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Studie: Deutschland für Unternehmen weniger attraktiv | BR24

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Im internationalen Standortvergleich hat Deutschland für Familienunternehmen weiter an Attraktivität verloren. Das zeigt eine Studie des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW. Beauftragt hat die Wissenschaftler die Stiftung Familienunternehmen.

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Studie: Deutschland für Unternehmen weniger attraktiv

Im internationalen Standortvergleich hat Deutschland für Familienunternehmen weiter an Attraktivität verloren. Das zeigt eine Studie des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW. Beauftragt hat die Wissenschaftler die Stiftung Familienunternehmen.

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Von
  • Gabriel Wirth

Von 21 untersuchten Industrienationen ist Deutschland gegenüber 2018 um drei Plätze auf den 17. Rang abgerutscht. Schlechter schneiden in diesem Vergleich nur noch Frankreich, Italien, Spanien und Japan ab. Die Ergebnisse müssten aufrütteln, meint Rainer Kirchdörfer aus dem Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. In den vergangenen Jahren hat man sich seinen Worten nach sehr stark auf die Verteilung des Wohlstands konzentriert. Jetzt kommt es dringend darauf an, Deutschland wettbewerbsfähiger zu machen. Die Stiftung hat die Studie in Auftrag gegeben.

ZEW kritisiert vor allem Steuersystem und Bürokratie hierzulande

Besonders schlecht ist aus Sicht der Forscher das Steuersystem für die Wirtschaft. Hier liegt Deutschland mit Rang 20 auf dem vorletzten Platz. Nur Japan schneidet noch schlechter ab. Andere Staaten wie die USA, Frankreich und Belgien hätten ihre Wettbewerbsposition durch Steuersenkungen verbessert, heißt es. Eine grundlegende Steuerreform sei in Deutschland daher unerlässlich. Familienunternehmen fordern hier schon länger eine Ausweitung der steuerlichen Verlustverrechnung. Damit könnten Unternehmen frühere Gewinne besser mit jetzigen Verlusten verrechnen.

Im Mittelfeld liegt Deutschland bei der Regulierung, die unter anderem das Ausmaß an Bürokratie misst. Bei der Infrastruktur schneidet Deutschland leicht überdurchschnittlich ab, allerdings wird die digitale Infrastruktur als unzureichend bewertet. Kritisiert werden zudem die hohen Energiekosten. Führend ist Deutschland dagegen in der Kategorie "Finanzierung". Die finanzielle Stabilität von Staat und Privatwirtschaft sowie die damit verbundenen günstigen Finanzierungsbedingungen werden gelobt. Schlusslichter bilden in dieser Kategorie hoch verschuldete Länder wie Italien, Portugal, Spanien und Frankreich.

Trotz Brexit-Gezerre bleibt Großbritannien weiter vorne

Am wirtschaftsfreundlichsten gelten in dieser Studie die USA, vor allem, nachdemnachdem die Vereinigten Staaten 2018 ihr Steuersystem reformiert haben. Mit ihr wurden die Körperschaftsteuersätze auf Bundesebene radikal von 35 auf 21 Prozent reduziert. Großbritannien hält sich auf dem zweiten Platz, auch wenn es wegen des Brexits an Attraktivität verloren hat, vor alle aufgrund einer schlechteren Bewertung der Infrastruktur. Dagegen stünden aber sehr gute Einschätzungen bei Arbeitskosten, Produktivität und Bürokratie, so das ZEW.

Deutschland seit Jahren weniger attraktiv

Die im Mittelstand stark vertretenen Familienunternehmen lassen den Länderindex seit 2006 ermitteln. Seitdem fiel Deutschland um fünf Plätze zurück. Schlechter hat sich kein anderer untersuchter Standort in diesem Zeitraum entwickelt. Immer weiter nach vorne gearbeitet haben sich dagegen vor allem die Niederlande, Polen, Tschechien und die USA. Untersucht wurden dabei stets Standortfaktoren wie Steuern, Arbeitskosten, Produktivität, Regulierung, Finanzierung, Infrastruktur und Energie.

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