Kurve an der Börse.

Die Bundesbank rechnet mit einer Rezession 2022/2023. Was heißt das?

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    Was ist eine Rezession? BR24 erklärt

    Was ist eine Rezession? BR24 erklärt

    Deutschland droht eine Rezession. Das gefürchtete "R-Wort" beherrscht derzeit die Debatte über eine bevorstehende Energie- und Wirtschaftskrise. Doch was passiert bei einer Rezession? Wie lange hält sie an und wie schlimm könnte sie werden?

    Unter Rezession, dem "R-Wort" der Wirtschaft, versteht man eine längere Phase, in der das Bruttoinlandsprodukt nicht mehr wächst und auch nicht stagniert, sondern schrumpft. Damit befindet sich dann das ganze Land ökonomisch gesehen in einer Abwärtsbewegung.

    Was bedeutet eine Rezession für die Wirtschaft?

    Deutschland wird 2022/23 zum ersten Mal nach vielen Jahren des Wachstums wahrscheinlich in eine Rezession abrutschen. Experten wie die Bundesbank sind sich ziemlich sicher, dass eine solche Situation eintritt, mit der viele ganz allgemein eine Wirtschaftskrise verbinden. Aber so schlimm muss es gar nicht kommen.

    Von einer sogenannten "technischen" Rezession ist bereits die Rede, wenn die Wirtschaft gerade mal zwei Quartale in Folge gegenüber dem jeweiligen Vorquartal minimal weniger Leistung bringt. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt reicht da schon ein Wachstumsrückgang um zwei Mal minus 0,1 Prozent in kurzer Folge. So etwas liegt beim Statistischen Bundesamt im Bereich eines üblichen Messfehlers, der zwischen vorläufiger erster und zweiter endgültiger Schätzung innerhalb von 14 Tagen öfter nach oben oder unten korrigiert wird.

    Um sicher zu gehen, dass es tatsächlich nach unten geht mit der Wirtschaft, zieht man also gern noch ein weiteres Quartal hinzu. Und um eine richtige Rezession geht es eigentlich auch erst dann, wenn das Wachstum eines ganzen Jahres wirklich geringer ausfällt als im Vorjahr.

    Warum könnte es zu einer Rezession kommen?

    Die Bundesbank hält es für wahrscheinlich, dass die Wirtschaft 2023 gegenüber dem Gesamtjahr 2022 weniger wächst wegen: Ukraine-Krieg, Energiekrise, Pandemie, gestörten Lieferketten, Inflation und höheren Zinsen. Das alles sind negative Faktoren für die Konjunktur, die sich dabei auch noch gegenseitig verstärken. Statt zu wachsen, wird die Wirtschaft also schrumpfen, und sie ist sogar schon dabei.

    Seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine kam es im Frühjahr zu einer Stagnation, in der das Bruttoinlandsprodukt nicht mehr nennenswert zunahm. Dann folgte im Sommer bereits ein leichter Abschwung, der sich im Herbst nun fortsetzt und ab dem Winter verstärken dürfte. Dann werden Verbraucher und Wirtschaft die Gasknappheit und die höheren Strompreise erst so richtig zu spüren bekommen.

    Wie schlimm wird die Rezession?

    Bundesbank und Europäische Zentralbank rechnen nicht mit einem harten Einschnitt, sondern mit einer eher kleinen Abwärtsbewegung. So soll die hohe Nachfrage nach Fachkräften dafür sorgen, dass in der Rezession die Arbeitslosigkeit nicht stark steigt. Außerdem könnte sich der Anstieg der Verbraucherpreise verlangsamen, wenn die Nachfrage insgesamt zurückgeht aufgrund der geringeren Wirtschaftsleistung.

    Auch am Immobilienmarkt könnte das fallende Wohnungspreise bedeuten, auf die viele Interessenten schon so lange warten. Die Zinsen können aber gerade für Kredite auch in der Rezession hoch bleiben, weil viele Ausfälle durch Pleiten und Insolvenzen die Banken vorsichtig machen. Wegen solcher steigender Risiken verlangen die Geldhäuser dann hohe Zinsaufschläge bei Krediten, sofern sie überhaupt noch welche vergeben.

    Wie lange dauert eine Rezession?

    Je nach der Art und Weise, wie sich die Rezession entwickelt, unterscheidet man verschiedene Formen, die anhand von Buchstaben gut zu unterscheiden sich.

    Da ist zu nächst die "V"-Form, bei der es schnell bergab und gleich wieder bergauf geht. Die Rezession ist dann nur ein kurzer, heftiger Einschnitt, ein Episode, die schnell wieder vorüber ist. Ein Beispiel dafür wäre die Finanzkrise von 2008, die nach wenigen Monaten für die meisten schon wieder überstanden war. Nach einer raschen Erholung war die Wirtschaftsleistung zwei, drei Jahre später in den meisten Ländern höher als vor der Finanzkrise.

    Bei der "L"-Form dauert es länger, bis die Krise überstanden ist. Denn die Wirtschaftsleistung geht erst bergab und bleibt dann noch eine ganze Zeit lang auf niedrigem Niveau. Wenn das so bleibt, und vorerst keine Erholung stattfindet, ist mittel- bis langfristig mit einer Depression zu rechnen, bei der sich das Bruttoinlandsprodukt auf einem niedrigeren Niveau einpendelt.

    Ein Beispiel dafür wäre die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre, deren Vorbote der große Börsencrash von 1929 an der Wall Street war. Die 30er Jahre waren dann zunächst von einer fortdauernden nicht enden wollenden Krise geprägt, die immer weitere Teile der Wirtschaft erfasst und sich ausgehend von den USA weltweit ausbreitete, auch in Deutschland.

    Als dritte Art der Rezession begegnet uns die "U-Form" bei der es runter geht, eine Zeit lang auf niedrigem Niveau weitergeht und am Ende auf eine Erholung hinausläuft, bis die alte Wirtschaftsleistung wieder erreicht ist. Das ist wohl die häufigste Form und entspricht auch am ehestem dem üblichen Konjunkturzyklus mit seinen üblichen Aufwärts- und Abwärtsbewegungen.

    Dieser Zyklus eines klassischen Konjunkturverlaufs sieht so aus, dass es nach einer Phase der Übertreibung, wenn die Wirtschaft heiß gelaufen ist, zu einer Abkühlung kommt. Das war zum Beispiel nach dem Platzen der ersten Dotcom- und Internetblase nach 2000 der Fall. Es kommt zu einigen Pleiten und Korrekturen. Es gehen auch einige Arbeitsplätze verloren, so lange, bis alles sich wieder zurechtruckelt. Wenn sich ein Boden gebildet hat, kann es dann mit neuem Schwung auch wieder aufwärts gehen.

    Vorhersagen über den Verlauf, wann sich wie ein Boden bildet und wie lange ein Abschwung dauert, wie stark es nach unten geht – alle diese Prognosen sind aus der jeweiligen Situation heraus sehr schwierig zu machen. Häufig liegen die Experten falsch und sehen die Rezession nicht voraus und merken auch nicht, wann der Aufschwung kommt.

    Welche Art von Rezession steht uns 2022/2023 bevor?

    Bei der aktuellen Situation, in der Deutschland und Europa sich befinden, ist mit einer schnellen Erholung nach der V-Form leider nicht zu rechnen, weil die Energiepreise und damit auch die Inflation den meisten Experten zufolge hoch bleiben. Auch mit einem schnellen Ende des Ukraine-Kriegs, der als exogener Faktor die Wirtschaft stark belastet, wird im Moment nicht gerechnet. Außerdem haben die Notenbanken gerade erst damit angefangen, die Zinsen zu erhöhen, was das Wachstum zusätzlich bremst und noch eine ganze Weile so weiter weitergehen dürfte.

    Ein weiterer negativer Punkt ist das Ende der Globalisierung, vor allem durch die zunehmenden Konflikte mit China und den USA, der Abschottung durch die Regierung in Peking und den vielen neuen Handelsbeschränkungen weltweit. Es ist nicht zu erwarten, dass diese Belastungsfaktoren für die Weltwirtschaft in nächster Zeit rückgängig gemacht und aufgehoben werden. Außerdem sei nur ganz am Rande noch erwähnt, dass die zunehmende Klimaerwärmung auch wirtschaftlich gesehen zu einem immer größeren Problem wird und Gegenmaßnahmen verlangt, die kostspielig sind und zu Lasten von Wachstum und Produktivität gehen.

    Wenn dann in einigen Ländern auch noch hausgemachte interne Faktoren hinzukommen wie eine Überschuldung der Staatshaushalte, eine schlechte Infrastruktur oder politische Versäumnisse wie etwa in der Bildungspolitik oder bei der Digitalisierung, dann könnte die drohende Wirtschaftskrise dort noch lange dauern. Mit mehreren schwächeren Jahren wäre dann zu rechnen oder bestenfalls mit einer sogenannten Waschbrettkonjunktur, die sich mit dem Buchstaben W gut veranschaulichen lässt.

    Bei der W-Form wird die Wirtschaft immer wieder von kleineren Krisen erschüttert und kurzen nicht nachhaltigen Phasen des Aufschwungs, ohne dabei richtig auf Kurs zu kommen. Eine solche Anfälligkeit für immer wiederkehrende Krisen könnte uns erhalten bleiben, weil es einfach so viele Einzelfaktoren sind, die derzeit die Konjunktur belasten.

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