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Rentenbesteuerung 2020 - wer muss jetzt zahlen? | BR24

© BR/Nikolaus Nützel

Steuern auf die Rente müssen immer mehr Ruheständler*innen bezahlen. Wer betroffen ist und um welche Summen es geht, hängt stark davon ab, wann derjenige in Rente gegangen ist. Rentenversicherer leisten Hilfestellung im Zahlenwust.

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Rentenbesteuerung 2020 - wer muss jetzt zahlen?

Immer mehr Ruheständler*innen müssen Steuern auf ihre Rente bezahlen. Wer betroffen ist und um welche Summen es geht, hängt stark davon ab, wann derjenige in Rente gegangen ist. Die Rentenversicherung leistet aber Hilfestellung im Zahlenwust.

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"Viele Leute sind erzürnt, vor allem auch deswegen, weil im letzten Jahr schon Steuer gezahlt werden muss bei Renten ab 1100 Euro. Und das sind ja wirklich keine großen Beträge." Claudia Spiegel vom Sozialverband VdK Bayern bekommt gerade zum Jahresbeginn viele Rückmeldungen von Ruheständlern, die unzufrieden sind mit der Rechtslage zum Thema Steuern und Rente. Zudem ist das Thema kompliziert, nicht jeder findet sich zu recht.

Rentenversicherer müssen aufklären

Um bessere Orientierung zu geben, verschicken die Rentenversicherer eine sogenannte "Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt". Sie soll es leichter machen, die Steuererklärung auszufüllen. Darin ist unter anderem aufgelistet, welche Art von Rente seit wann gezahlt wird.

Rentenbeginn entscheidend für Steuersatz

Denn Entscheidend ist der erstmalige Rentenbeginn. Je nachdem, wann jemand in den Ruhestand gegangen ist, entscheidet sich, ob und in welchem Umfang möglicherweise später Steuer bezahlt werden muss. Auch entscheidet der erstmalige Rentenbeginn darüber, wie viel Prozent der Rente später der Steuer unterworfen werden.

Wie viel Prozent der Rente wird versteuert?

Bei denjenigen, die vor dem Jahr 2006 in Rente gegangen sind, fallen nur 50 Prozent der Rente unter die Steuerpflicht. Weil es über dreieinhalb Jahrzehnte hinweg eine Umstellung auf die sogenannte nachgelagerte Besteuerung gibt, steigt dieser Anteil von Jahr zu Jahr schrittweise an. Wer 2020 in Rente geht, bei dem liegt der steuerpflichtige Anteil bei 80 Prozent. Je kürzer jemand im Ruhestand ist, desto größer ist also bei einer einigermaßen auskömmlichen Rente die Wahrscheinlichkeit, dass er Steuern zahlen muss.

Allerdings fallen die jährlichen Rentenerhöhungen voll unter die Steuerpflicht, deswegen müssen sie gesondert in die Steuererklärung eingetragen werden. Die Rentenkassen schicken dazu eine Bescheinigung zur Vorlage beim Finanzamt, die den Betrag enthält.

Rentenkassen raten: Steuererklärung früh abgeben

Die "Bescheinigung zur Vorlage beim Finanzamt" sei also eine wertvolle Hilfestellung, um eine Steuererklärung auszufüllen, heißt es von den Rentenkassen. Und sie empfehlen, möglichst gleich im ersten Jahr nach dem Renteneintritt eine Steuererklärung abzugeben. Denn dann sei klar, ob Steuer fällig wird, und wie hoch sie ausfällt. Die Hilfestellung durch die Rentenkassen muss allerdings beantragt werden – entweder übers Internet oder die Beratungstelefone der Rentenversicherer.

Thomas Büttner, Berater der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd, weist ausdrücklich darauf hin: "Es ist ganz wichtig, das zu wissen: also die werden nicht an alle Rentnerinnen und Rentner automatisch verschickt, sondern man muss einmal so einen Antrag stellen und danach nicht mehr. Danach kommt sie automatisch."

Sozialverband VdK: Rentner*innen mit Steuer überfordert

Beim Sozialverband VdK findet man es grundsätzlich lobenswert, dass die Rentenkassen in einem gewissen Umfang Hilfestellung beim Ausfüllen der Steuererklärung bieten. Die VdK-Rechtsexpertin Claudia Spiegel hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass vor allem hochbetagte Rentnerinnen und Rentner immer wieder Probleme haben. "Also da haben wir schon tatsächlich die Erfahrung, dass da viele Leute sehr überfordert sind, vor allem auch zunehmend stellt ja das Finanzamt um auf eine digitalisierte Steuererklärung, das Elster-Verfahren. Da haben viele Leute wirklich überhaupt keine Ahnung."

Deutsche Rentenversicherung: Steuererklärung auch ohne Berater machbar

Der Berater Thomas Büttner von der Deutschen Rentenversicherung will nicht bestreiten, dass die Steuererklärung eine Herausforderung sein kann. Aber nach seiner Einschätzung ist es eine Herausforderung, die viele der mehr als fünf Millionen steuerpflichtigen Rentner durchaus alleine bewältigen können. "Unserer Erfahrung heraus ist es so, dass man auch, wenn man keinen Steuerberater bisher benötigt hat, dass man das durchaus auch alleine hinbekommen kann. Die Finanzämter und auch die Lohnsteuerhilfevereine, die stehen natürlich mit Rat und Tat zur Seite. Und auch die Deutsche Rentenversicherung hat Broschüren, die natürlich sehr allgemein gehalten sind, nur beispielhaft, aber man kann daraus sehr viele Informationen ziehen, um das dann letztendlich auch alleine hin zu bekommen," so Büttner.