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Steuern und Abgaben: Singles zahlen besonders viel | BR24

© Karsten Böhne, BR

Das ifo Institut plädiert im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk für ein gerechteres Steuersystem. So steht Deutschland im internationalen Vergleich da.

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Steuern und Abgaben: Singles zahlen besonders viel

Die Mittelschicht entlasten - damit werben viele Parteien. Doch Fakt ist: Wer das 1,5-Fache des Durchschnittslohnes verdient, muss bereits den Spitzensteuersatz zahlen. Dabei könnte man die mittleren Einkommen einfach entlasten, sagen Forscher.

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Diejenigen, die bis zu 70.000 Euro im Jahr verdienen, tragen mehr als 80 Prozent der Sozialabgaben. Dabei verfügen sie nur über knapp zwei Drittel des Gesamteinkommens. Ein Vergleich, der klarmacht: Mittlere Einkommen werden in Deutschland relativ stark belastet. Dazu kommt: Ein kinderloser Single, der 70.000 Euro verdient, kommt etwa auf die gleiche Steuer- und Abgabenquote wie ein Spitzenverdiener mit 200.000 Euro Jahreseinkommen.

ifo Institut plädiert für gerechteres Steuersystem

Das Problem des Systems: Die einzelnen Komponenten seien nicht aufeinander abgestimmt, meint Andreas Peichl vom ifo Institut gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

"Wir haben zum Beispiel die Einkommenssteuer und die verschiedenen Sozialversicherungsabgaben, die an mehr oder weniger der gleichen Stelle anfangen zu wirken", so Peichl. Es sei besser, diese Systeme genau aufeinander abzustimmen und einen Tarif zu entwickeln, der an verschiedenen Einkommensarten ansetzt.

Eine weitere Möglichkeit, das Steuersystem gerechter zu gestalten, wäre aus Sicht von Andreas Peichl, den Spitzensteuersatz erst bei einer höheren Summe greifen zu lassen.

Steuerbelastung im OECD-Vergleich

Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2019 liegen in Deutschland die Steuern und Sozialabgaben auf Arbeitseinkommen deutlich über dem OECD-Durchschnitt.

Die Belastungen sind in Deutschland außerdem sehr ungleich verteilt: Der Staat greift beispielsweise bei Singles hierzulande besonders kräftig zu: Fast die Hälfte des Bruttolohns und der Sozialabgaben durch den Arbeitgeber fließen laut OECD-Studie in die Staatskasse. Nach Belgien liegt Deutschland damit sogar auf dem zweiten Platz.

Internationaler Vergleich: Singles schlechter, Familien besser gestellt

Für Familien mit nur einem Erwerbstätigen fallen die Steuern und Abgaben dagegen sehr viel geringer aus: Hier werden 34,4 Prozent des Bruttolohns und der Sozialabgaben des Arbeitgebers an den Staat abgeführt.

In Frankreich und Italien sind es dagegen mehr als 39 Prozent. Die geringere Belastung von Familien mit nur einem Erwerbstätigen in Deutschland ergibt sich durch Ehegattensplitting und beitragsfreie Mitversicherung von Familienangehörigen.