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Squishies sehen niedlich aus, dünsten aber giftige Chemikalien aus
© Bayerischer Rundfunk
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Squishies sehen niedlich aus, dünsten aber giftige Chemikalien aus

Die 12-jährige Hannah aus Kopenhagen hat ihre Squishies geliebt - kleine niedliche Spielfiguren aus PU-Schaum. Bis Hannah erfuhr, dass das Spielzeug giftige Stoffe ausdünstet. Kurzerhand warf sie daraufhin die Figuren in den Müll, alles vor den Kameras des dänischen Fernsehens.

Squishies reizen Augen und sind gefährlich für Atemwege

Und das aus gutem Grund: Denn die dänischen Behörden warnen vor diesem Spielzeug. Alle zwölf von ihnen getesteten Squishies setzen in großen Mengen schädliche Chemikalien frei: "Die Erhebung zeigt", so Mangnus Løfstedt vom Dänisches Umweltministerium, "dass bei allen getesteten Produkten ein klares Risiko besteht. Das Spielzeug reizt die Augen und ist sehr gefährlich für die Atemwege".

Dänemarks Regierung warnt vor dem Spielzeug

Deshalb hat die dänische Regierung eine offizielle Warnung ausgesprochen und die Bürger aufgefordert, sich von ihren Squishies zu trennen.

Claus Jørgensen vom Dänischem Verbraucherschutz begrüßt das schnelle Handeln der Behörden. Auch er hält es für sinnvoll, generell vor Squishies zu warnen, bis sichergestellt ist, dass von den nicht getesteten, keine Gefahr ausgeht. "Wenn die Behörden an die Öffentlichkeit gehen und etwas aus den Regalen nehmen, dann sollten andere Länder folgen", sagt Jørgensen.

Giftige Squishies weiterhin in deutschen Regalen

In Deutschland gibt es Squishies jedoch bislang ohne weiteres zu kaufen. Bei Toys"R"us zum Beispiel werden sie sogar im aktuellen Weihnachtsprospekt beworben. In Dänemark hingegen hat Toys"R"us den Verkauf gestoppt. Warum nicht auch in Deutschland? Auf Anfrage des ARD-Magazins Plusminus teilt das Unternehmen mit:

"(…) bis auf den Namen Toys'R'Us gibt es mit den dänischen Franchisenehmern von Toys"R"Us keine Gemeinsamkeit und keine Geschäftsbeziehung. (…) Insofern haben wir auch keine Informationen zu dem von Ihnen erwähnten Rückruf." Spielwarenhersteller Toys'R'Us

In Dänemark zurückgerufen, in Deutschland nicht - dabei warnen inzwischen auch andere Länder wie Norwegen, Schweden oder Finnland generell vor Squishies. Warum nicht auch hierzulande?

Keine Warnung vom Verbraucherschutz in Deutschland

Beim zuständigen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit heißt es: "In Deutschland wurde nach den uns vorliegenden Informationen von Seiten der Behörden keine Warnung vor den genannten Produkten ausgesprochen."

In Deutschland wird also lediglich vor einzelnen Produkten gewarnt, nämlich vor denen, die über das Europäische Schnellwarnsystem Rapex gemeldet wurden. Eine allgemeine Warnung vor der ganzen Produktgruppe - wie in Dänemark - fehlt hierzulande. Und selbst die Squishies, die über Rapex gemeldet und deswegen auch in Deutschland nicht mehr verkauft werden dürften, sind im Online-Handel problemlos zu bestellen.

Verbotene Squishies von der Rapex-Liste lassen sich Online bestellen

Das zeigt auch folgendes Beispiel: Ein Cat-Burger, ein Squishy in Burger-Form, steht auf der Rapex-Liste. Trotzdem lässt er sich etwa über Ebay bestellen. Der Verkäufer sitzt zwar in China, als Artikelstandort ist aber Bremen angegeben. In solchen Fällen hätten es die Marktüberwachungsbehörden schwer, erklärt Tobias Bleyer von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Schließlich würden die Warenströme immer komplexer und immer größere Mengen nach Europa gelangen. "Da wird es einfach schwierig alles im Blick zu behalten. Das ist nahezu unmöglich", sagt Bleyer.

Online-Handel schwer kontrollierbar

Im Klartext: Die Behörden sind relativ machtlos. Von Produktsicherheit im Internet keine Spur. Und das betreffe ganz viele verschiedene Warengruppen. "Oben stehen die Spielzeuge. Danach kommen die Bedarfsgegenstände, wie Kleidung oder Schmuck, die durch verbotene Inhaltsstoffe immer wieder auffällig werden", erklärt Bleyer.

Immerhin: Ebay reagiert sofort auf die Anfrage und schreibt: "Wir haben nach Ihrer Meldung eine Suche nach derartigen Produkten durchgeführt und entsprechende Angebote gelöscht. Zudem haben unsere Kollegen in China die dortigen Verkäufer über die Rapex-Meldung informiert und aufgefordert, diese Produkte nicht mehr anzubieten."

Squishies riechen süßlich und zugleich beißend

Besonders auffällig bei Squishies ist auch der Geruch: eine Mischung zwischen süßlich und zugleich beißend. Plusminus hat die Spielsachen deshalb dem Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising vorgelegt.

"Wir haben häufig festgestellt, dass Dinge, die auffällig riechen sehr viele chemische Substanzen erhalten und auch große Mengen, und dass sehr häufig bedenkliche Substanzen dabei sind." Prof. Andrea Büttner, Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising

Karamell und Kokos um Fehlgerüche zur verdecken?

Das Ergebnis der Analyse: große Mengen von Lösungsmitteln in Squishies. Und Wissenschaftler Christoph Wiedmer hat noch mehr gefunden: "Zum anderen wurden Aromastoffe zugesetzt, die kokosartig oder karamellartig riechen. Es steht die Vermutung im Raum, dass diese zugesetzt wurden, um den Fehlgeruch zu übertünchen."

Doch die für die Augen und die Atemwege gefährlichen Stoffe dünsten trotzdem weiter aus, und das Problem, das die dänischen Behörden erkannt haben, bleibt bestehen.