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Audi-Produktion

Die Schicht wird nicht zum nächsten Monat gestrichen, aber eine solche Verunsicherung wie in dieser Woche brauche es nicht, die Wut der Arbeitnehmer war bei der Versammlung spürbar, sagte ein Teilnehmer der Betriebsversammlung. Zuvor hatte es Unsicherheiten darüber geben, ob Audi eine Wechselschicht zum November streichen wird. Die Produktionsschicht, die zur Disposition stand, sei zu unrentabel und nicht ausgelastet genug.

Audi wollte eine Schicht streichen - ohne Rücksprache mit Betriebsrat

Am Mittwoch hatte der Betriebsrat die Pläne der Werksleitung heftig kritisiert. In dem internen Schreiben, das dem Bayerischen Rundfunk vorliegt, kritisierte der Betriebsrat die Unternehmensleitung heftig. Ohne Rücksprache mit dem Betriebsrat wolle Audi eine Produktionsschicht zum 5. November streichen, stand in dem Dokument. Der Betriebsrat spricht darin von Vertragsbruch. Das Unternehmen ruderte am Donnerstag zurück und sprach von einem Missverständnis in der Kommunikation. Hintergrund ist die Umstellung auf WLTP.

Produktion von Autos auf Halde

Die Umstellung auf WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) bereitet allen Autobauern Probleme. Der VW-Konzern ist aber besonders betroffen. Denn Prüfstände und auch Techniker sind bereits mit den Auswirkungen der Dieselkrise ausgelastet. Audi hinkt demnach wie Mutterkonzern Volkswagen hinterher. Im Sommer produzierte Audi zahlreiche Autos auf Halde. Nachdem WLTP in Kraft getreten war, standen die Bänder zeitweise still. Deshalb sind die Betriebsferien verlängert worden. Sogar noch im Oktober gibt es produktionsfreie Tage. Dennoch ist es gelungen, das Schichtmodell beizubehalten. Doch dann kam ein Schreiben des Betriebsrates.

Das Schreiben: Audi-Betriebsrat schlägt Alarm

Der Betriebsrat setzte am Mittwoch eine sogenannte "Information zur persönlichen Verwendung" für seine Mitglieder auf. In dem internen Schreiben, das dem Bayerischen Rundfunk vorliegt, kritisiert der Betriebsrat die Unternehmensleitung heftig. Ohne Rücksprache mit dem Betriebsrat wolle Audi eine Produktionsschicht zum 5. November streichen, steht in dem Dokument. Der Betriebsrat sieht sich übergangen und spricht von Vertragsbruch: "Eine weitere Zusammenarbeit auf Basis eines solchen Vorgehens ist für den Betriebsrat nicht mehr vorstellbar." Darüber hinaus stehe für den Betriebsrat fest, dass diese Vorgehensweise gegen die Charta der Arbeitnehmerbeziehungen des gesamten Volkswagenkonzerns verstoße. "Zudem ist diese Vorgehensweise ein krasses Fehlverhalten, das seinesgleichen sucht", steht im Schreiben.

Die Reaktion: Alles nur ein Missverständnis?

Schnell rudert das Unternehmen zurück. "Leider ist es bei dieser Kommunikation zu einem Missverständnis gekommen, was zu Unsicherheiten in der Mannschaft führte", betont die Werkleitung am Donnerstag. Ein Missverständnis in der Kommunikation: Hat also niemand die Absicht, eine Schicht zu streichen? Aktuell seien für das gesamte restliche vierte Quartal keine weiteren Entfallschichten geplant, heißt es. Allerdings heißt es auch: Es gebe noch keine endgültige Entscheidung.

Der Ausblick: Die Schicht bleibt, die Probleme auch

Betriebsrat und Unternehmen haben das Kriegsbeil wieder begraben. Vorerst. Zwar ist der Streit um den Erhalt der Schicht beigelegt. Doch die technischen Probleme bleiben. Audi wird in den nächsten Monaten wegen der WLTP-Probleme und wegen des Abgasskandals weiterhin über Produktionspläne und Schichten verhandeln müssen. Schließlich werden sich die Probleme auf die Absatzzahlen auswirken. Beobachter fragen sich, wie lange es dem Unternehmen noch gelingt, die Fehler, die im Management begangen worden sind, nicht auf die eigene Belegschaft abwälzen zu müssen. Das Kriegsbeil haben Unternehmen und Betriebsrat wohl nicht all zu tief vergraben.