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Schlachten auf der Weide: Weniger Leid für die Tiere | BR24

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Rinder auf der Weide.

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    Schlachten auf der Weide: Weniger Leid für die Tiere

    Rinder auf der Weide zu schlachten ist für die Tiere mit weniger Stress verbunden als der Transport zum Schlachthof und das dortige Töten. Für Landwirte bedeutet es aber erheblich mehr Aufwand. Der könnte jetzt reduziert werden.

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    Obwohl es erheblich mehr Aufwand für die Landwirte ist, die Tiere auf der Weide zu schlachten, sagen einige Bauern, das ist es wert: Aus Gründen des Tierschutzes. Denn das Schlachten auf der Weide vermeidet die Transportwege zum Schlachthof und erspart den Tieren damit viel Stress. Bayern will jetzt im Bundesrat eine Initiative starten, dass die nationalen Bestimmungen vereinfacht werden.

    Transporte schaden auch der Fleischqualität

    Denn pro Jahr werden in Deutschland über 750 Millionen Tiere zu einem Schlachtbetrieb transportiert. Manchmal sind die Wege kurz, zum Metzger um die Ecke oder zum nahe gelegen Schlachthof, doch manchmal dauert ein Transport auch viele Stunden. Das Ein-und Ausladen und vor allem die Situation im Schlachtbetrieb vor der Betäubung bedeutet oft Stress für die Tiere. Das schadet dem Tierwohl und kann außerdem auch negative Auswirkungen auf die Fleischqualität haben.

    Langer Weg bis zur Genehmigung

    Biobauer Herbert Siegel aus Missen-Wilhams im Landkreis Oberallgäu geht seit Jahren einen anderen Weg. Seine Mutterkuhherde ist ganzjährig auf der Weide.

    "Dort sollen die Tiere in ihrer gewohnten Umgebung sterben können, umgeben von anderen Tieren. Da sind sie nicht allein, aber auch nicht unter fremden Tieren wie im Schlachthof." Biobauer Herbert Siegel

    Aber der Weg zum Schlachten auf der Weide war schwierig. Ein Freund hat dafür die Vorarbeit geleistet. Der Württemberger Bauer Ernst Herrmann Maier hatte über 13 Jahre lang mit den Behörden gerungen, bis er seine Rinder auf der Weide schießen und schlachten durfte - in einer von ihm selbst entwickelten mobilen Schlachtbox. 2009 stellte Herbert Siegel einen Antrag, ebenfalls auf der Weide schlachten zu dürfen und scheiterte erstmal. Doch er gab nicht auf. Für sein Vorhaben bekam er viel Zuspruch: Kunden starteten eine Online-Petition, in den Medien wurde über ihn berichtet. Im April 2016 bekam er dann schließlich die Genehmigung, allerdings mit strengen Auflagen.

    Viele Vorschriften

    Herbert Siegel hat so wie die meisten Landwirte selbst keine Schießerlaubnis, sondern braucht dafür einen speziell befähigten Schützen. Auch von wo aus der Jäger schießen darf, ist in der Genehmigung genau festgelegt: der Schuss darf aus maximal 25 Meter Entfernung abgegeben werden.

    Ebenso muss ein amtlicher Tierarzt vor Ort sein. Er macht die Lebendbeschau und kontrolliert, ob bei der Schlachtung alle Hygiene- und Tierschutz-Vorschriften eingehalten werden.

    Der Dritte im Team ist der Metzger. Zwischen Schuss und dem Stich in die Halsschlagader sollten nicht mehr als 60 Sekunden vergehen. Das gilt als Richtwert. Rund fünf Minuten dauert es, bis ein 800 Kilo schwerer Bulle entblutet ist. Dann wird die mobile Schlachtbox mit dem toten Tier ins sieben Kilometer entfernte Schlachthaus gebracht.

    Rechnet sich der Aufwand?

    Der Landwirt, ein Jäger, ein Metzger, ein Tierarzt, das bedeutet viel Personal und Aufwand für die Schlachtung. Zusätzlich hat die Schlachtbox 10.000 Euro gekostet. Herbert Siegel hat sie zusammen mit zwei Berufskollegen gekauft. Rechnet sich das alles?

    "Ich habe es noch nie ausgerechnet, ich will es einfach für meine Tiere und das ist das, was sich für mich rentiert." Biobauer Herbert Siegel

    Eine gute Stunde später ist im nahe gelegenen Schlachthaus das Tier zerlegt. Das Fleisch hängt dort für mindestens eine Woche ab. 18 bis 21 Euro verlangt Siegel für ein Kilo Rindfleisch.

    Schlachten auf der Weide soll erleichtert werden

    Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft bietet bereits seit 2014 Sachkundelehrgänge über "Kugelschuss auf der Weide" für interessierte Landwirte an.

    Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hat jetzt angekündigt, er wolle die rechtlichen Möglichkeiten der Weideschlachtung ausbauen und demnächst eine Bundesratsinitiative starten.

    Bisher dürfen in Deutschland nur ganzjährig im Freien gehaltene Rinder auf der Weide geschlachtet werden. In Zukunft soll das auch bei Schweinen erlaubt sein und auch bei Rindern und Schweinen, die nur saisonal im Freien gehalten werden.