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Ohne Risikofaktoren steht die Impfung noch in weiter Ferne. Aber wie ist es, wenn man schwer krank ist? Besonders gefährdet im Falle einer Covid 19-Erkrankung sind Menschen mit Blut- oder Lungenkrebs.

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Schwerstkranke müssen auf Corona-Impfstoff warten

Seit Ende Dezember wird in Deutschland gegen Corona geimpft. Zunächst erhalten die Impfung vor allem Menschen, die wegen ihres hohen Alters gefährdet sind. Auch schwerstkranke Jüngere hoffen auf eine baldige Impfung. Doch sie müssen warten.

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Von
  • Isabella Kroth

Janine Quast aus Gilching im Landkreis Starnberg ist Hochrisikopatientin. Zwei Mal besiegte die 41-Jährige Lymphdrüsenkrebs. Doch sie erlitt als Folgeschäden vier Herzstillstände. Die mehrwöchige Beatmung schädigte ihre Lunge schwer. Dann eine erneute Krebs-Diagnose. "Momentan habe ich einen metastasierten Brustkrebs, der ist nicht mehr heilbar, der wird im Grunde auch palliativ behandelt. Es geht darum, möglichst noch viel Zeit rauszuholen, bevor sich das Ganze so verschlechtert, dass es letztlich zum Tod führt", sagt Janine Quast.

"Jetzt würde ich nur sehr gerne die Zeit, die mir noch verbleibt, und die ja ganz klar begrenzt ist, auch gerne mit meiner Familie nützen, das ist mir natürlich das Wichtigste." Janine Quast

Momentan kann Janine Quast Zeit mit ihren Kindern verbringen, weil diese während des Lockdowns Unterricht zu Hause haben und in absoluter Isolation leben. Sobald die Schule wieder losgeht, muss die Mutter ausziehen. Die Ansteckungsgefahr ist zu groß.

Impfungen nach Stufenplan

Nach dem aktuellen Stufenplan werden erst Senioren ab 80 Jahren und Pflegepersonal geimpft. In einem zweiten Schritt sollen dann 70- bis 80-Jährige geimpft werden sowie zum Beispiel Menschen mit Trisomie 21 oder Demenz. Erst im dritten Schritt sind neben Menschen ab 60 auch jene mit schweren Vorerkrankungen für die Impfung vorgesehen.

Die eigene Familie wird zum Risiko

Janine Quast will in der Zeit, in der sie auf den Impfstoff wartet, kein Risiko eingehen. Eine Corona-Infektion wäre für sie mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich. Deshalb hat sie vor dem aktuellen Lockdown über Monate in der Einliegerwohnung ihrer Eltern gewohnt – getrennt von ihren Liebsten.

Schon im März ist sie ausgezogen und war nur in den Schulferien wochenweise zuhause. Seit knapp vier Wochen wohnt Janine Quast wieder bei ihrer Familie. Eine Impfung könnte die Zeit zusammen verlängern. Doch sie ist nicht in Sicht.

"Das hat mich auch die ganze Zeit im letzten Jahr motiviert, ich dachte, sobald eine Impfung kommt, werde ich sicher vorne dabei sein. Denn mehr Risikofaktoren, abgesehen davon, dass ich jetzt auch noch älter sein könnte, gibt es kaum." Janine Quast, Patientin

"Es wäre schön, wenn jetzt, wo eine Impfung da ist, tatsächlich die Möglichkeit besteht, dass in so einem Fall eine Einzelfallentscheidung getroffen wird", sagt Janine Quast. Mit diesem Wunsch steht sie nicht alleine. Die Bayerische Krebsgesellschaft fordert, besonders gefährdete Patienten schneller zu impfen als bislang vorgesehen.

"Man weiß, dass die Sterblichkeit von gefährdeten Tumorpatienten deutlich höher ist, mindestens ein Drittel höher als die Sterblichkeit von Nicht-Tumorpatienten. Das ist es wert, sich dafür einzusetzen, dass diese Patienten von dieser Krankheit verschont werden und früher geimpft werden." Prof. Günter Schlimok, Präsident Bayerische Krebsgesellschaft

Selbst ärztliche Bescheinigungen helfen derzeit nicht weiter – "Einzelfälle" werden nicht geprüft. Das könnte sich jetzt allerdings ändern. Denn die Stiko, die Ständige Impfkommission, hat nachgebessert. Sie empfiehlt: "Bei der Priorisierung […] können nicht alle Krankheitsbilder oder Impfindikationen berücksichtigt werden. Deshalb sind Einzelfallentscheidungen möglich."

Reaktion aus Bayerns Gesundheitsministerium

Die Stiko habe einen Vorschlag gemacht, nun müsse der Bund seine Verordnung anpassen und ändern, sagt Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek. "An uns als Freistaat soll es sicherlich nicht liegen, da möglichst schnell mitzuziehen. Aber im Moment sind wir im bundeseinheitlichen Vorgehen mit dabei und deswegen muss ich die Frage tatsächlich an Berlin weitergeben."

Krebspatientin in Hamburg erstreitet sich Impfung

In Hamburg hat gerade die erste Krebspatientin eine schnellere Impfung erstritten. Janine Quast will nicht vor Gericht. Aber auch für sie drängt die Zeit. Denn um sich zu schützen, bleibt ihr nur der Rückzug aus der Gesellschaft. Die ständige Angst vor einer Infektion – auch für die Familie eine Belastung.

Einzige Hoffnung ist die Impfung

Mitte Februar beginnt voraussichtlich wieder die Schule, die Kinder müssen zurück aufs Gymnasium. Für Janine Quast bedeutet das: Abschied nehmen und wieder in die Einliegerwohnung ihrer Eltern im 20 Kilometer entfernten Herrsching ziehen. Ihre Kinder kann sie dann nicht mehr in den Arm nehmen. Und so bleibt Janine Quast nur das Warten auf die Impfung. Dass genügend Impfdosen so schnell wie möglich kommen, ist für Hunderttausende Hochrisikopatienten die große Hoffnung.

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