BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern

Ein Kampfpanzer vom Typ Leopard 2

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Philipp Schulze
11
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Noch keine Champagnerlaune in der Rüstungsindustrie

100 Milliarden Sondervermögen: Wenn die Bundeswehr wie von der Regierung beschlossen besser aus- und aufgerüstet wird, könnte das der Verteidigungsindustrie Milliardenaufträge bescheren. Profitieren davon auch die bayerischen Rüstungsfirmen?

Von
Stephan LinaStephan Lina
11
Per Mail sharen

Von Champagnerlaune ist derzeit nichts zu spüren, spricht man mit den Top-Managern aus der bayerischen Verteidigungsindustrie. Egal ob Krauss Maffei-Wegmann, Airbus Defence and Space, Airbus Helicopters oder der Raketenspezialist MBDA Deutschland: In den Orderbüchern der größten Rüstungsfirmen im Freistaat schlägt sich die viel zitierte Zeitenwende noch nicht in neuen Großbestellungen nieder.

"Sondervermögen Bundeswehr" wird erst noch verplant

Das liege auch daran, dass derzeit die Planungen auf Hochtouren laufen, wie die 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr angelegt werden sollen, sagt Michael Schöllhorn, Chef der Verteidigungssparte von Airbus. Dabei merke man allerdings, dass sich die Diskussion verschoben habe von der Infragestellung der Rüstungsindustrie vorher zu einer "ausgewogeneren Sicht" heute.

Ähnlich die Situation beim Münchener Panzer-Hersteller Krauss Maffei-Wegmann, kurz KMW. Auch dort sei bisher noch kein einziger Euro an Neuaufträgen der Bundeswehr eingegangen, so KMW-Chef Ralf Ketzel. Sein Unternehmen wird demnächst zwar einige Dutzend alte Flugabwehrpanzer vom Typ Gepard für die ukrainische Armee flottmachen, doch das große Geld verdient KMW damit nicht, heißt es in der Branche.

Rückkehr zur Landes- und Bündnisverteidigung

Und auch in Zukunft sei nicht mit riesigen Neuaufträgen aus Berlin zu rechen. Allenfalls mit Orders, die schon eine Weile auf Halde liegen und aus Kostengründen immer wieder geschoben wurden, zum Beispiel Nachbestellungen für Schützenpanzer vom Typ Puma. "Wir gehen davon aus, dass im Prinzip die Programme umgesetzt werden, die wir bis dato erwartet haben", sagt Ketzel. Das seien im Wesentlichen Planungen, die bereits in Folge der Krim-Krise von der Armee aufgestellt wurden im Sinne der Rückkehr zur Landes- und Bündnis-Verteidigung.

Mehr Planungssicherheit erhofft sich Thomas Gottschild, der beim Raketen-Spezialisten MBDA Deutschland in Schrobenhausen die Geschäftsführung leitet. Das Unternehmen liefert unter anderem Flugabwehrsysteme wie Patriot an die Bundeswehr. Gerade hier, beim Schutz des Luftraums sehen Experten die Bundesrepublik seit Jahren schwach aufgestellt. Zum Beispiel in der Verteidigung gegen tief fliegende Drohnen.

Arbeiten "zum Schutz Deutschlands"

Handfeste Bestellungen für solche Technologien hat auch Gottschild nicht im Orderbuch, er stellt aber zumindest atmosphärische Veränderungen fest. Etwa in der Haltung der Gesellschaft zur Verteidigungsindustrie.

Seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine und angesichts des Moskauer Säbelrasselns gegenüber der Nato gebe es wieder mehr Bewerbungen von Menschen, die sich vorstellen können, an Militärtechnik zu arbeiten. "Zum Schutz Deutschlands", wie es oft bereits im Anschreiben heiße, berichtet Thomas Gottschild.

Fluggerät aus den USA

Eine Sorge treibt die Rüstungs-Manager um: So will Berlin demnächst Kampfjets und schwere Transporthubschrauber in den USA kaufen. Quasi "von der Stange", statt sie hier in Europa entwickeln zu lassen. Damit drohe eine massive Abhängigkeit, sagt zum Beispiel Wolfgang Schoder von Airbus Helicopters.

Er sieht die Gefahr, dass die hiesigen Unternehmen auf lange Sicht degradiert werden könnten: Von Innovations-Treibern hin zu reinen Reparatur-Werkstätten für US-Gerät. Denn im Westen könnten es sich nur amerikanische Konzerne leisten, militärische Hubschrauber oder Flugzeuge auf eigenes Risiko zu entwickeln. Den deutschen Firmen drohe deshalb auf mittlere und lange Sicht der Verlust von Know-How und Arbeitsplätzen, wenn die Politik Steuer-Milliarden in amerikanische Rüstungsgüter statt in heimische Produktion investiert.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Sendung

Dossier Politik

Schlagwörter