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Archiv: Joe Kaeser (li.) und Roland Busch (re.)

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Führungswechsel bei Siemens: Die Herausforderungen im Konzern

Im Mittelpunkt der Siemens Hauptversammlung steht der Wechsel an der Konzernspitze. Anlegervertreter ziehen eine überwiegend positive Bilanz der Amtszeit Kaesers, sehen aber auch Verbesserungsbedarf für den Nachfolger.

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Von
  • Stephan Lina

Der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser hat auf der virtuellen Hauptversammlung den von ihm angestoßenen Umbau des Münchner Industriekonzerns als Grundlage des Erfolgs verteidigt. "Ohne die Erfolge des Sanierungskonzepts 'Vision 2020' und der strategischen Zukunftsausrichtung von 'Vision 2020+' würde es unser Unternehmen immer noch geben", sagte der 63-Jährige in München. "Aber sicher nicht mit 130 Euro pro Aktie. Vielleicht dann zu 10 Euro und mit der Hälfte der Mitarbeiter. So wie andere Konglomerate, diesseits und jenseits des Atlantiks, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben."

Hauptversammlung letztes Jahr in angespannter Lage

Vor einem Jahr war die Stimmung vor der Siemens-Hauptversammlung angespannt. Rund um die Münchner Olympiahalle demonstrierten Klima-Aktivisten gegen die Beteiligung von Siemens am Bau der Bahnstrecke zu einer Kohlemine in Australien.

Diesmal dürfte es sehr viel ruhiger zugehen. Statt auf der großen Bühne in der voll besetzten Olympiahalle sitzen Vorstand und Aufsichtsrat vor den Kameras einer Online-Übertragung.

Klima bleibt Thema

Doch das Klimathema ist geblieben. Erst kürzlich forderte Larry Fink, der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters und Siemens-Aktionärs Blackrock, in seinem jährlichen Anlegerbrief mehr Anstrengungen von der Industrie in puncto Nachhaltigkeit. Die Wirtschaft dürfe keine Angst vor diesem Thema haben, sondern müsse die Chancen sehen.

Massiver Siemens-Umbau unter Joe Kaeser

Im vergangenen Jahr hat sich die Klimabilanz von Siemens ohnehin schon deutlich verbessert, mit der Abspaltung und dem Börsengang von Siemens Energy, wo immer noch klassische fossile Kraftwerkstechnologie dominiert. Diese Ausgliederung war der letzte Stein im massiven Umbau, den der scheidende Chef Joe Kaeser dem Konzern verordnet hatte.

In mehr als sieben Jahren als Vorstandsboss trennte er sich unter anderem vom Geschäft mit Hausgeräten, Medizintechnik und eben Energieerzeugung.

Anleger fordern nachhaltig bessere Zahlen

Die Idee dahinter: Die neue Siemens AG mit dem Fokus auf die Sparten Digitale Fabrik, Smarte Infrastrukturen und Mobilität soll effizienter und schlagkräftiger werden. Bei den großen Anlegern kommt diese Strategie im Prinzip an. Allerdings müssten die Zahlen jetzt – nach dem Umbau – nachhaltig besser werden, fordert die Fondsgesellschaft Deka zur Hauptversammlung. Kaesers designierter Nachfolger Roland Busch müsse künftig liefern: "Nach Jahren der Um- und Ausgliederung und Verkäufen von Geschäftseinheiten muss nun der neue CEO Busch Siemens auf Profitabilität trimmen. Wir Investoren erwarten jetzt den Beweis dafür, dass der weitreichende Konzernumbau von Kaeser mehr Früchte trägt."

Ähnlich sieht man das auch bei Union Investment: "Herr Busch muss jetzt aus dem Schatten seines Vorgängers treten und braucht eine eigene strategische Agenda. Als Physiker und Techniker an der Spitze von Siemens muss er den Fokus stärker auf Innovationen und die Entwicklung marktreifer Produkte legen."

Busch kann und will sich nicht ausruhen

Der künftige Siemens-Chef Roland Busch steht also unter Erwartungsdruck. Zwar rechnet kaum ein Beobachter mit einem weiteren Radikalumbau bei Siemens, aber schon bei der Jahres-Pressekonferenz im November sagte Busch, der Konzern könne sich auch nicht ausruhen.

"Wenn Sie fragen, ob wir ideal aufgestellt sind... Nun, wenn man aufhört, zu versuchen, besser zu werden, dann hört man auch auf, gut zu sein. Und darüber hinaus ist es so, und das haben wir jetzt in den Corona-Zeiten beschleunigt gesehen: Wir sehen, dass in allen unseren Märkten eine unglaubliche Transformation stattfindet: neue Technologien, neue Geschäftsmodelle. Und in diesem Umfeld kann man gar nicht ideal aufgestellt sein. Man kann sich nur weiterentwickeln. Und das schnell." Roland Busch

Für Zufriedenheit bei den Aktionären dürfte die zuletzt starke Geschäfts-Entwicklung sein. Im abgelaufenen Quartal übertraf Siemens bei wichtigen Kennzahlen wie Umsatz und vor allem Gewinn die Erwartungen des Finanzmarktes.

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Der neuen Vorstandsvorsitzende von Siemens, Roland Busch, setze in der Zukunft vor allem auf die "Digitale Fabrik". Das sagte BR-Reporter Stephan Lina der Rundschau. Dort gebe es in den nächsten Jahren die Wachstumsmärkte für innovative Produkte.

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