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Seniorenkredite: oft Geschick und Durchsetzungsfähigkeit nötig | BR24

© BR/Walter Kittel

Wenn Menschen älter werden - teils schon ab Mitte 50 - wird es schwieriger, Kredite zu bekommen. Die Banken müssen darauf achten, dass der Kunde sich nicht übernimmt. Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick kann beim Seniorenkredit aber helfen.

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Seniorenkredite: oft Geschick und Durchsetzungsfähigkeit nötig

Wenn Menschen älter werden - teils schon ab Mitte 50 - wird es schwieriger, Kredite zu bekommen. Die Banken müssen darauf achten, dass der Kunde sich nicht übernimmt. Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick kann beim Seniorenkredit aber helfen.

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Ältere Menschen bekommen von Banken oft nicht mehr so leicht einen Kredit. Oder nur zu schlechteren Konditionen. In seltenen Fällen werden Kreditanfragen aufgrund des fortgeschrittenen Lebensalters sogar ganz abgelehnt. Häufig verlangen Banken auch zusätzliche Sicherheiten.

Kreditwürdigkeit bei Seniorenkrediten nicht ganz einfach zu belegen

Denn Banken setzen auf Sicherheit. Gerade bei der Kreditvergabe sind sie dazu auch gesetzlich verpflichtet. Sie müssen eine sogenannte Kreditwürdigkeitsprüfung bei ihren Kunden vornehmen, um herauszufinden, ob ein Kredit auch wirklich zurückgezahlt werden kann. Solche Prüfungen zu bestehen, ist in fortgeschrittenem Alter manchmal gar nicht so einfach, sagt Susanne Götz von der Verbraucherzentrale in Bayern.

Dabei spiele zum Beispiel eine Rolle, dass die Rente in der Regel niedriger ist, als das frühere Gehalt. Außerdem bestehe bei Senioren eine größere Gefahr als bei jüngeren Menschen, dass sie den Zeitpunkt des Abbezahlens nicht mehr erleben, so Götz. Denn dann muss sich die Bank mit den Erben auseinandersetzen. Hinzu komme, dass Geldinstitute fürchten, dass sich die Ausgaben bei älteren Menschen unerwartet erhöhen, und es damit dann Schwierigkeiten gibt. Oder Senioren in ein Pflegeheim müssen.

Andere Sicherheiten können bei Krediten helfen

Und diese Befürchtungen haben laut Götz manchmal die direkte Folge, dass Senioren abgewiesen werden, da es der Bank zu riskant ist, ihnen einen Kredit zu geben - insbesondere einen Immobilienkredit.

In solchen Fällen sind Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsfähigkeit gefragt. Vor allem sollten Kunden auf eine Kreditwürdigkeitsprüfung bestehen. Selbst wenn diese zunächst nicht das erwünschte Ergebnis liefert, kann sie doch eine wichtige Verhandlungsgrundlage sein.

"Man darf sich natürlich auf keinen Fall abwimmeln lassen. Man kann ja auch versuchen, andere Sicherheiten anzubieten," sagt Götz. Möglicherweise könne ja auch jemand aus der Familie eine Bürgschaft übernehmen. Oder auf das Haus oder die Wohnung eine Grundschuld eintragen lassen, also eine weitere Sicherheit anbieten.

Laut Finanztest nur selten generelle Ablehnung von Seniorenkrediten

Nur sehr selten bekommen Senioren aufgrund ihres Alters von Banken grundsätzlich keinen Kredit mehr, sagt Heike Nicodemus von Finanztest. Die Zeitschrift hat bei 73 Banken, Bausparkassen und Versicherungen nachgefragt. Und da sei lediglich eine Versicherung dabei gewesen, die gesagt habe, ab 65 Jahren wird kein Kredit mehr vergeben. "Das war aber der einzige Anbieter, der das in irgendeiner Form geäußert hat."

Penible Prüfung der finanziellen Situation von Senioren

Banken wollen in den meisten Fällen aber sehr genau darüber informiert sein, wie die Einkommenssituation ihrer Kunden im Alter einmal sein wird. Und sie blicken dabei viele Jahre in die Zukunft. Auch wenn ihre Kunden noch mitten im Arbeitsleben stehen. Ab 55 Jahren, teilweise schon ab 50 Jahren, werde eine sogenannte Renteninformation verlangt, so Nicodemus. Und was immer verlangt werde, sei ein Nachweis über die Zusatzrenten, wie zum Beispiel die betriebliche Altersvorsorge oder weitere Versorgungsregelungen.

Gefragt werde auch manchmal nach den Erben, vor allem wenn es um die Finanzierung einer Immobilie geht, sagt Nicodemus: "Gelegentlich kam es vor, dass man eine Erbfolgeregelung mit angeben sollte, aber eine Lebensversicherung oder ähnliche Versicherungen wurden wenig bis gar nicht angefragt."

Susanne Götz von der Verbraucherzentrale in Bayern rät aber, sich nicht auf jede Nachfrage einzulassen. Beispielsweise, wer die Erben sind. "Also wenn eine Bank Forderungen stellt, bei denen man ein blödes Bauchgefühl hat, weil man sie nicht erfüllen kann und will, dann lässt man lieber die Finger davon."

Im Zweifel lieber auf einen Seniorenkredit verzichten

Nicht um jeden Preis einen Kredit abschließen: Das ist auch eine der grundsätzlichen Empfehlungen der Verbraucherzentrale. "Weil die Erfahrung zeigt, leider Gottes, viele Menschen übernehmen sich auch", sagt Götz.

Gesetzliche Regelungen, speziell zur Vergabe von Krediten an Senioren, gibt es nicht. Viele Banken haben aber eigene Richtlinien entwickelt: Manche fordern etwa, dass bis zu einem bestimmten Alter ein Großteil des Darlehens zurückgezahlt wird. Oder sie beschränken die Höhe der Kreditsumme. Konditionen zu vergleichen, lohnt auf jeden Fall.

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