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Ab 11. Januar dürfen Läden in Bayern wieder öffnen: zumindest, um Waren auszugeben, die vorab bestellt wurden. Der unterfränkische Bezirksvorsitzende des Handelsverbands Bayern begrüßt die Entscheidung. Viele Händler bangen jedoch weiterhin.

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Stimmung zu "Click & Collect" im Einzelhandel gedämpft

Ab 11. Januar dürfen Läden in Bayern wieder öffnen: zumindest, um Waren auszugeben, die vorab bestellt wurden. Der unterfränkische Bezirksvorsitzende des Handelsverbands Bayern begrüßt die Entscheidung. Viele Händler bangen jedoch weiterhin.

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Von
  • Pirmin Breninek

Für Daniela Binder ist es zumindest eine kleine Erleichterung. Ab Montag darf sie ihren Laden in der Würzburger Eichhornstraße wieder öffnen. "Das bringt auf jeden Fall was, dass man wieder die Möglichkeit hat", sagt Binder. Sie ist Besitzerin eines Geschäfts für Edelsteine, Schmuck und Mineralien.

Aiwanger: "Der letzte Strohhalm für die Händler"

Die Bayerische Staatsregierung erlaubt dem Einzelhandel im Zuge der ab 11. Januar geltenden Corona-Bestimmungen sogenannte "Click & Collect"-Angebote. Das war eine Forderung der Branche, aber auch aus Reihen der Politik. "Nun ist das der vielleicht letzte Strohhalm für die Händler, die seit Mitte Dezember geschlossen haben müssen", wird Hubert Aiwanger (Freie Wähler) in einer Mitteilung des von ihm geführten Wirtschaftsministeriums zitiert.

Handelsverband rechnet mit eher niedrigen Umsätzen

Auch Volker Wedde ist froh über diese Entscheidung. Er leitet den Bezirk Unterfranken im Handelsverband Bayern. "Ich denke, dass sich viele Unternehmer darauf vorbereiten", sagt Wedde. Gleichzeitig prognostiziert er: "Es wird nicht die Umsätze bringen, die erforderlich wären." Ladenbesitzerin Daniela Binder sieht das ähnlich. "So gut wie jedes Teil bei mir ist ein Unikat", sagt sie. Bei Facheinzelhändlern wie ihr seien Webshops nur schwer umzusetzen. Sie behelfe sich deshalb mit Telefonaten oder Fotos und Videos, die sie ihren Kunden schickt. Das funktioniere in ihrem Fall ganz gut. Trotzdem sagt sie: "'Click & Collect' wird nicht verhindern, dass Geschäfte aufgeben müssen."

Hohes Minus bei vielen Einzelhändler

Deutlicher wird Axel Schöll aus Schweinfurt. Er ist Kreisvorsitzender des Handelsverbands Bayern in Schweinfurt. Dort und in Bad Kissingen betreibt er je ein Schuhgeschäft. "Die Ware ist da, aber jetzt muss man schauen, wie man sie bezahlt", ärgert er sich. "Click & Collect" sei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Stimmung bei ihm und vielen Kollegen sei schlecht. 2020 habe er ein Umsatzminus von insgesamt 24 Prozent verzeichnet. Durch Online-Handel sei es gelungen, dieses um etwa fünf bis sechs Prozent zu drücken. Immerhin. Aber natürlich würde das nicht ausreichen, um dauerhaft durch die Krise zu kommen. Schöll hat im letzten Jahr einen Kredit bei der Förderbank KfW aufgenommen.

Kritik: Staatliche Hilfen für Einzelhandel zu gering

Auch dem Einzelhandel wurden im Dezember Hilfen zugesagt, allerdings anders als zum Beispiel in der Gastronomie. Händler haben demnach Anspruch auf Überbrückungshilfen, etwa zur Deckung ihrer Fixkosten. Die Gelder sind gestaffelt, entsprechend der tatsächlichen Einbußen. Bei Umsatzrückgängen zwischen 30 und 50 Prozent etwa werden 40 Prozent der Fixkosten erstattet, so hat es das Bundesfinanzministerium versprochen. "Flickschusterei", die ihm kaum etwas nützt, nennt das der Schweinfurter Schöll. Viele Händler säßen auf vollen Lagern fest. Für die Waren müssten sie nun Rechnungen begleichen. Doch das Umlaufvermögen im eigenen Betrieb zählt natürlich nicht zu den Fixkosten. Mit den aktuellen Hilfen sei ihm deshalb kaum geholfen.

Bezirkschef: "Einzelhandel fühlt sich im Stich gelassen"

Auch Bezirkschef Wedde erwartet hier mehr Unterstützung von der Politik: "Der Handel fühlt sich im Stich gelassen." Viele Einzelhändler würden zusehends in Zahlungsschwierigkeiten kommen. Deshalb richte sich die Hoffnung eben doch auf die nun gültige Möglichkeit zum Einkauf per "Click & Collect". "Wir hoffen einfach, dass die Menschen es wahrnehmen", sagt Wedde. Potenziale sieht er hierfür nicht nur in den größeren Städten. "Die Nähe zwischen Kunde und Unternehmer ist im ländlichen Raum oft größer. Möglich also, dass 'Click & Collect' auch dort gut funktioniert." Gleichwohl betont er, dass es sich hierbei um einen "Blick in die Glaskugel" handele. Man müsse schlicht abwarten, wie das Geschäft anläuft.

Abholung vor dem Laden mit FFP2-Maske

Unklarheiten sieht Wedde derzeit allerdings noch bei der genauen Ausgestaltung des "Schaufensterverkaufs". In einer Mitteilung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums hieß es zuletzt, dass die Waren vor dem Geschäft abgeholt werden sollen und Kunden dabei eine FFP2-Maske tragen müssen. Eine solche Abholung vor dem Laden plant zum Beispiel die Würzburger Buchhandlung Knodt. Dort sollen die Kunden ein Zeitfenster genannt bekommen, zu dem dann eine Tüte mit den bestellten Titeln im Außenbereich steht. Volker Wedde hofft, dass die Staatsregierung zumindest den kurzen Gang in den Laden gestattet, wie in der Gastronomie. Unklar sei auch noch, ob Kunden Bar oder mit Karte zahlen müssen.

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