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Prominente Seitenwechsel: Von der Politik in die Wirtschaft | BR24

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Seitenwechsel: Von der Politik in die Wirtschaft

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    Prominente Seitenwechsel: Von der Politik in die Wirtschaft

    Gerd Schröder, Friedrich Merz, Roland Koch: Alle drei haben nach ihrer Politkarriere lukrative Posten in der Wirtschaft angenommen. Denn mit ihren Kontakten sind sie für die Unternehmen viel wert. Besonders auffällig ist das in der Autoindustrie.

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    Politiker verdienen nicht schlecht, aber das Leben nach dem Mandat kann oft wesentlich lukrativer sein. Friedrich Merz ist ein gutes Beispiel dafür. Er hat die vermeintliche Grenze zwischen Politik und Wirtschaft schon immer etwas laxer interpretiert.

    Schon zu seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter saß er in bis zu acht verschiedenen Unternehmen in Aufsichtsrats-, Verwaltungs- und sonstigen Beiräten. Nach dem vorläufigen Ende seiner Politikkarriere, der Bundestagswahl 2009, wurde sein Engagement in der freien Wirtschaft nicht weniger.

    Fließender Übergang von der Politik in die Wirtschaft

    HSBC, AXA, Borussia Dortmund und noch viele weitere – Merz war und ist umtriebig. Das ermöglicht ihm eine finanzielle Unabhängigkeit, formuliert er positiv. Ein bisschen peinlich scheint ihm sein Vermögen dennoch zu sein, wie er beim Livestream von Bild Live kurz vor der Wahl zum CDU-Vorsitz im Jahr 2018 offenbart. Er zähle sich selber "zur gehobenen Mittelschicht". Auf die Frage des Reporters, ob er Millionär sei, antwortete Merz: "Naja, ich liege nicht drunter."

    Geht es um die Seitenwechsel zwischen Politik und Wirtschaft, sind da natürlich die altbekannten Fälle: Vier Monate nach seinem Abgang als Bundeskanzler im Jahr 2005 wurde Gerhard Schröder Aufsichtsratsvorsitzender der Nordstream AG.

    Besonders pikant: Als Kanzler hatte sich der Freund Wladimir Putins noch für die Ostseepipeline stark gemacht. 2018 dann wurde er außerdem Aufsichtsratschef beim russischen Mineralölkonzern Rosneft - und das ist er bis heute. Trotz aller Kritik von Bundesregierung und Menschenrechtlern am Kreml.

    Gute Kontakte zu öffentlichen Entscheidungsträgern

    Roland Koch setzte sich als hessischer Landesvater noch dafür ein, dass das Bauunternehmen Bilfinger Berger den Auftrag für die dritte Landebahn am Frankfurter Flughafen bekommt. Nur ein paar Monate nach seinem Rücktritt im Jahr 2010 wurde er der Vorstandsvorsitzende beim Dax-Konzern und verdiente mehr als sieben Mal so viel wie davor.

    Politiker, in den meisten Fällen Männer, wechseln häufiger Mal auf die "andere" Seite, auf die Seite der Wirtschaft. Und weil sie so gute Beziehungen zu öffentlichen Entscheidungsträgern haben, lassen sie sich ihre Dienste gut entlohnen.

    Bei der Automobilindustrie ist das besonders auffällig. Der ehemalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann saß mit Angela Merkel noch im Kabinett Kohl. Später war er dann elf Jahre lang der Vorsitzende des Verbands der Automobilindustrie. Seine gerade amtierende Nach-Nachfolgerin Hildegard Müller war übrigens vor einigen Jahren Staatsministerin unter der Bundeskanzlerin.

    Beliebter Seitenwechsel: Vom Kanzleramt in die Autoindustrie

    Der Draht der Automobilindustrie ins Kanzleramt ist also kurz. Wie kurz, unterstreicht das Beispiel Eckart von Klaedens. Er war bis zur Bundestagswahl im Jahr 2013 auch Staatsminister im Bundeskanzleramt, ehe er Cheflobbyist bei Daimler wurde und sich laut Spiegel-Recherchen erfolgreich gegen strengere Abgaswerte einsetzte.

    Eines scheint ein Gesetz zu sein: Egal wie umstritten Politiker während ihrer Karriere waren, sie scheinen fast immer weich zu fallen. Ein Plätzchen im Vorstand oder im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn scheint immer frei zu sein, siehe die Beispiele Ronald Pofalla, Otto Wiesheu oder Christian Schmidt.

    Energiewirtschaft, Banken, Vermögensverwalter

    Und auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW bietet ehemaligen Ministern und Staatssekretären gerne eine neue Heimat. Sigmar Gabriel, der frühere Wirtschafts- und Außenminister, fand hingegen Platz im Aufsichtsrat der Deutschen Bank und beriet für einige Monate den Fleischkonzern Tönnies.

    Und dann gibt es eben den Fall Friedrich Merz. Bis vor kurzem war er noch Vorsitzender im deutschen Aufsichtsrat von Blackrock, dem größten Vermögensverwalter auf der ganzen Welt. Wenn man ihn darauf anspricht, wie die Moderatorin Anne Will am vergangenen Sonntag, dann zuckt der Kandidat für den CDU-Vorsitz: "Überrascht mich jetzt ein bisschen – ich bin da jetzt seit einem halben Jahr raus – dass Sie mich damit heute Abend nochmal konfrontieren."

    Merz gab sein Amt bei Blackrock Ende März zurück. Genauso wie seinen Platz im Verwaltungsrat des schweizerischen Zugherstellers Stadler Rail. Er wolle sich mehr politisch engagieren. Genügend Zeit, um weiterhin in den Aufsichtsräten des Papierherstellers Wepa und des Flughafens Köln/Bonn zu sitzen sowie im Verwaltungsrat der Bank HSCB Trinkhaus & Burkhardt, hat er aber weiterhin.

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