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Schluss mit Bestnoten für alle Heime: Neuer "Pflege-TÜV" startet | BR24

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Damit Pflegebedürftige und ihre Angehörigen eine Einrichtung auf Basis aussagekräftiger Bewertungen aussuchen können, wurde der "Pflege-TÜV" reformiert. Seit heute wird das Prüf- und Qualitätssystem schrittweise umgesetzt.

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Schluss mit Bestnoten für alle Heime: Neuer "Pflege-TÜV" startet

Das alte System des "Pflege-TÜVs" gilt als gescheitert. Es hatte fast ausschließlich Bestnoten ergeben und galt als wenig aussagekräftig. Jetzt soll ein neues Bewertungssystem mehr Orientierung bieten. Kritiker sind aber noch nicht überzeugt.

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Wer eine Pflegeeinrichtung sucht, steht vor einer schwierigen Entscheidung. Seit rund zehn Jahren sollte der sogenannte Pflege-TÜV eine Orientierung bieten. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) vergab dabei Bewertungen nach dem Vorbild der Schulnoten.

Zuletzt kamen die deutschen Pflegeheime auf den traumhaften Schnitt von bundesweit 1,2. Sie konnten nach der bisherigen Prüf-Systematik also meist zeigen, dass bei ihnen alles sehr gut laufe.

Pflege-TÜV soll differenzierter werden

Kritiker fanden von Anfang an, dass der "Pflege-TÜV" ein viel zu positives und oft auch ein zu schwammiges Bild zeichnete. Das Nachfolge-Modell soll deshalb auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbaut sein, erklärt die stellvertretende Geschäftsführerin des MDK Bayern, Johanna Sell. Konkret heißt das: Mit Hilfe von zwei Dutzend Fragen soll erfasst werden, wie gut die Arbeit des Heimes ist.

Genaue Fragestellung

So wird von den Einrichtungen selbst aufgelistet, welche Ergebnisse sie liefern - etwa, wenn es darum geht, Bewohner mobil zu halten, oder ein Wundliegen zu vermeiden. Der MDK prüft gleichzeitig regelmäßig von außen, ob die versprochene Qualität erreicht wird.

"Künftig werden alle einzelnen Kriterien gesondert aufgelistet. Man muss sich künftig also deutlich mehr Zeit nehmen, um diese gesamten Kriterien erfassen zu können und vielleicht auch filtern zu können - nach den Kriterien, die einem wichtig sind." Johanna Sell, MDK Bayern

Bis Ende des nächsten Jahres soll es damit schrittweise möglich werden, sich übers Internet ein genaues Bild von den Leistungen der verschiedenen Einrichtungen zu machen. Es soll auch möglich werden, mehrere Heime direkt miteinander zu vergleichen.

Strengere Kriterien gefordert

Viele Interessenverbände, wie die Deutsche Stiftung Patientenschutz, begrüßen die Neuerungen grundsätzlich. Der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, nannte es einen Fortschritt, dass die Bewertung übersichtlich und eindeutig werden soll. Allerdings forderte er, dass es auch klare Warnungen geben sollte, wenn bestimmte "K.O.-Kriterien" nicht erfüllt werden.

"Wenn Heime bei der Schmerztherapie, der Wundversorgung, dem Umgang mit Fixierung oder der Medikamentengabe durchfallen, muss dies für den Nutzer sofort erkennbar sein." Eugen Brysch, Deutsche Stiftung Patientenschutz

Mangel an Pflegeplätzen bleibt

Der MDK räumt gleichzeitig ein, dass die zusätzliche Transparenz vor allem dann etwas brächte, wenn die Interessenten tatsächlich zwischen mehreren Anbietern wählen könnten. Denn:

"Oft ist man allerdings froh, wenn man überhaupt einen Platz findet." Johanna Sell, MDK Bayern

Dieses Problem müsse aber an anderer Stelle gelöst werden.

© ARD / Vera Wolfskämp

Das alte System des „Pflege-TÜVs“ gilt als gescheitert. Es hatte fast ausschließlich Best-Noten ergeben und galt als wenig aussagekräftig. Jetzt soll ein neues Bewertungssystem mehr Orientierung bieten. Kritiker sind noch nicht überzeugt.