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Streuobst: Selbstbedienung an der Natur wieder beliebter | BR24

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Im öffentlichen Raum werden heute wieder zahlreiche Obstbäume gepflanzt - was früher ganz normal war. Die Bürger freut es. Sie dürfen sich dort einfach bedienen. Und sie vernetzen sich dabei im Internet.

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Streuobst: Selbstbedienung an der Natur wieder beliebter

Im öffentlichen Raum werden heute wieder zahlreiche Obstbäume gepflanzt - was früher ganz normal war. Die Bürger freut es, sie dürfen sich am "Streuobst" einfach bedienen. Und sie vernetzen sich dabei inzwischen auch im Internet.

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Petra Maier bei der Apfelernte. Das Besondere: Der Baum gehört ihr gar nicht - und trotzdem tut die Münchenerin nichts Illegales. Denn der Baum steht auf öffentlichem Grund. Mitten in der Stadt. Die Äpfel darf jeder für den Hausgebrauch pflücken und mit gutem Gewissen verspeisen. Seit zehn Jahren macht Petra Maier von diesem Recht Gebrauch:

"Angefangen hat das eigentlich bei mir im Hof, wo ich wohne. Da gibt es einen Cornell-Kirschbaum. Und dann habe ich recherchiert, was das eigentlich für eine Frucht ist und ob man die essen kann. Und wenn man dann mal anfängt, dann findet man in der ganzen Stadt Früchte, die nicht geerntet werden. Dann habe ich einen Birnbaum gefunden, dann Holunder, das kennt eigentlich jeder, Bärlauch im Frühjahr, Hagebutten im Herbst und jetzt diese wunderbaren Äpfel. Und bevor die alle vergammeln am Boden, kann man sie ja nehmen und etwas daraus basteln." Petra Maier, Obst-Liebhaberin

Obstsammler organisieren sich im Netz

Immer mehr Leute sehen das so. Einige davon haben deswegen das Online-Portal mundraub.org gegründet. Hier kann man auf einer interaktiven Karte Obstbäume und Büsche auf öffentlichem Grund finden. Und: Entdeckt der Nutzer neue Erntemöglichkeiten, kann er diese ganz einfach in die Karte eintragen.

Kein Wunder, dass da überall in Deutschland Bäume und Büsche mit essbaren Früchten gemeldet werden. Zum Beispiel in Nürnberg: eine Streuobstwiese mit 90 Obstbäumen und hunderten Büschen. Das Besondere: Die Fläche gehört zwar der Stadt Nürnberg, gepflegt und erhalten wird sie aber von der Ortsgruppe Eibach des Bund Naturschutz. Gemeinsam kümmern sich Ehrenamtliche um die Streuobstwiese. Jedes Jahr gibt es mehrere große Aktionstage, an denen geschnitten und gepflanzt wird.

"Wir haben ungefähr sechs Leute, die das machen. Und dann kommen oft Freiwillige dazu aus der Stadt, die das lesen, dass wir hier etwas arbeiten. Es gibt viele, die wollen sich nicht in Diskussionen engagieren, sondern die wollen lieber anpacken. Und das Schöne ist dann: der Abschluss nach drei Stunden. Dann gehen wir gemeinsam Essen." Peter Strobl, Bund Naturschutz Nürnberg-Eibach

Streuobst meist bedenkenlos genießbar

Nicht nur mithelfen kann hier jeder, auch ernten. Und von dieser Möglichkeit machen alle gerne Gebrauch. Immer mehr Städte pflanzen bewusst neue Obstbäume, bei denen sich die Bürger bedienen können. Die Stadt Regensburg ist besonders aktiv. Michael Lehmann ist der stellvertretende Leiter des städtischen Gartenamtes. Er kämpft für mehr essbares Grün in seiner Stadt:

"Wir bieten den Leuten die Möglichkeit, für den Hausgebrauch in kleiner Menge zu ernten, um zu sehen, welche geschmackliche Vielfalt auf den Obstbäumen möglich ist. Apfel, Birne, Kirsche - all das steht hier. Man bekommt hier Sorten geboten, die man nicht im Supermarkt findet, wo man mal auch im Vorbeigehen einen Apfel pflückt und schaut, wie kann denn ein Apfel schmecken jenseits von Granny Smith und Golden Delicious." Michael Lehmann, Gartenamt Regensburg

Übrigens: Das Obst im öffentlichen Raum kann bedenkenlos gegessen werden und ist laut Studien oft sogar weniger mit Schadstoffen belastet als die Ware aus dem Supermarkt. Allerdings ist es empfehlenswert, bei stark befahrenen Straßen auf einen Abstand von mindestens 20 Metern zu achten.

Schattenseite: Immer wieder werden Bäume beschädigt

Außerdem sollte man beim Pflücken aufpassen, dass der Baum nicht beschädigt wird. Doch es kommt immer wieder vor, dass beim Ernten ganze Äste abgebrochen werden. Bis solche Schäden ausgeglichen sind, dauert es Jahre, so Michael Lehmann.

"Natürlich ärgert mich das. Das ist unsere Arbeit. Einmal das, was wir pflanzen. Zum anderen die Kollegen, die hier die Jahrespflege machen, die kümmern sich natürlich um ihre Bäume und finden so etwas natürlich auch traurig, weil man mit dem Schaden wieder umgehen muss. Und man sieht seine Arbeit auch nicht gewürdigt." Michael Lehmann, Gartenamt Regensburg

Petra Maier freut sich in München über ihre Ausbeute. Mit der Zeit hat sie einiges Wissen angesammelt und sogar ein Buch darüber geschrieben. Ihr Tipp: Mit offenen Augen durch die Stadt gehen.