von Strom-LKW die über Oberleitungen versorgt werden, steigen. Auch die Zahl von LKW mit Wasserstoff-Antrieb müsse schnell zunehmen.

Erst investieren – dann regulieren

Der Direktor der Denkfabrik "Agora Energiewende", Patrick Graichen, forderte mit Blick auf die Politik, die "Beamtenmentalität" müsse abgelegt werden. Bisher sei es so, dass erst reguliert und dann investiert werde. Dies müsse umgekehrt werden.

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