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Strommarkt: Weniger CO2 durch teurere Zertifikate | BR24

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Wie wird das Klimaschutz-Paket der Bundesregierung aussehen? Im Fokus: Wer CO2-Emissionen reduziert, soll belohnt werden. Der Ausstoß des Klimakillers dagegen soll teurer werden.

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Strommarkt: Weniger CO2 durch teurere Zertifikate

Bei der Stromerzeugung gibt es schon länger den CO2-Emissionshandel. Und weil die Zertifikate gerade deutlich teurer geworden sind, verändert sich etwas in der Branche: Kohlekraftwerke laufen seltener, CO2-arme Gaskraftwerke dagegen häufiger.

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Jeder, der in Deutschland ein fossiles Kraftwerk betreibt, braucht dafür die Erlaubnis, Kohlendioxid auszustoßen. Die festgelegte Menge für den Ausstoß regeln Zertifikate, die vom Staat ausgegeben und an der Börse frei gehandelt werden. 2005 wurde in der EU der Handel mit diesen Verschmutzungsrechten eingeführt.

Zertifikate erheblich teurer als zu Beginn

Die Anzahl der CO2-Zertifikate ist begrenzt. Lange Zeit lag der Preis der Zertifikate aber bei unter fünf Euro pro Tonne CO2 und war damit fast wirkungslos. Das hat sich in den vergangenen 12 Monaten durch eine Verknappung erheblich verändert.

"Heute liegen die Preise bei 25 Euro pro Tonne. Das heißt, ich habe ganz andere Einstandskosten für ein nicht so emissionsarmes Kraftwerk. Und die emissionsärmeren Kraftwerke, wie Gaskraftwerke, kommen anders ans Geld. Weil sie weniger Zertifikate kaufen müssen." Marie-Luise Wolff, Präsidentin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft

💡 Wie funktioniert der Emissionshandel?

Der Emissionshandel soll die Treibhausgase erfassen, die rund 12.000 Energie- und Industrieanlagen in den 28 Mitgliedsstaaten sowie Norwegen, Island und Liechtenstein ausstoßen. Auch der innereuropäische Flugverkehr ist einbezogen - nicht aber der Straßenverkehr und die Landwirtschaft. Damit umfasst das System rund 45 Prozent der europäischen Treibhausgas-Emissionen.

Gemeinsam mit nationalen Anstrengungen will die EU über den Emissionshandel den Ausstoß von Treibhausgasen so weit reduzieren, wie es ihre europäischen und internationalen Ziele verlangen.

Der EU-Emissionshandel funktioniert so: Eine Obergrenze (Cap) legt fest, wie viele Emissionen die Anlagen zusammen ausstoßen dürfen. Die Mitgliedstaaten geben eine entsprechende Menge an Berechtigungen aus. Je eine erlaubt den Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid-Äquivalent. Die Zertifikate werden auf dem Markt frei gehandelt. So bildet sich ein Preis für den Ausstoß. Dieser soll Anreize bei den Unternehmen schaffen, ihre Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren.

Comeback für die Gaskraftwerke?

So können die Gaskraftwerke nun ein Comeback feiern. Viele Jahre führte ihre Stromerzeugung eher ein Schattendasein, war sie doch im Vergleich zur Stromproduktion aus anderen Energiequellen zu teuer und zu unwirtschaftlich. Vor allem die Kohle schnitt viel besser ab. Jetzt aber könnte die Stromerzeugung durch Gaskraftwerke wieder attraktiver sein.

„Der Zertifikatehandel oder CO2- Handel bringt, wenn die Zertifikate einen ordentlichen Preis haben, eine klassische Lenkungswirkung bei der Stromerzeugung, nämlich weg von der schmutzigen Braunkohle oder Steinkohle hin zu sauberen Gaskraftwerken.“ Josef Hasler Vorstandsvorsitzender N-Ergie

Weniger Strom aus Kohle, mehr aus Gas

Den Energy Charts der Fraunhofer Gesellschaft zufolge hat das dazu beigetragen, dass deutschlandweit die Stromerzeugung in Gaskraftwerken um mehr als ein Viertel gegenüber dem Vorjahr zugelegt hat. In Kohlekraftwerken wurde dagegen deutlich weniger Strom erzeugt. Für Christoph Kost, Forscher beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ist ein Ende der Kohlekraft damit sogar noch deutlich vor dem geplanten Ausstiegsdatum 2038 denkbar.

"Dieser Trend wird sich fortsetzen. Und dann wird es Kohlekrafwerke aus dem Markt treiben. Und meine Schätzung sieht eher 2030 als Datum, dass diese Kraftwerke nicht mehr wettbewerbsfähig werden, gegenüber Gaskraftwerken." Christoph Kost, Forscher beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme

Wie sich der Zertifikatehandel aber auf Verkehr und Wärme ausdehnen lässt ist dabei noch offen.

„Theoretisch ist der Emissionshandel auf Verkehr und Raumwärme übertragbar, das wird ja schon lange gefordert, müsste allerdings auf europäischer Ebene geschehen.“ Johann Wackerbauer, ifo-Institut

Wärme und Verkehr stehen in Deutschland für etwa ein Drittel der CO2-Emissionen – das sind rund 300 Millionen Tonnen jedes Jahr.

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Der Ausstoß von CO2 muss schnell deutlich reduziert werden: Darin sind sich Politiker fast aller Parteien einig. Streit gibt es aber darüber, wie das zu erreichen wäre. Ein Vorschlag: der Handel mit CO2-Zertifikaten.