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Soziale Start-ups: Jobs für eine bessere Welt | BR24

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Immer mehr Menschen wollen für sozial und ökologisch nachhaltige Unternehmen arbeiten. Viele junge Leute gehen einen Schritt weiter. Sie gründen Start-ups, bei denen es nicht um das große Geld geht, sondern um die Arbeit an einer besseren Welt.

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Soziale Start-ups: Jobs für eine bessere Welt

Immer mehr Menschen wollen für sozial und ökologisch nachhaltige Unternehmen arbeiten. Viele junge Leute gehen noch einen Schritt weiter. Sie gründen eigene Start-ups. Es geht nicht um das große Geld, sondern um die Arbeit an einer besseren Welt.

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Die Welt verändern, mehr Klimaschutz, Umdenken in Unternehmen, Schluss mit der Ausbeutung des Planeten - das wollen in Zeiten der Fridays for future-Bewegung immer mehr. Auch die Leute im Münchner Impact Hub. Hier treffen sich junge Firmengründer, die das Gemeinwohl im Blick haben.

Markus Sauerhammer kennt die Szene, er ist Vorstand eines Netzwerks, das Sozialunternehmer berät und zum Erfolg verhilft.

"Das sind Unternehmer, die nicht nur sagen, das müsste man ändern, sondern es selbst in die Hand nehmen und wirklich was verändern. Das ist ja wichtig, wenn wir eine Veränderung wünschen, dann funktioniert es ja nicht, wenn wir sagen, jemand anderes muss es machen, sondern wir müssen es selbst anpacken. Das macht wahnsinnig viel Spaß zu sehen, dass da wirklich eine Aufbruchsstimmung ist und dass es eine richtig große Bewegung wird." Markus Sauerhammer, Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland

Selbstfindung mit sozialer Nachhaltigkeit

Im Münchner Impact Hub hat auch Sonja Retzlaff ihren Arbeitstisch. Noch vor Kurzem war sie bei einer großen Unternehmensberatung tätig. Jetzt arbeitet sie bei einer Initiative für mehr Nachhaltigkeit und verdient nur noch einen Bruchteil ihres früheren Gehalts.

"Ich glaube, der finanzielle Aspekt war für mich nicht so entscheidend. Für mich sind einfach Themen wie beispielsweise der Klimawandel sehr drängend und ich hab' hier eine Möglichkeit gesehen, mit den Fähigkeiten und dem Wissen, das ich habe, einen Beitrag zu leisten. Im Endeffekt, um Lösungen für diese Probleme zu finden und da hat der Sinn einfach überwogen." Sonja Retzlaff, Transition München

Hendrik Reimer hat selbst ein Social Start-up gegründet. Noch vor fünf Jahren hat der Betriebswirt bei großen Firmen wie IBM und SAP gearbeitet. Doch dann steigt er aus. Die Geschäftsidee entsteht während einer Reise durch Westafrika: Der damals 31-jährige Rucksack-Tourist erfährt, dass Kakaobauern durch den Export der Bohnen kaum etwas verdienen, selbst wenn diese fair gehandelt werden.

Hendrik Reimers bemerkt, dass ausgerechnet die Heimatländer der Kakaobohne selbst Schokolade importieren. Das ist der Startschuss seines Unternehmens "fairafric".

Nachhaltiges Schokoladen-Start-up: Produktion, wo der Kakao wächst

Als erster hat Hendrik Reimers die komplette Produktion von Fairtrade-Schokolade in Ghana gestartet. Das Geschäft ist sehr gut angelaufen. Die Firma hat Arbeitsplätze vor Ort geschaffen. Nun folgen schon die nächsten Schritte.

"Wir bauen 'ne komplett solarbetriebene Schokoladenfabrik in die Kakao-Anbauregion in Ghana hinein", erzählt Reimers. 50 "sehr gut bezahlte, qualifizierte Arbeitsplätze" entstünden so. Das Projekt werde gerade finanziert. Unternehmensgewinne investiere der Geschäftsführer sofort wieder. So viel Wertschöpfung wie möglich soll im Land bleiben.

"Die Motivation war, ein soziales Problem, das Armut heißt, zu lösen. Und erheblich mehr mit meinem Schaffen zu bewerkstelligen, als ein sicheres Einkommen zu generieren - was ich jederzeit wieder machen kann." Hendrik Reimers, fairafric GmbH

Nicht Statussymbole, sondern Lösungen für eine lebenswerte Zukunft haben Vorrang für viele gut ausgebildete 'digital natives'. Sozialunternehmer Markus Sauerhammer hält es für wichtig, dass Unternehmen sich auf diesen Trend einstellen.

"Unternehmen, die sich da nicht anpassen, die werden Riesenprobleme haben. Weil, wenn mein Unternehmen Teil des Problems und nicht Teil der Lösung ist, dann werde ich auch keine Mitarbeiter mehr finden." Markus Sauerhammer, Sozialunternehmer

Starkes Wachstumspotenzial für soziale Unternehmen

In Sozialunternehmen wie "fairafric" liegt schon heute ein starkes Wachstumspotenzial, das womöglich sogar die Global Player der Schokoladenindustrie zu spüren bekommen könnten. Rund drei Euro zahlen Kunden bei Hendrik Reimers für die Tafel Schokolade - und die Firma hat ihren Umsatz bislang jedes Jahr verdoppelt. Die Idee, fair zu produzieren, kommt bei vielen Konsumenten offenbar an.

Gerade auch deshalb, weil ein Umdenken begonnen hat, sehen sich Gründer wie Hendrik Reimers auf dem richtigen Weg. Aus ihren sozialen Start-ups werden selbst global agierende Firmen. Eine Revolution von unten in der Welt der Wirtschaft.