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Stadler: Diesel-Skandal "eine nie dagewesene Stresssituation" | BR24

© BR/dpa-Bildfunk/Matthias Schrader

Weist strafrechtliche Vorwürfe im Diesel-Skandal von sich: Ex-Audi-Chef Rupert Stadler.

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    Stadler: Diesel-Skandal "eine nie dagewesene Stresssituation"

    Der frühere Audi-Vorstandschef Rupert Stadler hat sich im Diesel-Prozess vor dem Münchener Landgericht erstmals selbst geäußert. Die in der Anklage erhobenen Vorwürfe wies er in einer von ihm verlesenen Erklärung wie erwartet zurück.

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    Von
    • Arne Meyer-Fünffinger

    Rupert Stadler macht an diesem Morgen einen auffallend entspannten Eindruck. Noch vor seinen Anwälten trifft er am Verhandlungssaal der JVA in München-Stadelheim ein. Er trägt einen dunkelblauen Nadelstreifenanzug, einen schwarzen Rollkragenpulli und eine Schiebermütze. Wer den früheren Audi-Chef erkennen will, muss schon genauer hinschauen. Er unterhält sich kurz mit Journalisten, zückt dazwischen sein Handy. Fragen werde er heute nicht beantworten, sondern nur die von ihm vorbereite Erklärung vortragen, erklärt er. Und daran hält er sich.

    "Eine nie dagewesene Stresssituation"

    "Wir haben eine nie dagewesene Stresssituation erlebt" – so schildert Rupert Stadler daraufhin in seiner mehrstündigen Erklärung die Monate, nachdem die US-Umweltbehörde EPA im September 2015 zunächst publik macht, dass Volkswagen in den USA in Diesel-Motoren unzulässige Abschalteinrichtungen verbaut hat. Rund zwei Monate später veröffentlicht die Behörde eine weitere Meldung, wonach diese auch bei Audi-Fahrzeugen vorhanden sind. "Der Schock im Unternehmen war groß", erinnert sich Stadler, der zwischen 2007 und 2018 an der Spitze des Audi-Konzerns gestanden hat.

    Mehrere Stunden Zeit nimmt er sich für diese erste persönliche Erklärung in einem Verfahren, in dem ihm die Staatsanwaltschaft unter anderem mittelbare Falschbeurkundung und strafbare Werbung vorwirft. Neben Stadler sind auch der frühere Audi-Motorenchef Wolfgang Hatz und die Motorenentwickler Giovanni P. und Henning L. angeklagt. Und vor allem bei den Entwicklern sieht Stadler die Schuld für den Skandal. Hätten die "früher die Hosen runtergelassen, wären viele Themen beherrschbar gewesen", sagt er.

    Vorwürfe abermals zurückgewiesen

    Was die Verantwortung für den Skandal angeht, sieht der 57-Jährige sich und seine Vorstandskollegen nicht in der Pflicht. Vielmehr hätten sie zusammen alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, damit bei Audi gesetzeskonform gearbeitet werden könne. Die von der Staatsanwaltschaft München gegen ihn persönlich erhobenen Vorwürfe eines strafrechtlichen Fehlverhaltens "weise ich in aller Deutlichkeit von mir", so Stadler weiter, der damit einen Frontalangriff auf die Behörde einleitet. Bestürzt habe ihn, wie im Rahmen des Verfahrens mit ihm umgegangen worden sei. "Unverhältnismäßig in der Sache", so Stadler. Und dabei erwarte er ein faires und neutrales Verhalten. Stadler hatte 2018 zwischenzeitlich in Untersuchungshaft gesessen – wegen Verdunklungsgefahr.

    Die Behörde wirft ihm vor, dass Audi seit Ende September 2015 in Europa weiter Diesel-Fahrzeuge an Kunden verkauft hat, obwohl diese mit einer Motorsteuerungssoftware unterwegs waren, die dafür gesorgt hat, dass die Autos auf dem Prüfstand sauberer waren als im Realbetrieb. Geradezu "beschämend" sei es, dass sich das Problem mit einem Softwareupdate lösen ließ.

    Für Stadler hat es nach eigenen Angaben im September 2015 zunächst keinerlei Hinweise gegeben, dass es auch bei den europäischen TDI-Motoren "Konformitätsprobleme" gebe. Bei der anschließenden Aufarbeitung und den Gesprächen mit den Behörden im In- und Ausland habe er stets betont, dass Audi auf volle Transparenz und Aufklärung setze, so Stadler weiter.

    "Bei Audi wurden Fehler gemacht", räumt Stadler am Ende ein

    Gleich zu Beginn der Erklärung gibt Stadler Einblick in seinen vollgepackten Terminkalender – ein festes Korsett aus Gremiensitzungen, Besprechungen, Dienstreisen, Veranstaltungen. Der Tag ist eingeteilt in Slots. Die Botschaft ist klar: Für Einzelheiten wie mögliche Probleme bei der Entwicklung von Diesel-Motoren ist da wenig Zeit. Da hat sich der studierte Betriebswirt auf die Aussagen seiner Fachleute verlassen, die ihm zum Beispiel bei Sitzungen im Herbst 2015 noch versichert hätten, in Europa gelte "Rolle gleich Straße". Übersetzt: das Emissionsverhalten der Audi-Diesel ist immer gleich.

    Am Ende zieht Rupert Stadler ein persönliches Fazit: Es liege in seiner firmenpolitischen Verantwortung, dass es bei Audi zu Fehlentwicklungen gekommen sein. "Tarnen und Täuschen waren Teil einer Arbeits-, vielleicht auch Angstkultur", so Stadler. Und dabei habe er sich immer um eine offene Unternehmenskultur bemüht. "Audi war professionell geführt", betont er schließlich. Und dass durch die Diesel-Krise der Audi-Slogan "Vorsprung durch Technik" ramponiert worden ist, das ist ihm deutlich anzumerken, das schmerzt ihn bis heute.

    Schon am Mittwoch bekommen die ebenfalls angeklagten Motoren-Entwickler Giovanni P. und Henning L. die Gelegenheit, auf Stadlers Ausführungen zu reagieren. Der Appell der Verteidiger von Giovanni P., dass der Prozess wegen der Corona-Pandemie so nicht mehr stattfinden dürfe, bleibt zunächst ohne Folgen. "Die Aufrechterhaltung der Justiz ist auch systemrelevant", so der Richter Stefan Weickert.

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