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Starkes Börsendebüt des Modehändlers Mytheresa in New York | BR24

© BR / Lukas Graw

Der Münchner Modehändler Mytheresa startet erfolgreich an der Wall Street in New York.

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Starkes Börsendebüt des Modehändlers Mytheresa in New York

Das Börsendebüt der Münchner Firma Mytheresa ist gelungen. Der Onlinehändler für Luxusmode hat sich für New York als Börsenstandort entschieden und folgt damit dem Trend, Investorengelder nicht an heimischen Börsen zu sammeln, sondern in den USA.

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Von
  • Sebastian Hanisch
  • Lukas Graw
  • Leonie Thim

Das hatten sich die fünf Geschäftsführer von Mytheresa sicher anders vorgestellt. Statt auf der Empore im Börsensaal in New York stehen sie im Büro in Aschheim bei München und beobachten per Video, wie eine Mitarbeiterin der New York Stock Exchange die Börsenglocke läutet. Das dürfte aber auch der einzige Wermutstropfen gewesen sein. Denn das Debut war sehr erfolgreich.

Mytheresa startet mit Kursgewinnen an der New Yorker Börse

Der Luxus-Onlinemodehändler ist am Donnerstag an der New Yorker Börse mit kräftigen Kursgewinnen gestartet. Die Aktien der Muttergesellschaft des Unternehmens, MYT Netherlands Parent B.V., wurden gestern zum ersten Mal gehandelt. Die Papiere stiegen zwischenzeitlich auf bis zu 36,03 Dollar und pendelten sich oberhalb von 33 US-Dollar ein, deutlich über dem Ausgabekurs von 26 Dollar je Aktie (21,46 Euro).

Beim Börsengang wird nur knapp ein Fünftel des Unternehmens angeboten. Er soll insgesamt bis zu 467 Millionen Dollar (385 Millionen Euro) einsammeln, von denen bis zu 370 Millionen (305 Millionen Euro) dem Unternehmen zufließen. 2014 hatte die US-amerikanische Nobel-Kaufhauskette Neiman Marcus Mytheresa übernommen, im Mai 2020 aber Insolvenz angemeldet. Finanzinvestoren hatten verhindert, dass Mytheresa im Rahmen der Insolvenz zerschlagen wurde. Jetzt soll zunächst das gut 200 Millionen Dollar schwere Gesellschafterdarlehen getilgt werden. Der Rest wird ins internationale Wachstum investiert

Entscheidung für Börse in New York

Mit der Entscheidung, in New York an die Börse zu gehen, folgt Mytheresa einem Trend, erklärt Stefan Jekel. Er ist als "Head of International Listings" zuständig für Unternehmen aus aller Welt, die sich an der US-Börse listen lassen. Besonders Firmen, die in erster Linie Geschäfte im Internet machen, entscheiden sich häufig für die Wall Street, so Jekel.

Ein Grund sei die Einstellung der US-Anleger zum Risiko. "Der Zugang zum Kapitalmarkt ist weiterhin hoch attraktiv, auch wegen der Risikobereitschaft der hiesigen Anleger. Das hängt natürlich auch mit der Gesamtgröße des US-Marktes zusammen. Aber Anleger an der New Yorker Börse haben auf Wachstumsunternehmen – inklusive jener, die noch nicht profitabel sind – besonders großen Appetit", erklärt der gebürtige Wiesbadener weiter.

Mögliches Risiko: Keine eigenen Produkte

Mytheresa ist eine Onlineplattform für Mode von Luxusmarken. Ein Risiko besonders aus Sicht von risikoscheuen Investoren ist, dass nur wenige reale Gegenwerte existieren, wie Maschinen, große Immobilien oder eigene Produkte. Kann sich das Unternehmen nicht auf dem Markt behaupten, sind hohe Verluste für die Anleger möglich. Auf der anderen Seite können "Internetunternehmen" deutlich schneller wachsen als Industrieunternehmen. Im Erfolgsfall kann der Wert des Unternehmens als stark steigen.

Nur ein Erfolgsbeispiel ist die Firma Fiverr, ein Onlinemarktplatz für Dienstleistungen mit Zentrale in Tel Aviv. Das Unternehmen hat seinen Kurswert seit dem Börsengang im Sommer 2019 aktuell etwa versiebenfacht.

Corona beeinflusst auch Börsengänge

Die Corona-Pandemie hat die Börsen vor knapp einem Jahr weltweit auf Talfahrt geschickt. Auch wegen riesiger staatlicher Hilfspakete und weiterhin sehr billigem Zentralbankgeld bewegen sie sich derzeit teils auf Rekordniveau. Das Virus hat aber auch die Planungen vieler Unternehmen in Hinblick auf den Börsengang umgeworfen. Während einige Unternehmen ihre Börsenpläne erstmal zurückgestellt hätten, um ihr Geschäftsmodell neu zu justieren, hätten andere sich unbeeindruckt gezeigt, oder ihre Pläne sogar vorgezogen, erklärt Stefan Jekel.

Ein prominentes Beispiel für einen Börsengang, den es ohne Corona so wohl nicht gegeben hätte, ist das Tübinger Unternehmen Curevac, das einen Impfstoff gegen Corona entwickelt. Im Juni 2019 sammelte die Firma an der Börse Geld ein, und zwar in New York.

Der Börsengang in den USA hat dabei nicht nur Vorteile. Strenge Regeln bei den Themen Transparenz und "Compliance" etwa verursachen vergleichsweise hohe Kosten, die im Falle eines erfolgreichen Börsengangs für die Unternehmen allerdings leicht zu schultern sein dürften.

© BR

Luxus-Bekleidung zu hohen Preisen ist gefragt. Das beweist der deutsche Online-Shop Mytheresa aus Aschheim bei München. Er verkauft so erfolgreich Mode, dass er in dieser Woche in New York an die Börse gegangen ist.

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