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Offline nach der Pandemie

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Studie: Deutsche wollen nach der Corona-Pandemie offline sein

Die Corona-Krise hat zu einem Digitalisierungsschub geführt. Nun hat eine europaweite Studie ergeben, dass vor allem in Deutschland viele Menschen das Rad bei der Digitalisierung wieder zurückdrehen wollen.

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Von
  • Felix Lincke

Endlosen Online-Unterricht haben viele Schüler satt. Das Arbeiten im Homeoffice kann auf die Dauer ermüdend sein. Und dass man bei Einkäufen in der Corona-Krise auf den E-Commerce angewiesen ist, empfinden auch nicht alle als Vorteil. Die Unternehmensberatung McKinsey & Company hat eine Internet-Müdigkeit festgestellt vor allem in Deutschland. Eine Befragung von 20.000 Menschen in 20 Ländern ergab, dass nur in der Schweiz noch weniger Menschen online sind.

Sehnsucht nach analoger Zeit vor Corona-Pandemie

In Deutschland nutzten knapp zwei Drittel digitale Dienstleistungen, 20 Prozent erst seit der Pandemie und einige offenbar nur widerwillig. In Frankreich und Spanien ist die Akzeptanz deutlich höher. Die Experten befürchten, dass sich die erhoffte Digitalisierung nach der Corona-Krise umkehren könnte. In der Studie „Digital Sentiment Survey“ gaben knapp neun Millionen Nutzer in Deutschland an, zu ihren bevorzugten analogen Kanälen zurück zu kehren. Viele sehnten sich nach physischer Nähe, so McKinsey, die digitale Dividende von Covid-19 habe ihren Höhepunkt erreicht.

Deutsche im europäischen Vergleich eher Digital-Muffel

Der Drang, zu physischen Kanälen zurückzukehren, ist demnach in Deutschland besonders ausgeprägt. Gemeint sind persönliche Besuche in Geschäften, Behörden oder zum Gespräch bei einem Kundenberater bei Banken oder Versicherungen. Möglicherweise gebe es ein Bedürfnis, aus der zuletzt erzwungenen Digitalisierung wieder herauszukommen. Bei McKinsey gelten die Deutschen im internationalen Vergleich ohnehin als Digitalmuffel, die oft nur widerwillig neue Technologien ausprobieren.

Viele Gründe für Rückkehr zum persönlichen Kontakt

Tatsächlich gibt es viele Gründe, warum Menschen digitale Kanäle lieber nicht nutzen wollen. Häufig genannt haben die Befragten in Deutschland, dass sie einfach lieber mit einem Menschen zum Beispiel in einem Geschäft sprechen. Nur wenige fanden die Internet-Angebote zu kompliziert und trauten zum Teil dem Online-Kanal nicht. Einige gaben auch an, im Netz nicht das zu bekommen, was sie brauchten.

Angst vor Cyber-Angriffen offenbar weit verbreitet

Auch dass es wenig Vertrauen in die Internet-Dienste gibt, hat mehrere Ursachen: die Angst, selbst Fehler zu machen, mögliche Cyberangriffe oder das Gefühl, dass im Netz nicht sorgsam mit den Daten umgegangen wird. All diese Faktoren wurden beim fehlenden Vertrauen von etwa einem Viertel der Befragten genannt. Ein weiterer Grund etwas nicht online zu bestellen war, dass der Zahlungsprozess nicht sicher sein könnte.

Viele Kunden wollen immer noch beraten werden

Der fehlende menschliche Faktor spielte vor allem bei den Online-Angeboten von Versicherungen und Telekommunikations-Dienstleistern eine entscheidende Rolle. Verbraucher vermissen dabei oft die persönliche Beratung. Im Bereich Einzelhandel zieht es die Konsumenten von vorneherein in die Filialen, vor allem bei Lebensmitteln, aber auch bei Unterhaltungselektronik. 80 Prozent ziehen hier den Einkauf vor Ort eindeutig vor.

Wie geht es weiter nach Corona mit dem Online-Boom

Der aktuelle Boom bei Lieferdiensten wie für Lebensmittel könnte also eindeutig mit dem Corona-Lockdown zusammenhängen - und danach wieder vorbei sein. Bei den Ämtern und Behörden in Deutschland sieht die McKinsey-Studie noch großen Nachholbedarf. Der Gang zum Amt blieb einem Drittel der Befragten vor allem deshalb nicht erspart, weil es keinen Onlinezugang zu den nötigen Leistungen gab. In anderen Ländern wie etwa Dänemark oder auch in Frankreich bietet die Verwaltung deutlich mehr digitale Kanäle an und sorgt damit auch bei den Bürgern für eine wachsende Akzeptanz der Internetnutzung.

Digitalisierung zum Teil sogar schädlich für Wirtschaftswachstum

In einer anderen Studie hat die Unternehmensberatung PwC sogar festgestellt, dass die Digitalisierung zum Teil sogar schädlich sein kann für die Wirtschaft. So könnte der Homeoffice-Effekt das deutsche Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um rund 15 Milliarden Euro senken. Durch die Arbeit zu Hause statt im Büro würden sich die Ausgaben der Beschäftigten zum Teil deutlich verringern. Betroffen sind neben Verkehrsbetrieben im ÖPNV vor allem die Gastronomie wie etwa von Kantinen und Caterern. Außerdem setzte der stationäre Einzelhandel dadurch weniger um, weil rund 30 Prozent der Angestellten Homeoffice machen.

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