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Studie der TU München: Familienfirmen sind erfolgreicher | BR24

© pa / dpa / McPHOTO/M. Gann

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    Studie der TU München: Familienfirmen sind erfolgreicher

    Familienunternehmen wirtschaften rentabler und schaffen mehr Jobs als Unternehmen in Investorenhand. Das geht aus einer aktuellen Studie der TU München hervor.

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    Dass Familienfirmen das Rückgrat der deutschen Wirtschaft sind, hört man immer wieder. Dass sie auch ein großer Job-Motor sind und deutlich mehr Arbeitsplätze schaffen als Nicht-Familien-Firmen, dürfte weniger bekannt sein.

    Größeres Job- und Umsatz-Wachstum

    Im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hat das Center for Entrepreneurial and Financial Studies an der TU München ein deutlich höheres Wachstum bei der Beschäftigung bezogen auf den Zeitraum von 2009 bis 2018 festgestellt. Jährlich betrug der Job-Zuwachs bei börsennotierten Familienfirmen sechs Prozent und war damit doppelt so hoch wie bei Nicht-Familienunternehmen mit drei Prozent.

    Auch wirtschaftlich sind börsennotierte Firmen erfolgreicher, haben die Autoren der Studie festgestellt. Beim Umsatz wachsen sie stärker als andere Firmen. Von 2009 bis 2018 stiegen ihre Erlöse um 122 Prozent, während Nicht-Familienfirmen lediglich ein Plus von 50 Prozent aufwiesen.

    Höhere Eigenkapitalquote

    Die Eigenkapitalquote ist bei Familienfirmen mit 42 Prozent im Mittelwert ebenfalls deutlich höher als bei Nicht-Familien-Firmen. Diese kommen lediglich auf eine Quote von durchschnittlich 28 Prozent.

    "Familienunternehmen wirtschaften auf lange Sicht und mit Substanz", begründet Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, die Outperformance. "Diese Tugenden übertragen sie auch an die Börse."

    Profitabler als Nicht-Familien-Firmen

    Tatsächlich schneiden sie bei der operativen Rendite deutlich besser ab als börsennotierte Firmen in Streubesitz oder in Investorenhand. Auf Zehn-Jahres-Sicht erzielten die börsennotierten Familienunternehmen einen durchschnittlichen Total Return (Aktien- zuzüglich Dividendenrendite) von jährlich 23,2 Prozent. Nicht-Familien-Firmen erreichten lediglich eine gewichtete Rendite von 15,2 Prozent.

    "Je stärker der Familieneinfluss in einem Unternehmen, desto stärker treten die positiven Effekte zu Tage." Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen

    Laut der Studie gilt ein börsennotiertes Unternehmen als Familienfirma, wenn die Gründerfamilie mindestens 25 Prozent der Stimmrechte besitzt und oder ein Aufsichts- oder Vorstandsmandat bekleidet. Nach dieser Definition sind momentan etwa 40 Prozent der börsennotierten Konzerne Familienfirmen.

    Auch andere Studien zeigen die Kraft der Familienbande

    Zu ähnlichen Schlüssen kamen in der Vergangenheit bereits andere Studien. So fand das Institut für Mittelstandsforschung 2015 heraus, dass große deutsche Familienfirmen profitabler sind als von Managern geführte Unternehmen. Denn in Unternehmen, bei denen Eigentum und Leitung in einer Hand liegen, entstünden weniger Kosten als in Firmen mit getrennter Führungs- und Eigentumsstruktur, hieß es in der Studie.

    Vor einem Jahr veröffentlichte die Schweizer Großbank Credit Suisse eine internationale Studie, wonach weltweit Familienfirmen eine höhere Rendite und ein höheres Umsatzwachstum erwirtschaften als andere Firmen. Familienfirmen seien langfristiger ausgerichtet, hingen weniger stark von Fremdfinanzierung ab und investierten mehr in Forschung und Entwicklung.

    Börsen-Indizes auf familiengeführte Firmen

    Dementsprechend beliebt sind Familienfirmen bei Investoren. Die Deutsche Börse hat den Daxplus Family-Index auf familiengeführte Firmen aufgelegt. Die Fünf-Jahres-Performance liegt bei 66 Prozent. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser hat einen eigenen Familienindex, den Hafix geschaffen.

    Oder ist alles doch nur ein Mythos?

    Andere Studien von renommierten Wirtschaftswissenschaftlern widerlegen aber die Mär, dass Familien die besseren Unternehmer sind. Vor allem wenn die Kinder des Chefs das Ruder übernehmen, werde oft Firmenwert zerstört, schrieben die Wissenschaftler Marianne Bertrand und Antoinette Schoar im "Journal of Economic Perspectives".

    Vor zehn Jahren kam selbst das Center for Entrepreneurial and Financial Studies an der TU München zu einem anderen Ergebnis als heute. Damals fanden sie bei der Untersuchung des Zeitraums von 1998 bis 2008 keine signifikanten Unterschiede bei Eigenkapitalrendite und Performance zwischen Familien- und Nicht-Familien-Firmen. Ist also die Performance der Family-Bande nur eine Frage des Zeitraums?