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Seniorin mit Geldbeutel
© BR/Julia Müller

Autoren

Johannes Lenz
© BR/Julia Müller

Seniorin mit Geldbeutel

Ob die gesetzliche Altersrente für die Menschen in Bayern zum Leben ausreicht, hat der DGB Bayern näher untersucht. Dabei hat er Zahlen der Deutschen Rentenversicherung als Grundlage genommen.

Viele Bayern von Altersarmut bedroht

Mehr als zwei Drittel der Frauen und ein Drittel der Männer bekommen demnach im Schnitt von der gesetzlichen Altersrente weniger als 900 Euro netto. Das liegt unterhalb der sogenannten Armutsgefährdungsschwelle, die das Statistische Bundesamt für Bayern bei aktuell 1.074 Euro netto festlegt. Haben diese Menschen neben der gesetzlichen Rente keine weitere private Vorsorge getroffen, bedeutet das in der Konsequenz ein hohes Armutsrisiko. Deshalb sieht Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern trotz des beschlossenen Rentenpakets der Bundesregierung weiteren Korrekturbedarf: Die gesetzliche Rente müsse weiter gestärkt werden.

"Da muss man kein großer Mathematiker sein, um auszurechnen, dass man davon kein gutes Leben führen kann. Es sei denn, man hat ein Haus geerbt, dann geht das vielleicht." Matthias Jena, Vorsitzender DGB Bayern

Regionale Ungleichheit der Rentenhöhe

Interessant ist die Auswertung des DGB Bayern, was die Differenzen der durchschnittlichen Altersrente innerhalb Bayerns angeht. Denn regional betrachtet gibt es bei der Rentenhöhe zum Teil große Unterschiede: Die höchste gesetzliche Durchschnittsrente für Neurenten der Männer in Bayern gibt es zum Beispiel im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Dort waren es im vergangenen Jahr 1.368 Euro. Schlusslicht ist die Stadt Augsburg mit 662 Euro netto.

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Die Menschen in den jeweiligen Regionen beziehen zum Beispiel unterschiedliche Arten von Renten. In manchen Ballungsräumen gibt es mehr Rentner mit einer Rente für besonders langjährig Versicherte. In anderen Regionen wohnen mehr Rentner mit einer Erwerbsminderungsrente.

Der DGB Bayern sieht aufgrund der regionalen Unterschiede die Strukturpolitik der Staatsregierung gefragt, um die Lebensbedingungen der Rentnerinnen und Rentner in ganz Bayern anzugleichen.

Senior und Seniorin sitzen auf Bank

Senior und Seniorin sitzen auf Bank

Großer Abstand zwischen Frauen und Männern

Der DGB Bayern hebt in seinem Bericht außerdem hervor, dass der Abstand zwischen Frauen und Männern bei der gesetzlichen Durchschnittsrente groß ist: Männer, die 2017 das erste Mal eine Altersrente bekommen haben, hatten im Schnitt 1.081 Euro netto in der Tasche. Frauen hingegen durchschnittlich nur 684 Euro netto. Die sogenannte "Gender Pension Gap" ist damit sogar noch größer als die hohen Verdienstunterschiede, die als "Gender Pay Gap" bezeichnet werden.

"Frauen sind wesentlich häufiger mit reduzierten Arbeitszeiten und dem sich ausweitenden Niedriglohnsektor konfrontiert." Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern

Welche Maßnahmen müssten laut DGB her?

Um die Lage der Rentnerinnen und Rentner in Bayern zu verbessern, fordert der DGB Bayern eine weitere Erhöhung des Rentenniveaus und des Niveaus der Erwerbsminderungsrente. Außerdem sollten die Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass die Menschen bis zum regulären Renteneintritt arbeiten können und nicht schon vorher aus dem Arbeitsleben ausscheiden müssen. Auch die Staatsregierung sieht der DGB Bayern in der Pflicht:

"Von gleichwertigen Lebensverhältnissen in Bayern sind wir noch meilenweit entfernt. Dabei steht genau diese Aufgabe seit einigen Jahren in der Bayerischen Verfassung. Hier ist die Staatsregierung gefordert, dieses Ziel mit der richtigen Wirtschafts-, Regional- und Strukturpolitik umzusetzen." Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern

Bayerische Wirtschaft kritisiert Rentenreport des DGB

Kurz nach seiner Veröffentlichung kritisierte die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) den Rentenreport des DGB Bayern und dessen Forderungen. Der letzte Bericht der Bayerischen Staatsregierung zur sozialen Lage in Bayern habe gezeigt, dass der Anteil der Empfänger von Grundsicherung im Alter in Bayern deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liege. Den Forderungen des DGB Bayern entgegnet Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw:

"Weiter allein auf die gesetzliche Rente zu setzen, ist ein Irrweg. Wir wissen, dass unsere Bevölkerung altert. Deshalb gilt es auf das dreisäulige System der Alterssicherung insgesamt zu setzen." Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

Die Zahlen, die der DGB in seinem "Rentenreport Bayern 2018" ausgewertet hat, sind nicht neu. Diese hatte die Deutsche Rentenversicherung schon im November vorgelegt. Der DGB Bayern will mit seinen Analysen dieser Zahlen die Staats- und Bundesregierung konfrontieren und so seinen Forderungen Nachdruck verleihen. Wie aber beispielsweise ein höheres Rentenniveau zu finanzieren wäre, konnte der DGB Bayern nicht konkret mit Zahlen erläutern.

Der Rentenreport des DGB Bayern

Der Rentenreport des DGB Bayern