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Solar Power: Privatanleger finanzieren Münchner Auto-Startup | BR24

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Der junge Autobauer Sono Motors stand vor der Insolvenz. Mit einer neuen Idee hat das Startup in nur 50 Tagen über 50 Millionen Euro gesammelt. Investiert haben Privatanleger, die hinter der Idee stehen: ein Elektroauto mit eingebauten Solarzellen.

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Solar Power: Privatanleger finanzieren Münchner Auto-Startup

Der Autobauer Sono Motors stand vor der Insolvenz. Doch mit Crowdfunding und einer neuen Idee hat er in nur 50 Tagen über 50 Millionen Euro gesammelt. Was die E-Autos der Münchner besonders macht und auf was man bei Crowdfunding achten sollte.

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Am Elektroauto des Münchner Startups Sono Motors gibt es großes Interesse, obwohl erst zwei Testwagen existieren. Mit einer spektakulären Internet-Kampagne haben die bayerischen Firmengründer in nur 50 Tagen rund 53 Millionen Euro eingesammelt, um ihr Fahrzeug auf den Markt zu bringen.

Laurin Hahn, Gründer von Sono Motors sieht sich als Vorbild für andere Unternehmen: Mut schöpfen, etwas in die Hand nehmen und auch mal einen Weg gehen, der nicht herkömmlich ist. Tausende Privatanleger haben Geld in einen Wagen investiert, der noch lange nicht serienreif ist.

Gut vorbereitet für das Elektroauto

"Ich sehe das als Experiment", sagt Ulrike Grober. Sie ist eine der Kleinanlegerinnen, die sich an Sono Motors beteiligt hat. "Ich weiß nicht, ob das jemals gestartet wird, diese Produktion." Aber ihr altes Auto habe ausgedient: 20 Jahre alt, TÜV nur noch bis Juni 2020 - danach braucht sie etwas neues. So kam die Idee, ein E-Auto zu kaufen.

Ulrike Grober sucht schon länger nach einem Modell mit Elektroantrieb, das groß genug und finanziell erschwinglich ist. Auf den Autowechsel hat sie sich gut vorbereitet: Das Dach ihrer Garage ist mit einer Solaranlage ausgestattet. Innen hängt bereits eine Ladestation, eine sogenannte Wallbox, an der Wand.

Elektroauto mit Solarzellen als Anlage

Und das soll ihr Neuer werden: Der Sion, ein Elektroauto für 25.500 Euro. Nicht irgendein Elektroauto: Sono Motors baut E-Autos mit eingebauten Solarzellen, das macht das Startup besonders. Auch Sion verfügt über integrierte Solarzellen. Ulrike Grober weiß nicht, ob sie dieses Auto jemals fahren wird. Trotzdem hat sie ihn reserviert und 500 Euro angezahlt. Als Gegenleistung bekommt sie einen Anteil am späteren Unternehmensgewinn. Erhöht sie ihre Anzahlung, steigt auch ihre Gewinnbeteiligung.

"Ich bin inzwischen Rentnerin und kann nicht riskieren, dass das Geld dann weg ist. Wenn die insolvent gehen, muss ich irgendeine Sicherheit haben, dass ich das Geld wieder zurückbekomme." Ulrike Grober, Kleinanlegerin

Crowdfunding als Geldanlage mit Chancen und Risiken

Crowdfunding, also Gruppenfinanzierung, nennt sich diese Form der Geldanlage, die große Chancen, aber auch große Risiken birgt.

"Hier besteht keine Sicherheit, denn es besteht das Risiko des Totalverlustes des eingesetzten Kapitals. Diese Firma weist auch ausdrücklich und vorbildlich darauf hin. Grundsätzlich finde ich aber, dass Crowdinvesting eine interessante Beimischung sein kann für den risikobewussten, privaten Anleger. Insbesondere auch in Zeiten von Null-Zins." Thomas Neumann, Anlageexperte

Am Firmensitz der Autohersteller in München kommen im Halbstunden-Takt Interessenten für eine Probefahrt vorbei. Der Wagen trifft offenbar den Nerv der Zeit.

Stefanie Uebelacker ist eine der Interessierten: "Wir sind gerade auf der Suche nach einem größeren Auto, weil wir eben jetzt Zuwachs bekommen haben, und wollten gerne etwas ökologisch Nachhaltiges und Wertvolles und wir glauben, dass wir mit dem jetzt hier eine gute Chance hätten, das zu verwirklichen."

Investoren finden für die Serienproduktion

Die Vision von einem umweltfreundlichen Auto hatten Jona Christians und Laurin Hahn schon vor acht Jahren. Zusammen mit Kommunikationsdesignerin Navina Pernsteiner haben sie dann 2016 Sono Motors gegründet und nebenbei Physik und Elektrotechnik studiert. Aktuell beschäftigen sie 100 Mitarbeiter.

Das Team arbeitet daran, den Wagen bis 2022 auf die Straße zu bringen, ein kostenintensives Projekt. Bis zur Serienreife ist weiteres Kapital in dreistelliger Millionenhöhe nötig. Deutsche Großinvestoren waren nicht aufzutreiben. Internationale Geldgeber haben Interesse gezeigt, allerdings vor allem an den Patenten. Aus Sorge, die Technologie könnte ins Ausland abfließen, wurden die Verhandlungen im Dezember abgebrochen.

"Wir müssen schauen, dass wir Innovationskraft in Deutschland, in Europa halten. Sonst werden wir überholt von China, von den USA, von anderen Kontinenten, aber auch einfach vom Standort Deutschland, der in letzter Zeit viele Industrien verschlafen hat." Laurin Hahn, Gründer Sono Motors

Kleinanleger retten Startup vor Insolvenz

Durch die Crowdfunding-Kampagne ist es gelungen, die Insolvenz der jungen Firma erst mal abzuwenden. Die 53 Millionen Euro stammen überwiegend von Privatleuten, durch Spenden, verzinste Darlehen und Auto-Reservierungen.

Ulrike Grober hat sich für eine Finanzspritze in Form einer Reservierung entschieden. Damit ist sie eine von zahlreichen Kleinanlegern, die dem Startup ein Weitermachen ermöglichen.

Bei der Probefahrt mit einer Mitarbeiterin will sie den Wagen kennen lernen, in den sie investiert hat. Die Reichweite soll bei 225 Kilometern liegen, plus 34 Kilometer durch Solarenergie. Ausstattung und Design sind spartanisch, Moos im Innenraum dient als Feinstaub-Luftfilter.

Das Auto hat Ulrike Grober überzeugt, das Team dahinter auch. Inzwischen kennt sie die Risiken dieser Investition und auch die Chancen. Sie spielt sogar mit dem Gedanken, aufzustocken und noch mehr Geld zu investieren: Kann sich Sono Motors am Markt behaupten, wird sie schließlich finanziell am Erfolg beteiligt. Bis ihr neues Auto vom Band laufen kann, fehlen noch weitere 205 Millionen Euro.