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Der Bundesfinanzhof macht es Sparern leichter, Aktienverluste bei der Steuererklärung mit Gewinnen zu verrechnen.

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    Sparer sollen Aktienverlust mit Kapitalgewinn verrechnen können

    Seit 2009 werden Kapitalerträge pauschal versteuert. Das gilt auch für Aktiengeschäfte. Wer jedoch Verluste mit Aktien macht, kann diese nur mit Gewinnen aus Aktien verrechnen, nicht mit anderen Kapitalerträgen. Der Bundesfinanzhof will das ändern.

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    Von
    • Felix Lincke

    Mit Aktiengeschäften können Anleger leicht Verluste durch fallende Kurse erleiden, bei Zinseinkünften aus Anleihen ist das nicht so oft der Fall. Damit Sparer ihre Aktienverluste nicht einfach gegen Zinsgewinne aufrechnen können und so die Kapitalertragsteuer sparen, hat der Fiskus dem einen Riegel vorgeschoben. Das Steuerrecht sah bislang vor, dass die Verluste aus Aktien nur mit Gewinnen aus anderen Aktiengeschäften und nicht mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden können.

    Ungleichbehandlung von Aktien mit anderen Kapitalanlagen

    Ein Ehepaar klagte dagegen und bekam vom Bundesfinanzhof in München Recht. Das oberste Finanzgericht sah darin eine verfassungswidrige Ungleichbehandlung von unterschiedlichen Einkünften. Das Bundesverfassungsgericht soll jetzt entscheiden. Wenn die Richter in Karlsruhe ebenfalls wollen, dass alle Kapitalerträge gleich behandelt werden, bekämen die Anleger mehr steuerlichen Gestaltungsspielraum. Hinzukommt, dass jetzt auch Zertifikate und Optionsscheine wie Aktiengeschäfte behandelt werden. Die galten bislang als Termingeschäfte und waren steuerlich noch schlechter gestellt.

    Verluste im Steuerbescheid festhalten für Gegenrechnung

    Bis das Bundesverfassungsgericht in dieser Sache entscheidet, können aber noch einige Monate ins Land gehen. In der Zwischenzeit sind natürlich Steuern aus den vorangegangenen Jahren zu bezahlen, auch für Kapitalerträge. Um dennoch von der zu erwartenden Neuregelung zu profitieren, darf man nicht vergessen, die erlittenen Verluste im Steuerbescheid festzuhalten. Auf der letzten Seite des Einkommensteuerbescheids werden solche möglichen Verlustvorträge festgehalten, die später aktiviert werden können.

    Sparbüchse aus alten Aktienverlusten für künftige Kapitalerträge

    Wenn das Finanzamt sich weigert, solche Verluste festzuhalten, ist ein Widerspruch gegen den Bescheid möglich. Wenn es klappt, haben die Steuerpflichtigen eine Art Sparbüchse aus Aktienverlusten, mit der sie in den folgenden Jahren ihren Sparerfreibetrag aufbessern können. Denn nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs sollten ja sämtliche Einkünfte aus Kapitalerträgen gleichgestellt werden.

    Sparerfreibetrag bleibt bei 801 Euro – Erhöhung nicht abzusehen

    Dass der Bundesfinanzminister den Sparerfreibetrag erhöht, ist dagegen nicht zu erwarten. Dieser beträgt seit zwölf Jahren unverändert 801,- Euro. Gemessen an der Inflation und daran, dass der Freibetrag auch schon einmal höher war, könnte man sagen: Der steuerfreie Betrag ist heute niedriger als vor 30 Jahren.

    Ist der Staat zu knickrig mit den Sparern und ihrem Freibetrag?

    Immer mehr Kleinanleger überschreiten den Pauschbetrag. Forderungen nach einer Erhöhung des Sparerfreibetrags werden deshalb lauter. Außerdem sollte man die Pflicht der Bürger zur privaten Altersvorsorge mitberücksichtigen, die vor der Absenkung des Rentenniveaus noch nicht so notwendig war, heißt es. Die Parteien haben das bislang ignoriert. Das erhoffte Urteil des Bundesverfassungsgerichts könnte zumindest in einigen Fällen eine gewisse Entlastung bringen.

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