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"Stiller Protest" gegen Werksschließung bei Schaeffler | BR24

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Schaeffler-Werk in Eltmann (Lkr. Haßberge) ist von Schließung bedroht

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    "Stiller Protest" gegen Werksschließung bei Schaeffler

    Mit einem "stillen Protest“ will der Betriebsrat von Schaeffler in Eltmann im Landkreis Haßberge auf die drohende Werksschließung aufmerksam machen. Von den Sparplänen des Unternehmens wäre auch der Standort in Höchstädt in Mittelfranken betroffen.

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    Von
    • Norbert Steiche
    • Eleonore Birkenstock

    Der Betriebsrat im Schaeffler-Werk in Eltmann (Lkr. Haßberge) gibt nicht auf. Für Mittwochnachmittag ruft er zum "stillen Protest" gegen die geplante Werksschließung auf. Die Konzernleitung in Herzogenaurach hatte angekündigt, das Werk in Eltmann mit 450 Mitarbeitern zu schließen. Die Produktion von Tonnenrollen für Pendellager soll nach Schweinfurt verlagert werden.

    Sondierungsgespräche laufen

    Laut einer Sprecherin des Betriebsrats in Eltmann laufen im Augenblick mit der Geschäftsführung in Herzogenaurach Sondierungsgespräche. Der Betriebsrat habe auch ein Gegenkonzept des Ifo-Instituts zur langfristigen Rettung des Standortes der Unternehmensleitung vorgelegt. "Wir wollen im Gespräch bleiben", sagte die Sprecherin zu BR24. Bei der Protestaktion sollen am Werkstor Kerzen angezündet werden. Wegen der Corona-Pandemie sollen keine Mitarbeiter zum Protest kommen.

    Abbaupläne von Schaeffler im September verkündet

    Im September hatte der Schaeffler-Konzern mit dem Programm "Space" weitreichende Abbaupläne angekündigt. Insgesamt möchte der Konzern in Deutschland 4.400 Arbeitsplätze an 17 Standorten abbauen. Sechs Standorte sollen zudem komplett geschlossen, verlagert oder verkauft werden. Flächendeckend kam es seitdem regelmäßig zu Protestkundgebungen an den Standorten.

    Gegenkonzept vom Betriebsrat

    Die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat von Schaeffler haben ein Konzept entwickelt, das eine Alternative zu den vom Unternehmen angekündigten Sparkonzept bieten soll. Wie die IG Metall mitteilt, müssten damit weniger Arbeitsplätze abgebaut werden als vom Herzogenauracher Auto- und Industriezulieferer vorgesehen.

    Standorte könnten zusammenarbeiten

    Demnach haben sie für die stark betroffenen Standorte im Bereich "Industrie" in Wuppertal und Eltmann sowie für Teilbereiche in Schweinfurt und Höchstadt (Lkr. Erlangen-Höchstadt) ein Konzept ausgearbeitet. Die vier Standorte könnten zusammenarbeiten. Auch hierbei sollen Produkte wegfallen und Schwerpunkte innerhalb der Standorte verschoben werden, so die IG-Metall. Allerdings wären deutlich weniger Arbeitsplätze betroffen.

    Gewerkschaft: Mitarbeiter und Standorte würdigen

    "Das Konzept des Betriebsrates ist ausgewogen und agiert mit Augenmaß", kommentiert Thomas Höhn von der IG Metall. "Der Arbeitgeber nennt sein Programm Space und zielt vor allem auf die Stärkung der Renditen ab. Wir möchten unter dem Begriff "fair Space" die Alternativen sammeln, die Gewinne sichern, aber die Belange der Arbeitnehmer und ihre Standorte sehr viel stärker würdigen", so Höhn. Damit könne beispielsweise auch der Standort Höchstadt langfristig gesichert werden.

    Vorbild für andere Standorte

    Ulli Schoepplein, der Betriebsratsvorsitzende des Standorts Eltmann, nimmt für die kommenden Gespräche den Vorstand in die Pflicht. "In den Verhandlungen wird es vor allem darauf ankommen, die Arbeitgeberseite zu überzeugen. Ohne ein Entgegenkommen des Konzerns geht es nicht." Auch in den anderen Bereichen des Konzerns werden nun vom Betriebsrat ähnliche Konzepte vorgelegt.

    Entscheidungen auch am Standort Schweinfurt

    Das gilt vor allem für den Standort Schweinfurt. Hier stünden die Gespräche noch ganz am Anfang, so die IG Metall. Viele Fragen seien noch offen. Das liege vor allem daran, dass dort neben dem Industriebereich auch Abbaupläne im Bereich wie Werkzeugbau, Prototypenbau, Automotive, Sondermaschinenbau und Overhead betroffen seien.

    Aktuell sollen diese Pakete jeweils separat betrachtet werden. Ein Ansatz, der für den Betriebsratsvorsitzenden Jürgen Schenk zu kurz greift: "Die Summe aller Maßnahmen für Schweinfurt sind viel zu heftig. Hier brauchen wir einen gesamtheitlichen Verhandlungsansatz über alle Bereiche hinweg." Der nächste Gesprächstermin zwischen Betriebsrat, IG Metall und der Arbeitgeberseite ist für Donnerstag angekündigt.

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