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Selbstgebrautes gegen Industrie-Bier: Was schmeckt besser? | BR24

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Bier aus Erlangen im Check.

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Selbstgebrautes gegen Industrie-Bier: Was schmeckt besser?

Drei Erlanger Biere treten im großen Biercheck gegeneinander an. Kann sich der Hobbybrauer gegen die beiden Profis durchsetzen? David gegen Goliath - wer wird gewinnen?

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Der Experte: Markus Raupach ist ausgebildeter Sommelier für Bier und Spirituosen, ein überzeugter Franke aus Bamberg und bekennender Liebhaber der Braukultur. Für den mehr/wert-Check verkostet er die Biere blind. Serviert wird aus Flaschen, die Etiketten bleiben für den Experten natürlich verdeckt.

Die Profibrauer: Kitzmann und Weller

Das erste Bier ist ein Helles der ehemaligen Erlanger Kitzmann-Brauerei. Nach über 300 Jahren Tradition musste das Haus im Herbst des letzten Jahres schließen. Die Markenrechte für den Trunk mit 4,9 Prozent Alkohol und weitere Sorten übernahm die Kulmbacher Aktienbrauerei in Oberfranken, die das Bier auch dort braut. Im Getränkehandel kostet die Halbe 70 Cent.

Etwas teurer - für 75 Cent der halbe Liter - gibt es das Vollbier Hell von der Brauerei Weller. Eine alte Erlanger Brauerei, die bereis 1911 die Produktion einstellte. Genau 100 Jahre später wurde die Marke wiederbelebt und das Braugeschäft als Genossenschaft aufgezogen. Inzwischen sind 1.200 Mitglieder beteiligt.

Der Hobbybrauer macht alles selbst

Das dritte Bier kommt von Stefan Bauer. Alles macht der Erlanger selber, sogar das Malzschroten. Neben Zeit und Mühe investiert er rund 50 Cent für Zutaten und Herstellungskosten in einen halben Liter Bier.

"Das ist mein Hobby, Spaß und Entspannung und am Ende kommt ein schönes Bier bei raus, was will man mehr." Stefan Bauer, Hobby-Brauer

Für rund 600 Euro hat sich der IT-Fachmann eine Anlage aus großen Töpfen selbst gebaut und auch die Elektrik installiert. 200 Liter im Jahr darf er damit steuerfrei für den Eigenbedarf brauen. Trotzdem muss er sein Hobby beim Zoll anmelden. Nur an das Reinheitsgebot müsste er sich nicht halten, könnte auch ganz eigene Geschmacksideen ausprobieren. So ist es auch in der Craftbier-Szene üblich, aber nicht unbedingt. Auch Stefan Bauer richtet sich diesmal jedenfalls nach dem bayerischen Reinheitsgebot.

Der Hobbybrauer wird ein naturtrübes Lager Helles herstellen. Dieses bleibt nach der Gärung unfiltriert. Und das ist kein besonderer Bonus bei Sommelier Raupach. Der erklärt, worauf es beim Hellen seiner Meinung anzukommen habe.

"Wichtig ist schon mal, dass wir gucken, wie ist die Farbe, und da ist es beim Hellen natürlich wichtig, dass es ein klar filtriertes Bier ist." Markus Raupach, Biersommelier

Klar, trüb oder sahnig - So unterschiedlich kann Helles sein

Eines gleich vorweg: Den ersten Platz bestreitet laut Expertenmeinung die Marke Kitzmann, deren klare Konsistenz Sommelier Raupach überzeugt. Es erhält gleich drei Hopfensterne und somit die maximale Punktzahl. Die beiden anderen Biere teilen sich mit jeweils zwei Sternen den gemeinsamen zweiten Platz - einen Verlierer gibt es nicht. Dafür entdeckt der Sommelier eine besondere Note beim Wellerbräu, das er östlich von Franken verortet.

"Das geht so in eine gewisse tschechische Richtung. Das ist eine etwas andere Art zu brauen, da habe ich dann eine so etwas sahnige Noten im Bier. Was natürlich auch für die 'Drinkability', wie man so schön sagt, einfach sehr förderlich ist." Markus Raupach, Biersommelier, Bamberg

Das typisch bayerische Helle - am schwersten zu brauen

Beim Bier des Hobbybrauers Stefan Bauer stellt der Sommelier eine besondere Malznote im Duft fest, beim Geschmack im Abgang trete besonders der Hopfen hervor. Für Sommelier Raupach handelt es sich auch hier um ein gutes Bier, das Gesamtergebnis der Blindverkostung sei für ihn aber wenig überraschend.

"Das Helle ist der schwerste Bierstil zu brauen, weil es aromatisch sehr ausgewogen ist und gar keinen Fehler verzeiht. Dementsprechend ist natürlich eine Brauerei mit dem Equipment und der Erfahrung von der Kulmbacher beziehungsweise Kitzmann da jetzt vorne dran. Und der Hausbrauer hat’s am schwersten. Weil er da von seinen Möglichkeiten, Gegebenheiten, gar nicht mithalten kann." Markus Raupach, Biersommelier

Das Hobby-Bier kann mit den Profis mithalten

Und was sagen gewöhnliche Biergenießer? Wir wagen den Vergleich. Eingeladen sind mehrere Bierliebhaber, die nur nach dem persönlichen Geschmack urteilen sollen. Ihr klarer Favorit ist das Genossenschaftsbier von Weller. Es erhält insgesamt 26 von 30 Sternen, gefolgt vom Hobby-Bier mit 17 Sternen, Schlusslicht ist diesmal die Marke Kitzmann mit 15 Sternen. Was sagt Experte Raupach dazu?

"Ich habe ein bisschen mehr geschaut: Entspricht es dem Bierstil und ist es jetzt von dem Brauverfahren her maximal qualitativ gemacht worden? Und da ist natürlich das Kriterium bisschen anders, als wenn es nur um den Geschmack geht." Markus Raupach, Biersommelier

Beim Geschmack der Laientester hat jedenfalls Goliath verloren. Da konnten Hobby- und Genossenschaftsbier mit ihrem Charakter punkten. Beim Biersommelier hingegen landet die Großbrauerei auf dem ersten Platz.