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Siemens: gute Zahlen und Umbau kurz vor dem Abschluss | BR24

© BR/Margit Siller

Siemens ist bislang besser durch die Krise gekommen, als viele andere Unternehmen. Im Frühjahrsquartal erlitt der Technologiekonzern nur geringe Einbußen, weil krisenfeste Sparten gut liefen. Außerdem ist die Neuausrichtung auf der Zielgeraden.

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Siemens: gute Zahlen und Umbau kurz vor dem Abschluss

Siemens ist bislang besser durch die Krise gekommen, als viele andere Unternehmen. Im Frühjahrsquartal erlitt der Technologiekonzern nur geringe Einbußen, weil krisenfeste Sparten gut liefen. Außerdem ist die Neuausrichtung auf der Zielgeraden.

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Siemens sieht sich in der Corona-Krise weiter gut aufgestellt. Zwar bekam der Münchener Konzern in einigen Geschäftsbereichen die aktuelle Schwäche der Kundschaft zu spüren, doch insgesamt gab sich das Management bei der Präsentation der Quartalszahlen zuversichtlich. Unter anderem hält man deshalb am geplanten Börsengang der Tochter Siemens Energy im September fest.

Wichtige Siemens-Bilanzzahlen fallen niedriger aus

Insgesamt sank der Auftragseingang im Frühjahrsquartal um sieben Prozent auf 14,4 Milliarden Euro, der Umsatz ging um fünf Prozent zurück - auf 13,5 Milliarden. Das operative Ergebnis legte dagegen leicht zu. Unter dem Strich brach der Gewinn aber um die Hälfte ein: auf 535 Millionen Euro.

Stärke im Softwaregeschäft

Zwar halten sich wichtige Kunden aus Autoindustrie und Maschinenbau zurück, aber die Bahntechnik und das Softwaregeschäft waren echte Stützen. Zum Teil lagen die Kennzahlen sogar über den Erwartungen.

Joe Kaeser, der den Umbau sieben Jahre lang vorangetrieben hatte, sieht sich bestätigt. Die Stärke komme aus den Bereichen, in denen der Konzern strategisch sehr viel gemacht habe, zum Beispiel der industriellen Software und im industriellen Service.

Angst vor der zweiten Corona-Welle

Sorge machen dagegen die tiefroten Zahlen bei der spanischen Windkrafttochter Siemens Gamesa. Der Gewinn hat sich insgesamt, unter dem Strich, zwar halbiert, aber die Talsohle könnte jetzt erreicht sein.

Das größte Risiko sei eine zweite Corona-Welle, fürchtet Kaeser. Der Konzern sei besonders anfällig, weil er Lieferanten und Kunden in der ganzen Welt hat. Da nutze es nichts, wenn Siemens in einigen Ländern die Krise ganz gut bewältige, in anderen Regionen aber "gar nichts geht", beispielsweise Kunden bestellte Teile nicht bekämen.

Diese große Unsicherheit halte den Konzern auch davon ab "eine Prognose genaueren Ausmaßes" zu machen. Die Lieferketten seien sehr anfällig für Störungen.

Endspurt beim Konzernumbau

Neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie steht aber auch der Endspurt beim Konzernumbau im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die Chefetage sieht sich hier auf der Zielgeraden.

Unter anderem sind wichtige Personalien entschieden, wenn sich Konzernchef Joe Kaeser im Herbst in den Aufsichtsrat von Siemens Energy verabschieden wird. Und der Börsengang wie geplant Ende September stattfindet.

Kauf von Varian "strategisch sinnvoll"

Kaeser verteidigte außerdem den geplanten Zukauf in den USA für mehr als 16 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme des Krebsspezialisten Varian sei strategisch sinnvoll, weil Siemens Healthineers damit zu einem führenden Anbieter bei der Bildgebung und Krebsbekämpfung werden könnte.

Der Kauf von Varian sei auch vom Timing her wichtig. "Wir sagen, es gibt eine Zeit nach Corona. Und wir werden diese Zeit heute gestalten." Das sei ein wichtiges Zeichen für die Menschen, dass es Unternehmen gebe, die schon ein bisschen weiterdenken.Durch den Börsengang habe die Medizintechnik-Tochter in nur knapp drei Jahren ihren Marktwert von 28 auf über 40 Milliarden Euro steigern können.

Chance für Healthineers zum Weltmarktführer zu werden

Varian Medical Systems mit Sitz in Kalifornien und 10.000 Beschäftigten hat sich auf die Strahlentherapie zur Krebsbehandlung spezialisiert. Durch den Zusammenschluss böten sich mittel- bis langfristig große Chancen für Healthineers, zum weltweit führenden Unternehmen in der Gesundheitsversorgung zu werden.

Ein solcher Megadeal wäre in den alten Strukturen nicht möglich gewesen, argumentiert Joe Kaeser. Kurz vor seinem Rückzug soll das nun also der ganz große Aufschlag werden, auf den viele lange gewartet hatten.

© BR

Corona hat die Quartalszahlen vieler Unternehmen einbrechen lassen - und auch an Siemens ist die Krise nicht spurlos vorüber gegangen. Aber der Konzern hat von April bis Juni besser abgeschnitten als von Experten erwartet.

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