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Sollen Brillenträger ihre Sehhilfe bezahlt bekommen? | BR24

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Immer mehr Seiten fordern, dass gesetzliche Krankenkassen für Brillen wieder mehr bezahlen sollen. Dabei wurden Einschnitte früherer Jahre zum Teil schon zurückgenommen. Allerdings hat sich dies bei den Betroffenen bislang wenig herumgesprochen.

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Sollen Brillenträger ihre Sehhilfe bezahlt bekommen?

Immer mehr Seiten fordern, dass gesetzliche Krankenkassen wieder mehr für Brillen zahlen. Dabei wurden früher beschlossene Einschnitte zum Teil schon zurückgenommen. Allerdings hat sich dies bei den Betroffenen bislang wenig herumgesprochen.

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"Es gibt 41,2 Millionen Menschen in der Bundesrepublik, und damit fast die Hälfte der Bevölkerung, die tagtäglich mit einer Behinderung zu kämpfen haben, die ihre Regierung für unerheblich hält." Axel Gehrke AfD

Die massenhaft verbreitete Behinderung, von der AfD-Bundestagsabgeordnete Axel Gehrke im November 2018 sprach, ist Kurz- oder auch Weitsichtigkeit. Diese gilt laut deutschem Recht nicht als Sehbehinderung, wenn sich die Fehlsichtigkeit mit Hilfe einer Brille oder Kontaktlinsen korrigieren lässt.

Als Gehrke höhere Zahlungen der Krankenkassen an Brillenträger forderte, fanden etliche andere Abgeordnete es eher erheiternd, was der AfD-Abgeordnete als Nachteile der Brillenträger aufzählte.

"Beschlagene Gläser bei Temperaturwechsel, Beeinträchtigung im Straßenverkehr, erhöhte Verletzungsgefahr." Axel Gehrke AfD

Unterstützung für Brillenträger sukzessive abgebaut

In mehreren Schritten haben in den vergangenen drei Jahrzehnten verschiedene Bundesregierungen Brillen aus der Kassenversorgung fast komplett herausgenommen. Neben der AfD fordern auch die Grünen und die Linke, diese Einschnitte rückgängig zu machen. Auch der Sozialverband VdK unterstützt diese Forderung. Die Sozialrechts-Expertin des VdK Bayern, Claudia Spiegel, findet, viele Menschen hätten ein echtes Problem, sich eine ordentliche Brille zu kaufen.

"Wir merken es besonders bei Versicherten, die geringe Renten oder geringe Einkommen haben. Für sie ist es natürlich schwierig, sich eine neue Brille zu beschaffen, wenn sich die Dioptrienzahl geändert hat." Claudia Spiegel, VdK Bayern

Entsprechend begrüßt es der VdK, dass die Bundesregierung im Jahr 2017 Verbesserungen für Menschen, die besonders schlecht sehen können, beschlossen hat. Wer mindestens sechs Dioptrien hat, erhält einen Zuschuss, bei einer Hornhautverkrümmung liegt die Grenze bei vier Dioptrien.

"Da können Sie Minimum zehn Euro und Maximum 112 Euro bekommen, das richtet sich aber dann jeweils danach, wie schwer die Fehlsichtigkeit ist." Claudia Spiegel, VdK Bayern

Nach Schätzungen könnten 1,4 Millionen Männer und Frauen von dieser Verbesserung profitieren – doch beim VdK hat man das Gefühl, dass viele nichts davon wissen.

"Die Rückfragen bei uns halten sich auch sehr in Grenzen, müssen wir ehrlich zugeben." Claudia Spiegel, VdK Bayern

Niedrige Erstattung macht Unterstützung unattraktiv

Der Chef der bayerischen Landes-Optiker-Innung, Rainer Hankiewicz, hat eine Erklärung, warum die Gesetzesänderung nur wenig Widerhall findet. Zum einen seien die Erstattungssummen nicht allzu hoch. Und: Die Anträge seien mit einer gewissen Bürokratie verbunden – vor allem für die Optiker.

"Die eine Krankenkasse agiert so, die andere agiert so. Sie schicken es bei der Krankenkasse ein, dann bekommen Sie das Rezept zurück und müssen Sie es noch einmal einschicken. Die anderen rechnen es ab. Also von der Seite macht es keinen Spaß." Rainer Hankiewicz, Landes-Optiker-Innung

Forderungen von AfD, Grünen und Linken, dass die Kassen insgesamt wieder mehr für Brillen zahlen sollten, kann er verstehen. Große Erfolgschancen haben sie seiner Ansicht nach aber nicht.

"Mittlerweile ist es so, dass die GKV nicht mehr aus dem Vollen schöpft wie 2017." Rainer Hankiewicz, Landes-Optiker-Innung

Fehlsichtigkeit sei "Einschränkung, aber keine Krankheit"

Hankiewicz hat auch Verständnis für Gesundheitspolitiker, die die Hunderte Millionen Euro, die die Kassen früher für Brillen ausgegeben haben, lieber anderswo investieren wollen. Gerade weil Fehlsichtigkeit so weit verbreitet ist, muss seiner Ansicht nach nicht die Solidargemeinschaft der Krankenversicherung einspringen.

"Es ist eine Einschränkung, ja, aber es ist keine Krankheit." Rainer Hankiewicz, Landes-Optiker-Innung

Der Optiker-Landesinnungsmeister weiß aber, dass es dazu auch andere Einschätzungen gibt. Entsprechend erwartet er, dass das Thema "Brille als Kassenleistung" in nächster Zeit immer wieder neu diskutiert werden wird.

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