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Hecken und Zäune zum Sichtschutz sind häufig hässlich, pflegeintensiv oder ökologisch nicht sinnvoll. Das lässt sich aber ändern – mit teils gar nicht so viel Aufwand. Kornelkirsche, Liguster und Zaunrübe statt Thuja und Kirschlorbeer.

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Sichtschutz im Garten: Es muss nicht immer Thuja oder Buche sein

Hecken und Zäune zum Sichtschutz sind häufig hässlich, pflegeintensiv oder ökologisch nicht sinnvoll. Das lässt sich aber ändern – mit teils gar nicht so viel Aufwand. Kornelkirsche, Liguster und Zaunrübe statt Thuja und Kirschlorbeer.

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Von
  • Ursula Klement

Wenn's wärmer wird, verlagert sich das Leben wieder mehr in den Garten oder auf die Terrasse. Wer verhindern will, dass ihm die Nachbarin und die Passanten auf den Teller gucken können, braucht einen Sichtschutz. Der ist im besten Fall ästhetisch und ökologisch wertvoll. Das klappt, wenn man einige Regeln beachtet.

Straßenzüge wie aus der Musterzaun-Ausstellung

Dorfstraßen und Wege durch Neubausiedlungen muten immer mehr wie Flure an. Rechts und links hohe Wände aus den verschiedensten Materialkombinationen: Edelstahl, verzinkter Draht, Kunststoff, Steine, Holz. Dr. Vinzenz Dufter vom bayerischen Landesverein für Heimatpflege spricht von einer Musterzaun-Ausstellung.

Der Fachmann gibt Tipps für die Gestaltung: Ein Straßenzug wirkt dann attraktiv und ästhetisch, wenn die Zäune einheitlich und zurückhaltend sind: Aus dem gleichen Material bestehen, die gleiche Höhe haben und eine gewisse Leichtigkeit ausstrahlen.

Welche Baustoffe machen Sinn beim Gartenzaun?

Es sollten möglichst wenig verschiedene Materialien verwendet werden, die dann auch noch sparsam eingesetzt werden. Die Baustoffe sollten in Würde altern. Kunststoffgeflechte kommen also schon allein deshalb nicht in Frage. Knotengitterzäune oder Maschendraht können unter Umständen eine Ergänzung zu Hecken sein.

Bei der Höhe sollte man nicht übertreiben: Ein sehr hoher Zaun oder Sichtschutz gibt dem Anwesen einen abweisenden Charakter und nimmt dem Sitzplatz hinter dem Sichtschutz den Blick ins Offene. Ein kleiner Garten wird dann noch kleiner und zur Zelle.

Wie geht man vor?

Wer einen neuen Zaun oder Sichtschutz braucht, sollte sich zuerst bei der Gemeinde erkundigen, welche Regelungen er beachten muss. Gibt es eine Einfriedungssatzung oder einen Bebauungsplan, der Höhe, Material oder Konstruktion festlegen? Oder die Pflanzenarten bei Hecken? Wichtig ist auch, ob es sich um einen Sichtschutz zum Nachbarn oder zur Straße und zum Gehweg hin handelt.

Wenn es keine speziellen Vorgaben gibt, hilft meist der Blick in alte Fotoalben oder ins Bauernhofmuseum: Welche Zäune waren früher in der Region üblich? Welche Materialien waren vor Ort verfügbar? Auf dem Land wurden früher nur die Gemüsegärten und die Viehweiden eingezäunt, der Bauernhof an sich war oft offen.

Grün ist nicht automatisch ökologisch wertvoll

"Kirschlorbeer? Nein danke!" - hätten Schmetterlinge, Bienen und Vögel ein Auto, sie würden diesen Aufkleber ans Heck machen. Denn Kirschlorbeer und Thuja, die derzeit wohl häufigsten Sichtschutzpflanzen können nur das, was alle Pflanzen können: Sauerstoff produzieren und Tieren einen Windschutz bieten.

So sitzen in einer Thuja-Hecke oft Vögel und andere Tiere. Manchmal brüten sie sogar darin. Reicht das aus für das Prädikat "ökologisch wertvoll"? Für Maria Stark, Naturgartenplanerin aus dem Deggenhausertal am Bodensee, muss eine Hecke möglichst viele Funktionen erfüllen: Nektar, Pollen, Früchte bilden. Und am besten auch noch Blätter haben, die Schmetterlingsraupen schmecken.

Kornelkirsche und Liguster besser als Buche

Buchenhecken sind weit verbreitet, sie bieten vielen Raupenarten Futter, aber weder Pollen noch Nektar. Die bessere Alternative: eine Kornelkirschen-Hecke. Für Maria Stark die ökologischste Formschnitthecke. "Die ist deshalb ökologisch wertvoll, weil die jetzt blüht, also ganz früh im Jahr und eine super Bienennahrung ist". sagt Stark. Kornelkirschen-Hecken (botanisch Cornus mas) kann man fertig gezogen kaufen, sie brauchen weniger als einen Meter Platz in der Breite. Schneiden sollte man sie erst nach der Blüte.

Auch Liguster bildet Blüten und Beeren, die den Vögeln schmecken. Er ist eine Raupenfutterpflanze und bietet zum Beispiel Nektar für Schmetterlingsarten wie den kleinen Fuchs und mehrere Zipfelfalter. Damit er blüht und fruchtet, darf man ihn allerdings nicht zu stark zurückschneiden. Weidenstecklinge brauchen sehr viel Wasser und werden schnell groß und hoch.

Spalierobst als Profiherausforderung für den Hobbygärtner

Noch mehr Arbeit als Schnitthecken machen Spalierobstbäume wie Apfel, Birne oder auch Pfirsiche als Sichtschutz. Sie sind eine besondere Herausforderung für den Hausgärtner, "schon fast was für Profis", so Maria Stark. Die Obstbäume kann man zu verschiedenen geometrischen Mustern heranziehen. Spalierobst, Kornelkirsche und Liguster werfen im Herbst aber ihre Blätter ab, sind bis zum Frühjahr also nicht ganz blickdicht.

Die Lösung für kleine Gärten: Staketen mit Kletterpflanzen

Wer es ganzjährig blickdicht mag oder zu wenig Zeit und zu wenig Platz für Formschnitthecken hat, dem empfiehlt Maria Stark einen hohen, dichten Staketenzaun, also lauter senkrechte schmale Stecken aus Esskastanienholz mit Kletterpflanzen. Dieses Holz ist dauerhaft wetterfest, es muss nicht behandelt werden.

Die Kletterpflanzen kann man mischen, was die Artenvielfalt erhöht und ein abwechslungsreiches Bild ergibt. Efeu muss alt werden, damit er blüht und fruchtet, dann bietet er vielen Insekten und Vögeln Nahrung und Unterschlupf. Ihn muss man aber konsequent in Zaum halten. Als weitere einheimische Kletterpflanzen kommen Hopfen, das Waldgeißblatt oder Clematis in Frage.

Die Zaunrübe für die Zaunrübensandbiene

Eine besondere Empfehlung von der Naturgartenplanerin ist die Zaunrübe, Bryonia dioica. Sie ist durch den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln auf den Feldern inzwischen selten geworden, sagt Maria Stark. Die Zaunrübe bildet nur kleine unauffällige weiße Blüten, aber sie ist überlebenswichtig für die Zaunrübensandbiene. Diese Wildbiene legt ihre Nester am Boden ab und ist abhängig von der Zaunrübe. Sie lebt von deren Blütennektar und versorgt ihre Nachkommen mit Zaunrüben-Pollen.

Zu den einheimischen Kletterpflanzen kann man noch ein paar Zierkletterpflanzen setzen. Kletterrosen wie "Ghislaine de Feligonde", die Clematis-Sorte "Willi" zum Beispiel und vielleicht noch ein Geißblatt. Unten könnte man Stauden setzen, damit der Fuß der Clematis beschattet wird.

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