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Sozialkaufhaus Ringelsocke: Armut im Tal der Reichen | BR24

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Das Sozialkaufhaus Ringelsocke am Tegernsee

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    Sozialkaufhaus Ringelsocke: Armut im Tal der Reichen

    Die Region um den Tegernsee gilt als Hochburg der Wohlhabenden und Reichen. Doch es gibt auch eine andere Seite: Im Sozialkaufhaus Ringelsocke kaufen Bürger ein, die nicht im Überfluss leben.

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    Claudia Kruse, Mutter von zwei Kindern, arbeitet drei Tage pro Woche im Sozialkaufhaus Ringelsocke. Für sie ist es wichtig, dass die Sachen ein zweites Leben bekommen und anderen helfen: "Es ist schon Wahnsinn, dass das so weit auseinanderklafft. Man kann es sich nicht vorstellen: Es gibt genug, die wirklich an der Armutsgrenze hier leben."

    Seit gut zehn Jahren gibt es das Sozialkaufhaus Ringelsocke der Diakonie in Gmund am Tegernsee. Das Geschäft hat montags bis freitags von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Und der Bedarf steigt. Erst vor kurzem wurde die Ladenfläche erweitert. Es gibt Abteilungen für Haushaltswaren, Bekleidung für Herren und für Damen sowie für Kinder – inklusive Spielzeug. Die Preise: ab 50 Cent aufwärts.

    Stammkunden und steigender Bedarf

    Mira Imongo ist vor sechs Jahren aus dem Kongo geflüchtet. Ihr Asylantrag wurde anerkannt, ihr Mann arbeitet als Lkw-Fahrer. Sie kauft regelmäßig für sich und ihre fünf Kinder in dem Laden ein: "Ich komme fast immer hierher, schaue nach Schuhen für die Kinder – Kleidung auch."

    Ware und Kundschaft werden dem Sozialkaufhaus nicht so schnell ausgehen: Im Bezirk der Arbeitsagentur Miesbach gab es laut Statistik im Juli 2020 mehr Arbeitslose als im Winter. Eine davon ist Nina Hertlein. Sieben Jahre war sie Filialleiterin im Tegernseer Café Kreutzkamm – bis es verkauft wurde. Seit April ist sie arbeitslos. Für die Hotelfachfrau bietet der Arbeitsmarkt in Corona-Zeiten wenig Chancen. Und hinzu kommt das ungute Gefühl, auf Hilfe angewiesen zu sein, beschreibt es Hertlein.

    "Es ist schon bitter. Also man fühlt sich auch nicht mehr so gut. Vorher ist man schon ein bisserl stolz durch die Gegend gelaufen: ich bin Filialleitung vom Café Kreutzkamm, das ist ein wunderschönes Haus gewesen, eine tolle Zeit sieben Jahre lang. Und jetzt fühlt man sich auch ein bisserl unnütz, fast fehl am Platz, es ist bitter, es tut weh." Nina Hertlein, Arbeitslose

    "Wieviel Geld die Leute haben – Das ist Wahnsinn"

    Das Sozialkaufhaus Ringelsocke ist für viele eine feste Größe im Leben geworden. Auch für Catja Lacrouts. Nach einigen Irrungen des Lebens ist sie wieder an den Tegernsee zurückgekehrt. In der Ringelsocke hat sie einen festen Job gefunden. Und sie wundert sich immer wieder, was so alles an Ware reinkommt:

    "Wir kriegen ja sowieso die teuersten Marken, Schuhe von Joop, oder Chanel, oder Louis-Vuitton-Handtaschen, also es ist echt Wahnsinn. Und dann vor allem, weil neuwertig. Also die Schuhe, nicht einmal getragen. Da denkt man sich wirklich: Wieviel Geld die Leute haben – das ist Wahnsinn!" Catja Lacrouts, Sozialkaufhaus Ringelsocke Gmund

    Es lauern immer wieder Überraschungen in den abgegebenen Kisten, Koffern und Kartons. Einmal waren sogar Golfschuhe dabei. Golfschuhe im Sozialkaufhaus – so etwas gibt es vielleicht auch nur am Tegernsee.