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Sorge um die Altersvorsorge – Rentenlücke und schlechte Beratung | BR24

© BR/Julia Grantner

Die Sorge um die Altersvorsorge ist groß in Deutschland. Und diese Sorge dürfte nicht kleiner werden. Zwei heute veröffentlichte Studien offenbaren Rentenlücken zwischen Mann und Frau sowie Problematiken bei der Rentenversicherung.

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Sorge um die Altersvorsorge – Rentenlücke und schlechte Beratung

Zwei heute veröffentlichte Studien offenbaren Rentenlücken zwischen Mann und Frau sowie Problematiken bei der Rentenversicherung. Die Qualität der Beratung der Deutschen Rentenversicherung ist demnach alles andere als gut.

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Wie gut oder wie schwach ist die Altersvorsorge in Deutschland? Zwei Studien zum Thema "Rente", die heute veröffentlicht wurden, geben Einblicke.

Frauen bekommen ein Viertel weniger

Eine Studie der Uni Mannheim zeigt auf, welche gravierenden Nachteile Frauen bei der Rente haben: Im Durchschnitt bekommen Frauen in Deutschland am Ende ihres Berufslebens 26 Prozent weniger Rente als Männer.

Noch mit 35 Jahren gibt es kaum Unterschiede zwischen den Rentenansprüchen von Frauen und Männern: Doch von da an öffnet sich die Schere. Der Grund: Viele Paare gründen in den Dreißigern eine Familie und meist bleibt die Frau zu Hause. Die Folgen für die Rente seien drastisch, sagt Alexandra Niessen-Ruenzi, Professorin an der Universität Mannheim: "Im Schnitt hätte eine Frau, die mit 67 in den Ruhestand geht, im Monat 140 Euro weniger gesetzliche Rente als ein Mann. Wenn diese Frau 15 Jahre Rente bezieht, würden ihr rund 25.000 Euro fehlen."

Sozialverband: Viele Frauen arbeiten in weniger gut bezahlten Jobs

In Bayern ist der Unterschied sogar noch größer. Während die Männer zum Jahresende 2018 durchschnittlich 880 Euro Rente bekamen, waren es bei Frauen nur 645 Euro. Das ist ein Unterschied von 27 Prozent.

Ulrike Mascher, Landesvorsitzende des Sozialverbandes VdK sieht neben der Erziehungsarbeit ein weiteres Problem. Viele Frauen arbeiten in weniger gut bezahlten Jobs und auch das spiegelt sich in der niedrigen Rente wieder.

"Die Berufsfelder, in denen Frauen in Bayern meist arbeiten, Betreuungsberufe, Pflegeberufe und vor allem im Bereich Tourismus, Gastronomie, das sind alles Branchen, in denen nicht gut bezahlt wird und die Rente ist ein wirklich brutaler Spiegel der Erwerbstätigkeit." Ulrike Mascher, Landesvorsitzende des Sozialverbandes VdK Bayern

Vorsorge: Ein Dschungel an Angeboten

Die Untersuchung der Uni Mannheim, die in Zusammenarbeit mit der niederländischen Tilburg University entstand, stützt sich auf Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB in Nürnberg. Die laut den Forschern "repräsentative Datenbank" des IAB basiert auf gesetzlichen Rentenansprüchen von 1,8 Millionen Arbeitnehmern. Der Stichprobenzeitraum reicht von 1993 bis 2014.

In Auftrag gegeben wurde die Studie von der Fondsgesellschaft Fidelity. Das ist kein Zufall, denn Fondsgesellschaften verdienen viel Geld mit Vorsorgeprodukten, die die Lücken der gesetzlichen Rentenversicherung schließen wollen. Aus diesem Dschungel an Angeboten das Richtige zu finden ist oft nicht leicht.

Stiftung Warentest: Rentenberatung mit großen Mängeln

Selbst wenn man sich Hilfe sucht, wird es oft nicht besser: Eine ebenfalls heute veröffentliche Untersuchung der Stiftung Warentest ergab, dass die Qualität der Beratung der Deutschen Rentenversicherung alles andere als gut ist.

80 Testpersonen hatten Auskunfts- und Beratungsstellen der Rentenversicherung aufgesucht. Die Testpersonen fragten zum Beispiel danach, wie hoch die Altersrente ausfallen wird oder was sie tun könnten, um das Renteneinkommen zu erhöhen. Stiftung Warentest kritisiert, dass nur selten Wege aus der sogenannten Rentenlücke heraus aufgezeigt wurden.

Schon die Terminvereinbarung war in vielen Orten wohl langwierig – Bayern Süd schnitt hier aber mit am besten ab. Insgesamt war die Qualität der Beratungen sehr unterschiedlich: die Stiftung hat nur ein Ausreichend, also die Schulnote 4, vergeben.

Immerhin schnitten aber Rentenversicherungsträger in Nordbayern und Bayern Süd relativ gut ab. Dennoch mahnt Stiftung Warentest, dass Versicherte überall eine gute Beratung brauchen.