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Ski-Spaß: Anbieter entdecken Generation 60 plus | BR24

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Skifahren im Alter - ist das das Risiko wirklich wert? Da hilft nur: Risiko minimieren - wäre doch schade, Lust und Laune nicht nachzugeben. Die richtige Ausrüstung und der passende Kurs können helfen, das Skifahren zum sicheren Vergnügen zu machen.

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Ski-Spaß: Anbieter entdecken Generation 60 plus

Wiedereinstieg ins Skifahren mit sechzig Jahren und mehr - ist das das Risiko wert? Die richtige Ausrüstung und der passende Kurs können helfen, das Skifahren zum sicheren Vergnügen zu machen. Das haben mittlerweile auch Skisport-Unternehmer erkannt.

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Das erste Mal seit Jahren wieder auf Skiern - heute will Traudi Zelbeck es endlich wagen. Und damit sie sich sicher fühlt, hat die 68-Jährige einen ganz speziellen Kurs gebucht: drei Tage Skifahren für Wiedereinsteiger. "Das war immer schon mein Wunsch, dass ich mit meinen Enkelkindern Ski fahre", sagt sie. Die neue Ausrüstung ist für sie noch ungewohnt. Nicht nur bei den Schuhen, auch bei den Brettern hat sich einiges getan:

"Als ich mir neue Ski kaufen wollte und habe meine alten hergezeigt, hat der junge Mann gesagt: Oh Gott, so alt bin ja nicht einmal ich, wie die Ski sind." Traudi Zelbeck, 68 Jahre, Ski-Schülerin

Skikurse für die Generation 60 plus

Eigentümerin der Skischule in Lenggries ist Michaela Gerg. Die ehemalige Ski-Rennfahrerin hat mit dem Angebot für Wiedereinsteiger eine Marktnische entdeckt:

"Es ist aus dem Ski-Schulbetrieb entstanden. Da waren immer die Eltern da, die Kinder gebracht haben. Und wenn man sie gefragt hat: 'Fahren Sie nicht?', dann haben sie gesagt: Ja, vor 20 Jahren, aber jetzt habe ich Kinder und bin schon lange nicht mehr gefahren. 'Eigentlich würde ich gerne' - das habe ich mir ein, zwei Jahre angehört. Und dann habe ich mir gesagt: Da müssen wir doch Kurse für diese Eltern machen, die schon länger nicht mehr fahren. Und so ist das entstanden." Michaela "Michi" Gerg, Unternehmerin und ehemalige Ski-Rennläuferin

Best Ager oft preisgünstig unterwegs

Gergs Erfahrung als Ski-Lehrerin zeigt: Skifahren kann man auch mit 60 plus. In dieser Altersgruppe gibt es laut aktuellen Studien immer mehr Skifahrer. Kein Wunder, dass nicht nur Skischulen die sogenannten Best Ager für sich entdeckt haben. Auch Wintersportgebiete haben mittlerweile spezielle Angebote für die Älteren - wie am Kolbensattel bei Oberammergau. Jeden Montag ist dort Seniorentag. Dann kosten vier Stunden Skifahren für Gäste über 60 gerade mal 16 Euro. Das kommt an bei einer Kundengruppe, die gerade für kleinere Skigebiete immer wichtiger wird:

"Man muss sich ja nur umschauen oder sehen Sie mich selber an: Es gibt immer mehr Leute über 60, die noch gut Skifahren können. Manche denken vielleicht, mit 50 oder 60 hört man das Skifahren auf. Aber das ist jetzt überhaupt nicht mehr so. Es gibt ja immer mehr Familien, bei denen der Opa dem Enkel das Skifahren lernt und nicht der Vater oder die Mutter. Also, der Opa ist schon jünger geworden." Josef Köpf, Aktiv Arena am Kolben

Ältere Skifahrer bekommen nicht nur hier Ermäßigungen. Fast in allen Skigebieten gibt es inzwischen Seniorenkarten, die in der Regel fünf bis zehn Prozent günstiger sind als die regulären Tarife. Was sich unterscheidet: ab welchem Alter man so ein Best-Ager-Ticket kaufen kann. So gibt es am Großen Arber im Bayerischen Wald und am Ochsenkopf im Fichtelgebirge bereits ab 60 Jahren die Seniorenermäßigung. Ebenso wie am Nebelhorn im Allgäu. In Reit im Winkl und auf der angeschlossenen Steinplatte muss man mindestens schon 65 Jahre alt sein.

Seit 80 Jahren auf den Ski-Brettern

Auch in den Alpen Plus-Skigebieten wie Brauneck, Sudelfeld oder Spitzingsee gilt der Seniorentarif erst ab 65. An diesen Orten gibt es noch ein ganz besonderes Angebot für die ältere Generation: Ab 80 fahren hier alle komplett umsonst. Mit dabei: Der 84-jährige Otrid Pustejovsky, der die Pisten am Spitzingsee schneller als so manche junge Skifahrer hinunter wedelt. Sein Vorteil: Er stand schon vor acht Jahrzehnten auf den Brettern.

"Ich habe mit vier Jahren in den Beskiden in der heutigen Tschechischen Republik an der Grenze zur Slowakei das Skifahren gelernt. Und dann in Tegernsee, wo wir im September/Oktober 1946 hingekommen sind, habe ich das Skifahren wieder von Neuem begonnen. Ohne Stahlkanten, mit Lederbindung, ohne richtige Schuhe. Ja, und dann ist es immer weiter aufwärts gegangen, bis man heute halt die richtigen Ski hat im Alter." Otrid Pustejovsky, fährt seit 80 Jahren Ski

Auch Ski-Hersteller haben die Nische entdeckt

Die Ski-Hersteller haben auf die Bedürfnisse der Generation 60 plus reagiert. Sie bieten für Senioren passende Ski an, die leichter sind, sich einfacher drehen lassen und so älteren Semestern auch etwas weniger Kraft abverlangen. Selbst ehemalige Weltklasse-Skifahrerinnen wie Michaela Gerg schätzen inzwischen die wendigen Carver.

"Also, ich bin jetzt auch über 50. Man hat nicht mehr die Kraft. Gestern bin ich mit einem Rennski gefahren. Da sage ich: Das brauche ich eigentlich nicht mehr. Da tun mir am Ende die Oberschenkel weh, da brauch ich Kraft, um einen gescheiten Schwung zu fahren. Ich fahre lieber mit meinem Lady-Carver. Da kann ich gemütlich durch die Gegend cruisen." Michaela "Michi" Gerg, ehemalige Skirennläuferin

Und Traudi Zelbeck? Für sie hat sich der Ski-Unterricht für Wiedereinsteiger gelohnt. Die Sicherheit ist zurück - das Skifahren macht ihr wieder richtig Spaß.