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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Daniel Bockwoldt

Riesenstau im Wohnungsbau

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Riesenstau im Wohnungsbau

Die Bauwirtschaft boomt und der Bedarf ist noch lange nicht gedeckt. Die Lücke zwischen Genehmigungen und Fertigstellungen wird immer größer und damit auch die Wartezeiten.

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Von
  • Felix Lincke

Der Bedarf an Wohnraum ist riesig. Immerhin: 2020 wurden erneut mehr Wohnungen fertig. So meldete das Statistische Bundesamt 306.000 Neubauwohnungen. Aber die Kehrseite der Medaille ist: Genehmigt wurden im gleichen Zeitraum gut 20 Prozent mehr. Wer also auf eine Wohnung hofft, muss immer größere Wartezeiten in Kauf nehmen.

Baubranche kommt schon lange nicht mehr nach

Im Wohnungsbau gab es auf den ersten Blick im vergangenen Jahr erneut ein sattes Wachstum von 4,6 Prozent. Dennoch bleiben immer mehr Bauvorhaben liegen oder werden auf die lange Bank geschoben. Nach der Auftragslage hätten mehr als drei Mal so viele Einheiten fertig gestellt werden können. Denn für weitere 779.000 Wohnungen lagen Genehmigungen vor, die meisten aus den vergangenen Jahren.

Engpass führt zu Preissteigerungen

2020 kamen viele Genehmigungen neu hinzu, so dass der Überhang immer größer wird. Für Bauherren und am Ende auch für Mieter bedeutet das, sie müssen länger warten, bis sich die Lage entspannt. In der Zwischenzeit führt der Engpass zu weiteren Preissteigerungen, weil das Angebot mit der hohen Nachfrage nicht mehr mithält. Das gilt für die Baukosten, aber auch für die Immobilienpreise insgesamt.

Baugewerkschaft beklagt Fachkräftemangel

Die Gewerkschaft IG BAU führt das auf den Fachkräftemangel zurück und zum Teil auch auf unattraktive Arbeitsbedingungen in einigen Bauberufen. Von der Bundesregierung erwartet sie eine höhere Förderung und Zuschüsse, damit schneller mehr Wohnungen fertiggestellt werden.

630.000 Wohnungen fehlen

Die Bundesregierung hat das Ziel formuliert, dass jedes Jahr 375.000 neue Einheiten gebaut werden sollen, um die angespannte Lage am Wohnungsmarkt zu entschärfen. Das wurde 2020 erneut deutlich verfehlt. IG BAU-Chef Robert Feiger sieht insgesamt ein Defizit von 630.000 Wohnungen in den vergangenen Jahren zwischen dem politischen Anspruch und der Wirklichkeit. Auf die neue Bundesregierung warte eine enorme wohnungspolitische Erblast, so Feiger. Bis 2025 müssten in Deutschland 1,5 Millionen neue Wohnungen gebaut werden, vor allem Sozialwohnungen und bezahlbare Wohnungen.

IG BAU fordert Nachholpaket mit sozialer Note

Nach den Berechnungen der Gewerkschaft sind bundesweit fast 13 Millionen Haushalte auf eine Wohnung im unteren und mittleren Preissegment angewiesen, das sei mehr als die Hälfte aller Mieter. Vordringliche Aufgabe der neuen Bundesregierung sei es also, ein "Nachhol-Paket" mit sozialer Note beim Wohnungsbau zu schnüren. Dieses Paket könnte aus Fördergeldern und Zuschüssen bestehen. Die IG BAU hält jährlich rund 10 Milliarden Euro für notwendig.

Lebensgewohnheiten lassen Zahl kleiner Haushalte steigen

Auch in Zukunft wird die Nachfrage nach neuen Wohnungen in Deutschland insgesamt hoch bleiben. Die demographische Entwicklung lässt zwar keinen Anstieg der Bevölkerung erwarten, und die Rolle der Zuwanderung bleibt unklar. Aber die Lebensgewohnheiten lassen die Zahl der kleineren Haushalte für ein bis zwei Personen weiter steigen.

Mehr Singles - nicht nur in Großstädten

Schon heute ist der Einpersonenhaushalt mit Abstand die häufigste Wohnform, die in Großstädten wie München und Hamburg sogar klar dominiert. Mehr Singles und Paare und weniger Familien mit Kindern führen dazu, dass die Gesamtzahl der Haushalte stabil bleibt. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) sieht deshalb einen wachsenden Bedarf an kleineren Wohnungen, die auch barrierefrei sein sollten.

Nachfrageschub bei Wohnen im Alter

Die Nachfrage nach haushaltsnahen Pflege- und Gesundheitsdienstleistungen dürfte weiter steigen, da immer mehr ältere Menschen allein in ihrer Wohnung leben. Dem Bundesinstitut zufolge braucht es auch mehr soziale Angebote und starke Netzwerke in der Nachbarschaft, um den alleinlebenden Menschen ein Angebot gegen die Vereinsamung zu unterbreiten. Das gelte in Stadt und Land gleichermaßen.

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