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Rund 400 Arbeitsplätze bei Linde Hydraulics gefährdet | BR24

© dpa/picture alliance

Rund 400 Arbeitsplätze bei Linde Hydraulics gefährdet

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    Rund 400 Arbeitsplätze bei Linde Hydraulics gefährdet

    Am 30. September um Mitternacht endet das Verhandlungsmoratorium zwischen der IG Metall und Linde Hydraulics. Wegen massiver wirtschaftlicher Probleme stehen mehr als ein Drittel der 1.000 Arbeitsplätze im Raum Aschaffenburg auf dem Spiel.

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    Mehrere Wochen haben Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft IG Metall und Linde Hydraulics, dem Hersteller von Hydraulik-Antrieben, angedauert. Am 30. September um Mitternacht endet nun das Verhandlungsmoratorium. Aufgrund von massiven wirtschaftlichen Problemen sind im Raum Aschaffenburg 418 von insgesamt 1.000 Arbeitsplätzen gefährdet.

    Neun Verhandlungsrunden seit Anfang September

    Seit Anfang September arbeiten Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite an einem Eckpunktepapier, das laut IG Metall am späten Abend des 29.09. abgeschlossen wurde. "Die Verhandlungen dauerten bis 23.30 Uhr", sagt Percy Scheidler, erster Bevollmächtigter der IG Metall Aschaffenburg. Scheidler spricht von anstrengenden und angespannten Verhandlungsrunden. Das Eckpunktepapier werde nun den Eigentümern von Linde Hydraulics zur Zustimmung vorgelegt. Haupteigner ist der chinesische Konzern Weichai Power.

    Vor allem Aschaffenburg von Jobabbau betroffen

    Am Nachmittag gebe es eine IG Metall Mitgliederversammlung – sowohl am Hauptstandort in Aschaffenburg, als auch in Ballstedt in Sachsen-Anhalt, wo 160 Mitarbeiter beschäftigt sind. Der Jobabbau betreffe aber vor allem den Aschaffenburger Raum.

    Das bestätigt auch Linde Hydraulics Geschäftsführer Jörg Ulrich auf BR-Nachfrage. Er spricht von einem möglichen Stellenabbau von rund 400 Stellen in den nächsten fünf Jahren. Jörg Ulrich sagt: "Die Verhandlungen liefen in Summe konstruktiv, sachlich und zielorientiert ab. Beide Seiten haben verstanden, dass die deutschen Werke einer Sanierung bedürfen."

    Einbruch nicht nur der Corona-Krise geschuldet

    Der Einbruch des deutschen Maschinenbaus habe Jörg Ulrich zufolge bereits 2019 eingesetzt und sei nicht allein der Corona-Krise geschuldet. Hintergrund sei eine deutliche Überhitzung der Weltmärkte zwischen den Jahren 2017 und 2019 gewesen. Doch die Corona-Krise habe diesen Negativtrend weiter verschärft.

    Jörg Ulrich sagt, dass Linde Hydraulics derzeit einen zweistelligen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr verzeichne, wobei das Geschäft in Europa und Amerika besonders betroffen seien. Das Geschäft in China laufe hingegen mit zweistelligen Wachstumsraten auf Volldampf. Sowohl Weichai als auch KION seien als Eigentümer der Linde Hydraulics im Rahmen der Sanierung bereit, den deutschen Gesellschaften weiteres erhebliches Eigenkapital zukommen zu lassen. Das verdeutliche die Bedeutung des Standortes Aschaffenburg für Weichai Power.

    Gewerkschaft kämpft für Erhalt der Arbeitsplätze

    Um die Arbeitsplätze am Untermain retten zu können, habe die Gewerkschaft IG Metall Instrumente wie Kurzarbeit oder Arbeitszeitverkürzung in den Raum geworfen. Percy Scheidler von der Gewerkschaft sagt: "Stimmt der Eigentümer unseren Vorschlägen nicht zu, dann müssen wir damit rechnen, dass er den 2018 ausgehandelten Zukunftstarifvertrag kündigt. Das wird zu schnellen und harten Arbeitsniederlegungen von unserer Seite führen."

    💡 Über Linde Hydraulics

    Linde Hydraulics ist eigenen Angaben zufolge ein weltweit tätiger Entwickler und Anbieter von modularen Antriebssystemen aus Hydraulik, Elektrotechnik und Elektronik mit weltweit circa 1.400 Mitarbeitern. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen 1.160 Mitarbeiter: 1.000 an den Standorten im Raum Aschaffenburg und 160 in Ballenstedt in Sachsen-Anhalt. Das Produktprogramm umfasst unter anderem hydraulische Pumpen, Motoren, Ventile und elektronische Steuerungen. Größter Anteilseigner ist mit 90 Prozent der chinesische Konzern Weichai Power, zehn Prozent hält Kion.

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