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Schönheitskur: Corona-Konjunkturpaket für alte Bahnhöfe | BR24

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Die Deutsche Bahn investiert 40 Millionen Euro, um die Bahnhöfe attraktiver zu machen. Und um regionale Handwerksbetriebe in der Corona-Krise zu unterstützen. Tolle Idee - aber klappt das auch?

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Schönheitskur: Corona-Konjunkturpaket für alte Bahnhöfe

Pünktlich zum Weihnachtsfest kommt ein Geschenk von der Bundesregierung. Das "Handwerker-Programm für attraktivere Bahnhöfe" soll in Corona-Zeiten regionale Betriebe fördern. Doch kommt die Hilfe auch an?

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Von
  • Johannes Thürmer
  • Martina Schuster

Der Bahnhof Kulmbach hat seine besten Tage hinter sich: Wände, Decken – sogar die Treppen sind in einem schlechten Zustand. Immer wieder wurden sie notdürftig ausgebessert und sind kein schöner Anblick. Nun soll der Steinmetzmeister Andreas Jakob die kaputten Treppenstufen austauschen. Ein guter Auftrag für das kleine Unternehmen aus Burgkunstadt. "Wir freuen uns sehr darüber, dass wir für die Bahn arbeiten dürfen", sagt Jakob. "Weil es heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist, dass man als lokale Firma wirklich noch Aufträge bekommt."

Dutzende bayerische Bahnhöfe werden verschönert

300.000 Euro stehen insgesamt für den Kulmbacher Bahnhof zur Verfügung. Damit sollen auch die Eingangshalle saniert und die Eingangstüren ausgetauscht werden – ausgeführt von Handwerksbetrieben aus der Region. An insgesamt 50 bayerischen Bahnhöfen wird derzeit gewerkelt. "Wir beauftragen über dieses Programm von ungefähr sechs Millionen Euro circa 100 kleine und mittelständische Betriebe in Bayern", sagt Andreas Rudolf von der Deutschen Bahn.

Aus der Region für die Region

Einer der beauftragten Betriebe ist die Firma Fink Glas- und Metallbau von Jörg Egelkraut. In ihrer Montagehalle in Hof entstehen die neuen Eingangstüren für den Kulmbacher Bahnhof. Aus Oberfranken also für Oberfranken.

"Solche Programme sind fürs Handwerk sehr wichtig, vor allem für wirtschaftlich schwächere Gegenden. Da ist man froh, wenn man zum Zug kommt. Weil wir doch etwas schwächer aufgestellt sind in Oberfranken. Und dass wir sehen, dass wir nicht vergessen werden." Jörg Egelkraut, Fink Glas- und Metallbau, Hof

Auch Sebastian Zaiser aus Übersee am Chiemsee kann die Aufträge der Bahn gut gebrauchen. Denn die Corona-Krise hat ihn und seine Firma voll erwischt. "Durch Corona wird es immer weniger, weil auch die Baufirmen Fälle haben, und dann liegen Bauten still", sagt Zaiser. Auf dem Bahngelände von Traunstein soll nun ein neues Wartehäuschen errichtet werden. Die Zaiser GmbH baut das Fundament dafür.

Wünsche der Bahnkunden

Welche Arbeiten an den Bahnhöfen durchgeführt werden, richtet sich nicht nur nach baulichen Gründen. Auch Wünsche der Bahnkunden werden berücksichtigt, wie Andreas Rudolf von der Deutschen Bahn betont: "Wir haben bei der Auswahl auf unsere regelmäßigen Kundenbefragungen geschaut. Gerade in Traunstein haben uns die Kunden signalisiert: Da gibt es Nachholbedarf beim Thema Aufenthaltsqualität und beim Thema Atmosphäre."

Hürden für Menschen mit Einschränkungen

In Traunstein sind Bahnhof und Bahnsteige barrierefrei ausgebaut. Davon kann man in Kulmbach nur träumen. Die Treppen sind demnächst tipptopp, doch das hilft Menschen mit Mobilitätseinschränkung nur wenig. Warum wird das Handwerkerprogramm nicht dazu genutzt, so wichtige Dinge wie die Barrierefreiheit anzugehen? Mehr/wert fragte bei der Bahn nach.

"Ein barrierefreies Umbauprojekt kostet mehrere Millionen Euro. Damit wäre das gesamte Budget dieses Sonderprogramms weg. (...) So ein klassisches barrierefreies Umbauprojekt dauert von Beginn der Planung bis Genehmigung in der Regel 5 Jahre." Andreas Rudolf, Deutsche Bahn Station & Service

Ein schöner Bahnhof, aber nur für Menschen, die gut zu Fuß sind. Kulmbachs Oberbürgermeister Ingo Lehmann fordert weitere Maßnahmen – über reine Schönheitsreparaturen hinaus. "Man sieht, dass Maßnahmen angefangen haben", sagt Lehmann. "Das ist wichtig und gut, aber ich glaube, der Wunsch der Menschen aus der Region ist die Barrierefreiheit und da bleiben wir dran."

Fazit: Nachholbedarf bleibt

Nach Recherchen der Redaktion mehr/wert ist nur rund die Hälfte der Bahnhöfe in Bayern barrierefrei. Der Nachholbedarf ist also riesig. Fazit: Das Schönheitsprogramm für Bahnhöfe von Bund und Bahn ist ein nettes Weihnachtsgeschenk und wichtig für die Handwerksbetriebe vor Ort. Doch um die Bahnhöfe in Bayern wirklich für alle attraktiv zu machen, muss noch einiges passieren.

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