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So prägen junge Multimillionäre Deutschland | BR24

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Manche Menschen haben schon ein Riesenvermögen in die Wiege gelegt bekommen. Es stellt sich dann die Frage: Was tun mit dem Geld?

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So prägen junge Multimillionäre Deutschland

Manche Menschen bekommen ein großes Vermögen sogar schon in die Wiege gelegt. Doch was machen sie eigentlich mit dem vielen Geld – und mit der Verantwortung, die es mit sich bringt?

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Von
  • Lisa Wurscher

Ein Jet-Set-Leben mit teuren Autos, Yachten und Champagner – ausschweifende Lebensstile scheinen nicht mehr in zu sein. Einige junge Millionäre haben jetzt andere Pläne – und sehen sich zum Teil auch in der Verantwortung.

Verantwortung statt Luxus-Leben

Antonis Schwarz gehört zu dieser neuen Generation. Der Münchner Pharma-Erbe fährt Scooter statt Porsche. Sein Luxus besteht darin, sich mit seinem vielen Geld politisch zu engagieren. Vor kurzem erst hat er 500.000 Euro an die Partei "Die Grünen" gespendet. Mit seinem Multi-Millionen-Erbe will Schwarz die Welt verändern und für mehr Gleichheit sorgen. Das sei sein Ziel, erklärt der 31-Jährige beim Interview mit mehr/wert.

"Ich merke schon sehr stark, dass es eine Generationsthematik ist – also, dass die Älteren einfach anders ticken. Da wurde und wird auch noch viel stärker auf Status geachtet. Bei den Jungen geht es jetzt eher darum, wir müssen jetzt die sozialen und ökologischen Missstände beseitigen. Es gibt es ein viel höheres Bewusstsein für die sozialen Probleme und die Verantwortung, die wir eigentlich auch tragen." Antonis Schwarz, Millionen-Erbe

Antonis Schwarz wünscht sich sogar, dass große Vermögen wie seines künftig stärker besteuert werden. "Ich merke es ja selber an der Art und Weise wie ich besteuert werde, dass in Deutschland einfach Vermögen sehr gering besteuert werden und wenig progressiv. Im Gegensatz zu Einkommen. Wenn man sein Einkommen verdient, weil man irgendwo angestellt ist, dann greift eben schon ein ziemlich happiger Spitzensatz, aber bei Vermögen sieht es anders aus."

Vermögenssteuer und Umverteilung - eine alte Diskussion

Schätzungen zufolge werden in Deutschland zwischen 200 und 400 Milliarden Euro pro Jahr vererbt oder verschenkt. Die Hälfte davon fließt an die reichsten zehn Prozent – der Staat bekommt kaum etwas ab. Wegen hoher Freibeträge wurden etwa 2018 nur 31 Milliarden vom Gesamtvolumen versteuert und das mit durchschnittlich fünf Prozent.

Besteuerung von Vermögen immer wieder im Fokus

Seit vielen Jahren befasst sich Reichtums- und Vermögensforscher Professor Thomas Druyen mit der Welt der Reichen. Er mahnt in der Steuerdebatte zu einer differenzierten Betrachtung. "Die Steuerdiskussion scheint mir sehr paradox, zweischneidig und gefährlich zu sein, weil hier oftmals Äpfel mit Birnen verglichen werden. Ob ich aus einem nicht tätigen Vermögen eine hohe Steuer zahle, ist etwas völlig anderes, als wenn ich ein Unternehmen habe, als wenn ich Tausende von Arbeitsplätzen habe und darauf eine bestimmte Besteuerung habe."

Eine neue Unternehmer-Generation

Keine lange Familientradition – dafür aber umso mehr Power: Flixbus in München. Gründer André Schwämmlein stammt aus der Mittelschicht. Der 39-Jährige ist nicht reich geboren, sondern reich geworden. Das Start-up ist nach zehn Jahren schon mehr als eine Milliarde Euro wert und hat weltweit 1.400 Mitarbeiter. Es werde heute viel mehr darüber diskutiert, was man mit seinem Unternehmen tue und was es bewirke, sagt Schwämmlein.

"Es wird schon sehr viel darüber diskutiert, was es für die Gesellschaft bedeutet und – das ist eine interessante Diskussion – von Investoren auch hinterfragt: 'was tut man denn für die großen Probleme dieser Zeit?'" André Schwämmlein, Flixbus-Gründer

Die Mission von André Schwämmlein: Umweltfreundliches Reisen und bezahlbare Mobilität für jeden. 400.000 Verbindungen in 35 Ländern steuern die Fernbusse täglich an. Vor allem junge Leute, die sich kein Auto leisten können oder wollen, nutzen sie. Das bayerische Mobilitäts-Imperium hat den Zeitgeist erkannt und eine Geschäftsidee konsequent umgesetzt: es expandiert gewaltig und erobert gerade die USA, Asien und Südamerika. Das nächste Projekt: Reisen mit dem Zug.

"Klar, jeder möchte gerne seine Familie ernähren können oder ein schönes Leben haben – aber es geht eher darum, sich zu fragen, bringe ich das in eine Stiftung ein? Was soll denn mit meinem Vermögen passieren? Und das ist das, was viele heute umtreibt. Gerade in den Zeiten von Klimawandel ist das ein richtig großes Thema geworden in der Branche." André Schwämmlein, Flixbus-Gründer

Ökologische und soziale Projekte durch Investitionen gezielt fördern – das will auch Pharma-Erbe Antonis Schwarz. Er hat sich dazu mit anderen jungen Millionären zusammengeschlossen. Zunächst gab es nur eine Chatgruppe, aber die Initiative soll wachsen. Die neue deutsche Vermögenselite hat sich für die Zukunft viel vorgenommen.

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