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Immer mehr Senioren sind verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben, in der Regel elektronisch. Computerprogramme können dabei behilflich sein.

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    Steuererklärung: Eine Herausforderung für Senioren

    Nach der letzten Rentenerhöhung erhöhte sich die Zahl der Senioren um etwa 50.000, die eine Steuererklärung einreichen müssen. Eine Rentnerin stellt sich der Herausforderung, ihre Steuererklärung ohne fremde Hilfe zu erstellen – zumindest fast.

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    Von
    • Hanna Heim

    Dorothea Sefzig ist eine agile Frau. Die 76-Jährige liebte es, vor der Corona-Pandemie zu singen, ins Kino zu gehen, Konzerte zu besuchen und Sport zu treiben. Sie sagt, das hält Geist und Körper in Bewegung. Und so sieht sie auch das leidige Thema Steuererklärung als eine Art Denksportaufgabe:

    "Ich ärger mich, wenn ich’s nicht hinkriege, in der Zeit, wo ich es mir vorgenommen habe. Aber wenn man dann eben nicht die Hilfe kriegt, die man braucht – das ist dann etwas, das nervt und wo ich sage: Das kann nicht sein. Das sind eben Fachidioten, die das machen und nicht die User, die Benutzer." Dorothea Sefzig

    Steuerberater kam nicht infrage

    Einen Steuerberater aufzusuchen, das kam für sie nie ernsthaft infrage. Seit einigen Jahren macht Frau Sefzig ihre Steuererklärung sogar nicht mehr nur auf Papier, sondern am PC. Zwar war schon die Registrierung für das Elster-Portal etwas aufwendig, sie hat immer wieder das Passwort vergessen. Aber mittlerweile kennt sie sich ganz gut aus:

    "Ich habe mir jetzt eben, weil ich die Formulare nicht bekommen habe, das schon ausgedruckt. Also der Hauptvordruck. Dann die Anlage N für meinen Mann, die Anlage R für mich. Vorsorgeaufwand, das sind die Versicherungen, dann Sonderausgaben, das sind Spenden und Kirchensteuer und dann die außergewöhnlichen Belastungen, da kommt dann die Krankenversicherung." Dorothea Sefzig

    Digitalisierung macht es für Rentner nicht unbedingt leichter

    Es ist eben doch ein kompliziertes Feld. Dorothea Sefzig sagt, jedes Jahr ist sie etwa vier Wochen intensiv mit der Steuer beschäftigt. Und dass nach und nach alles digital wird, macht es nicht leichter.

    Nachdem sie ihre Ablage mit den gesammelten Belegen durchsortiert und den einzelnen Formularen zugeordnet hat, beginnt sie damit, sich Seite für Seite durchzuarbeiten und die Zahlen erst auf Papier und dann online einzutragen. Als Hilfestellung hat sie vor einigen Jahren eine Steuer-DVD benutzt. Einmal, als sie gar nicht weiterwusste, hat sie auch direkt beim Finanzamt angerufen. In diesem Jahr soll ihr ein gedruckter Ratgeber von der Verbraucherzentrale helfen. Gerade liest sie sich durch das Kapitel zum Altersentlastungsbetrag:

    "Der Altersentlastungsbetrag wird einem steuerpflichtigen Wert, der vor dem Beginn des Kalenderjahres, in dem er sein Einkommen bezogen hat, das 64. Lebensjahr vollendet hat. Der maßgebende Prozentsatz und der Höchstbetrag des Altersentlastungsbetrags sind der nachstehenden Tabelle zu entnehmen."

    So gern sie sich auch um die Steuererklärung kümmert, es gibt etwas, das sie wirklich nervt:

    "Ich muss das ja prüfen, ob das stimmt. Ich hab’s letztes Jahr nicht hingekriegt und dieses Jahr hab ich’s versucht. Ich wüsste nicht, wie ich da drankomme, an die Zahlen." Dorothea Sefzig

    Kommen die richtigen Zahlen beim Finanzamt an?

    Frau Sefzig wüsste gern, ob beim Finanzamt die richtigen Zahlen ankommen. Der Steuerbescheid allein genügt ihr nicht, um sicherzugehen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Mitarbeiter von Lohnsteuerhilfevereinen wissen, wie man das herausbekommt.

    "Sie rufen die elektronischen Daten beim Finanzamt ab. Ja, und das würde über das Elster-Onlineportal funktionieren. Das funktioniert so, dass Sie diesen Abruf beantragen, den Freischaltcode bekommen – das müssen Sie auch nur einmal beantragen, der gilt dann für alle Ewigkeit. Den hinterlegen Sie dann im System, dann können Sie Ihre Daten auch abrufen und dann wissen Sie, was das Finanzamt über Sie gespeichert hat." Tobias Gerauer, Steuerberater beim LoHi e.V.

    Muss man eine Steuererklärung machen?

    Dass das Ehepaar Sefzig überhaupt eine Steuererklärung abgeben muss, liegt an der guten Pension des Ehemanns. Denn wäre Dorothea Sefzig als Einzelperson veranlagt – dann läge sie mit ihren etwa 350 Euro monatlicher Rente deutlich unter der Freibetragsgrenze. Die verschiebt sich jedes Jahr etwas nach oben, für 2020 liegt sie bei 9.408 Euro pro Jahr. Aber selbst wenn Frau Sefzigs Rente über den 9.408 Euro läge, wäre es noch nicht sicher, ob sie eine Steuererklärung machen müsste, erklärt der Steuerberater.

    "Da wird es etwas schwierig, das selbst zu erkennen. Man schaut, wie hoch ist der steuerpflichtige Teil der Rente, dann kommen noch die Werbungskosten weg, normalerweise 102 Euro Werbungskostenpauschale. Und darunter sind alle Einkünfte. Also Rente, Pension, vielleicht habe ich noch eine Vermietung – das muss ich alles zusammenrechnen. Und wenn dann der Gesamtbetrag der Einkünfte unter dem Grundfreibetrag ist, muss ich keine Steuererklärung abgeben. Wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte höher ist, muss ich eine Steuererklärung abgeben." Tobias Gerauer, Steuerberater beim LoHi e.V.

    Lohnsteuerhilfeverein empfiehlt professionelle Beratung

    Allein das zeigt, wie viele Fragen so eine Steuererklärung aufwirft. Der Berater vom Lohnsteuerhilfeverein rät deshalb dazu, doch einmal 100 bis 200 Euro in die Hand zu nehmen und sich professionelle Beratung zu suchen. Allein schon, um Rechtssicherheit zu haben. Doch für Dorothea Sefzig bleibt das vorerst keine Option. Stattdessen brennt ihr eine andere Frage unter den Nägeln: Was machen denn Leute, die nicht so gut mit dem Computer umgehen können?

    "Wenn man verpflichtet ist, die Erklärung elektronisch abzugeben, es aber nicht machen kann? Dann gäbe es grundsätzlich die Möglichkeit, dass man sich davon befreien lässt. Allerdings muss man dann mit dem Finanzamt reden und auch die Gründe darlegen. Und das Finanzamt muss dann sagen: Okay, ihr könnt das jetzt auch in nicht-elektronischer Form abgeben." Tobias Gerauer Steuerberater beim LoHi e.V.

    Frau Sefzig bleibt dabei: Sie macht ihre Steuererklärung selbst und am Computer. Für sie lohnt sich das, denn sie bekommt in der Regel eine Rückerstattung von etwa 500 Euro. Sie nennt das "eine nette Entschädigung".

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