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Siegel-Schwindel - So erkennen Sie regionale Lebensmittel | BR24

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Regio-Lebensmittel sind gefragt. Was auf der Verpackung steht, führt aber oft in die Irre. Auf welche Kennzeichnungen könnt Ihr Euch verlassen?

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Siegel-Schwindel - So erkennen Sie regionale Lebensmittel

Immer mehr Menschen sind bereit, für Lebensmittel aus der eigenen Region mehr Geld auszugeben. Doch die Kennzeichen, mit denen Hersteller und Händler für regionale Produkte werben, verwirren oft. Aber es gibt auch hilfreiche Siegel.

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"Spitzenqualität aus Bayern", "Geprüfte Qualität Bayern", "Qualitäts-Garantie aus der Heimat der Frische." Sabine Hülsmann von der Verbraucherzentrale Bayern präsentiert eine Einkaufstüte voller Lebensmittel. Alle angeblich aus der Region und alle mit unterschiedlichen Siegeln gekennzeichnet.

Regionalität rechtlich nicht geschützt

Genau da liegt das Problem: "Als Verbraucher hat man überhaupt keinen Hinweis, was der Begriff Regionalität bedeutet. Das liegt daran, dass es keinerlei gesetzliche Definition gibt", sagt Hülsmann, die bei der Verbraucherzentrale Bayern für Lebensmittel zuständig ist. "Es kann sein, dass es zwar in der Region hergestellt wurde, die Rohstoffe aber von ganz woanders kommen. Manchmal ist zum Beispiel auch nur die Rezeptur in einer bestimmten Region beliebt." Immer wieder kommen enttäuschte Kundinnen und Kunden zur Verbraucherzentrale, die ein als regional angepriesenes Produkt gekauft haben und später feststellen, dass es in Wirklichkeit von weit her kommt.

Beliebtheit von regionalen Lebensmitteln steigt

Fast jeder Supermarkt bietet inzwischen regionale Lebensmittel an. Das liegt daran, dass Kunden immer mehr Wert auf regional produzierte Produkte legen, so eine Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos aus dem letzten Jahr.

Alexander Worms ist bei VollCorner für Einkauf und Vertrieb zuständig, einer Biomarkt-Kette im Raum München. Er bestätigt, dass sich das Kaufverhalten geändert habe und Kunden gezielt regionale Produkte suchen würden. Da Regional-Siegel nicht ausreichend Orientierung böten, sieht er die Verantwortung vor allem bei den Händlern:

"Viele Kunden sagen, wir wollen authentische Lebensmittel, die in der Region produziert sind und keine langen Transportwege haben. Da sind wir als Einzelhändler gefordert, genau dieses Angebot zu schaffen." Alexander Worms, VollCorner

Das verstehen die Supermärkte unter Regionalität

Das Angebot an regionalen Lebensmitteln ist inzwischen selbst bei den Discountern groß, fast alle haben regionale Eigenmarken im Sortiment. Allerdings definiert jeder Händler "Regionalität" unterschiedlich. Rewe versteht unter einer Region "Bundesländer wie Bayern, kulturelle Regionen wie das Frankenland oder bekannte Anbaugebiete wie den Bodensee."

Ähnlich definiert auch Aldi die Region. Lidl erklärt dagegen, dass "regionale Spezialitäten unabhängig von der Herkunft der Zutaten" als regionale Produkte zählen. Edeka wagt sich nicht an eine eigene Definition, betont aber die große Bedeutung regionaler Produkte.

Diese Siegel geben Klarheit

Die Verbraucherzentrale empfiehlt drei Siegel, die bayerischen Kunden wirklich Klarheit über die Herkunft von Lebensmitteln geben.

Das Siegel für Bayern: Geprüfte Qualität Bayern

"Bei dem Siegel sind gute Kriterien hinterlegt, diese werden regelmäßig überprüft. Hier kann man sicher sein, dass das Produkt komplett aus Bayern kommt." Sabine Hülsmann, Verbraucherzentrale Bayern
© Bayerisches Staatsministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Geprüfte Qualität Bayern: Diese Produkte sollen tatsächlich aus Bayern kommen.

Das maximal transparente Siegel: Regionalfenster

"Beim Regionalfenster ist immer angegeben, wo die Rohstoffe herkommen und wo sie verarbeitet werden. Bei einem zusammengesetzten Produkt wird zusätzlich angegeben, wie viel Prozent der Zutaten aus Bayern kommen." Sabine Hülsmann, Verbraucherzentrale Bayern
© Regionalfenster Service GmbH

Maximale Transparenz: Das Regionalfenster sorgt für Klarheit.

Das kombinierte Siegel: Bayerisches Bio-Siegel

"Bei diesem Siegel wird die Regionalität mit dem biologischen Anbau kombiniert. Produkte mit diesem Siegel kommen aus der Region und gleichzeitig gelten die besonders strengen Kriterien der Öko-Anbauverbände." Sabine Hülsmann, Verbraucherzentrale Bayern
© Bayerisches Staatsministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Regional und dazu noch biologisch. Das verspricht das Bayerische Bio-Siegel.

Die Politik sieht keinen Handlungsbedarf

Um Klarheit für die Verbraucher zu schaffen, sieht die Verbraucherzentrale Bayern Handlungsbedarf bei der Politik: "Wir fordern, dass der Begriff "Regionalität" gesetzlich definiert wird, wenn er auf einem Produkt genutzt werden soll", sagt Sabine Hülsmann. Das bayerische Staatsministerium für Ernährung und Landwirtschaft wiegelt jedoch ab: "Wir bieten mit unseren beiden bayerischen Siegeln entsprechende Kennzeichnungsmöglichkeiten an, die solche Unklarheiten erst gar nicht entstehen lassen."

© Benedikt Nabben, Johannes Lenz

Welches Siegel steht wirklich für Regionalität und was ist Fake? Wir machen den Test.