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Exklusiv: Söder will mehr Tempo bei High-Tech | BR24

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Ministerpräsident Markus Söder will bei Forschung und Investitionen rund um Zukunftstechnologien aufs Tempo drücken. Schwerpunkte sollen unter anderem das autonome Fahren, Künstliche Intelligenz und Luft- und Raumfahrt sein, so Söder im BR-Interview.

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Exklusiv: Söder will mehr Tempo bei High-Tech

Ministerpräsident Markus Söder will bei Forschung und Investitionen rund um Zukunftstechnologien aufs Tempo drücken. Schwerpunkte sollen unter anderem das autonome Fahren, Künstliche Intelligenz und Luft- und Raumfahrt sein, so Söder im BR-Interview.

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Vom Konjunktur-Motor zum Bremser: Noch vor wenigen Jahren brummte bei Bayerns Autobauern das Geschäft, die Gewinne sprudelten. Doch inzwischen haben sich die Aussichten eingetrübt. Audi steckt nach dem Dieselskandal in der Krise, BMW warnte zuletzt vor schrumpfenden Gewinnen. Experten sprechen vom größten Umbruch in der Geschichte der Branche.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder beobachtet diese Entwicklung mit Sorge, sagte er dem BR. Er sehe die Branche gefordert, sich auf das zu konzentrieren, was absehbar über Erfolg oder Abstieg entscheiden werde.

"Wir müssen immer über Technologie-Führerschaft reden. Entscheidend ist dabei: Was ist das Auto der Zukunft? Und wo liegt der Mehrwert der deutschen Automobil-Industrie in der Zukunft? Da ist meiner Meinung nach neben einer neuen Form von Batterietechnik, neben neuen synthetischen Kraftstoffen ganz entscheiden das autonome Fahren. Das wird alles verändern. Und das ist auch für mich die Zukunft des Automobils in Deutschland. Und darauf sollten wir Geist, Hirn und Geld verwenden, um das voranzutreiben." Markus Söder, CSU, Bayerischer Ministerpräsident

Mit Künstlicher Intelligenz an die Weltspitze

Vor allem müsse man Chancen sehen, und nicht nur potentielle Risiken, sagte der Ministerpräsident. Bayern müsse alles tun, um in Bereichen wie der Künstlichen Intelligenz an die Weltspitze zu kommen. Es gehe nicht darum, sich auf Erfolgen der Vergangenheit auszuruhen - etwa in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Auch dort verschieben sich die Gewichte, Start-Ups und branchenfremde Konzerne wie Amazon bedrängen die traditionellen Anbieter.

Deswegen gehe es in dem viel zitiertem Programm Bavaria One vor allem darum, mehr Forschung nach Bayern zu holen und ein Klima für Innovationen zu schaffen, etwa am Standort Ottobrunn, sagte Söder.

"Mit der Gründung der größten Fakultät für Luft- und Raumfahrt in Europa setzen wir einen ganz neuen Maßstab. Dazu gehört die Entwicklung neuer Flug-Möglichkeiten, neuer Satellitensysteme, die Verbindung von künstlicher Intelligenz, Super-Computing und neuen Daten, die aus der Raumfahrt entstehen. Damit werden wir nicht nur im Weltraum arbeiten. Unser Ziel ist, die Erde besser zu machen. Zum Beispiel durch erdnahe Beobachtung: Dort wird eine Masse von Daten gesammelt und ausgewertet – Dadurch werden wir für die Umwelt- und Klimaforschung, aber auch für die Landwirtschaft und Düngestrukturen völlig neue Möglichkeiten schaffen. Darin liegt dann auch der unmittelbare Vorteil." Markus Söder, CSU, Bayerischer Ministerpräsident

Produkte schneller marktreif machen

Ein Problem bei High-Tech-Innovationen sei die Mentalität in Europa, insbesondere in Deutschland, konstatierte Markus Söder. Hierzulande wolle man alles bis zur Perfektion zu Ende entwickeln, während Amerikaner und Chinesen deutlich schneller mit Produkten auf den Markt kämen.

In Deutschland dagegen verhake man sich dagegen monate- oder jahrelang in Detailproblemen. Aber auch die Politik habe noch nicht überall verstanden, wie schnell sich das Innovationskarussell inzwischen drehe, so Bayerns Ministerpräsident. Dabei komme es auf die Geschwindigkeit an, wenn man nicht ganze Märkte verlieren wolle.

"Deutschland macht schon etwas. Aber wenn wir uns ansehen, was Amerikaner und Chinesen hier investieren, dann tun wir immer noch zu wenig. Und meine Sorge ist, und da geht es nicht nur um Arbeitsplätze, die Bestimmung der Standards. Können wir am Ende nur amerikanische und chinesische Produkte kaufen, oder können wir mitmischen bei den Standards der Welt? Und darum investieren wir und geben dafür Geld aus." Markus Söder, CSU, Bayerischer Ministerpräsident

Gezielte Investitionen

Das könne aber weder Deutschland noch ein einzelnes Bundesland wie Bayern in dem Umfang tun wie zum Beispiel China, sagte Markus Söder dem Bayerischen Rundfunk. Ohnehin wisse auch er, dass der Staat nicht alles richten kann - schon aus Kostengründen. Deswegen müsse man sich fragen, bei welchen Technologien und in welchen Branchen es sich lohne, zu investieren, so der Ministerpräsident. Und dort müsse man dann aber auch konsequent investieren.