Eine Mitarbeiterin führt im Jahr 2010 in der Produktion in der Loewe-Firmenzentrale im oberfränkischen Kronach Funktionstests an einem "Loewe Individual"-Flachbildfernseher durch, auf dem ein Testfotoangezeigt wird
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Ihren Anfang machten die Loewe-Brüder mit Radioapparaten, später – wie hier im Jahr 2010 – stellte die Firma Fernseher her. (Archivfoto)

    100 Jahre Loewe: Von der Radiofabrik zum TV-Hersteller

    Es ist eine weltweite Premiere gewesen, als das Unternehmen Loewe einst die erste elektronische Fernsehübertragung präsentierte. Inzwischen blickt die Firma aus Kronach auf eine 100-jährige Geschichte zurück – und schreibt stabile Wirtschaftszahlen.

    Fernseher standen am Anfang noch nicht auf dem Programm. Als Spezialfabrik für Radioapparate bezeichnete sich die Firma "Radiofrequenz GmbH", die am 22. Januar 1923 von den Brüdern David Ludwig und Siegmund Loewe in Berlin gegründet wurde. Seitdem hat sich nicht nur die Produktpalette verändert, sondern auch der Verwaltungssitz. Das inzwischen im oberfränkischen Kronach beheimatete Unternehmen Loewe wird 100 Jahre alt.

    Trotz der aktuell eingetrübten Konsumlaune in Deutschland zeigt sich Loewe zuversichtlich. Für das Jahr 2023 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von 15 Prozent, wie Technologiechef Thomas Putz der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die Zuversicht gründe auf der weiter hohen Nachfrage im Premiumsegment. Bereits für 2022 hatte der Hersteller von hochwertigen Fernsehern und Audiosystemen laut Putz ein Umsatzwachstum erwartet. Auch wenn das nicht erreicht worden sei, habe sich Loewe besser entwickelt als der Markt.

    1931: Weltpremiere auf der Funkausstellung in Berlin

    Die Entwicklung von Loewe selbst nimmt drei Jahre nach Gründung des Konzerns Fahrt auf: In Zusammenarbeit mit Manfred von Ardenne wird eines der weltweit ersten Radioapparate mit integrierten Schaltungen entwickelt. Der Physiker demonstriert im Jahr 1931 bei der Funkausstellung in Berlin auch eine elektronische Fernsehübertragung: eine Premiere, nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die ganze Welt.

    Loewe Elektronik produziert für die Funktechnik der Wehrmacht

    Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 und während des Zweiten Weltkrieges verändert sich das Unternehmen massiv. Die beiden Gründer fliehen wegen ihrer jüdischen Wurzeln ins Ausland. 1939 stellt Loewe auf Kriegsproduktion um und übernimmt Betriebe in Leipzig und Berlin. Statt Fernseher wird jetzt Funkelektronik für die Wehrmacht hergestellt. Vor Ende des Kriegs wird die Produktion nach Küps bei Kronach verlegt. 1946 zieht das Unternehmen nach Kronach um.

    In den nächsten vier Jahrzehnten etabliert sich Loewe weiter als Multimediaspezialist und entwickelt stetig neue Geräte. 1950 stellt Loewe sein erstes Kassetten-Tonbandgerät "Optaphon" vor, zehn Jahre später den ersten europäischen Videorekorder und 1963 den ersten tragbaren Fernseher. Eine weitere Premiere gelang Loewe mit der Vorstellung des ersten Stereo-Fernsehers Europas 1981.

    Loewe entwickelt seine Fernsehgeräte weiter. 1998 präsentiert das Unternehmen einen Fernseher mit Internetzugang sowie sein erstes Flachbildmodell "Spheros". Ein Jahr später geht Loewe schließlich an die Börse. 2004 gerät der Konzern in finanzielle Schwierigkeiten – die Konkurrenz aus Asien ist einer der Hauptgründe. Die Folge: Das japanische Unternehmen Sharp übernimmt zehn Prozent von Loewe.

    Loewe gerät finanziell weiter ins Straucheln – Neustart 2019

    Auch in den folgenden Jahren kämpft Loewe gegen finanzielle Schwierigkeiten an: Der Umsatz bricht ein, der Verlust steigt. 2013 versichert das Bayerische Wirtschaftsministerium unter Auflagen, Loewe mit einer Staatsbürgschaft zur Seite zu stehen. Ein Jahr später wird der Betrieb zum großen Teil an eine eigens gegründete Investorengruppe verkauft. Kronach wird zum Standort degradiert, die Firmenzentrale zieht nach München.

    2019 beginnt ein Neustart mit ausländischem Investor. Aktuell arbeiten wieder rund 200 Leute bei Loewe, rund 160 davon in Kronach. Das Unternehmen fokussiert sich weiter auf den Premiumbereich und möchte dort eine neue Displayfertigung für Luxus-Fernseher aufbauen.

    Aktuelle Lage ist stabil – Umsatz im Jahr 2021: 57,6 Millionen Euro

    Die derzeitige wirtschaftliche Situation des Unternehmens sei stabil, sagt Technologiechef Thomas Putz. Zuletzt habe Loewe ein neutrales Ergebnis erzielt, womit man sehr zufrieden sei. Konkrete Geschäftszahlen für 2022 nannte Loewe nicht. Im Geschäftsjahr 2021 hatte der fränkische TV-Hersteller einen Umsatz von 57,6 Millionen Euro und einen Gewinn von rund 244.000 Euro erzielt. Seinen Umsatz erzielt Loewe nach Angaben von Putz zu etwa gleichen Teilen in Deutschland und dem Rest der Welt.

    Mit Informationen von dpa

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