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Reise-Stornierung wegen Corona: Diese Rechte haben Verbraucher | BR24

© picture alliance / Goldmann

Symbolbild: Hotel

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Reise-Stornierung wegen Corona: Diese Rechte haben Verbraucher

Angesichts des Verbots von Übernachtungen zu touristischen Zwecken in Bayern sind viele verunsichert: Was bedeutet das für Ihren Osterurlaub? Bekommen Sie Geld zurück? Und was ist nach der Reisewarnung der Bundesregierung mit Auslandsreisen?

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Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen des Kampfs gegen die Corona-Pandemie machen auch vor dem Tourismus nicht halt: Auch der Freistaat Bayern setzt den Beschluss von Bund und Ländern um, Busreisen sowie Übernachtungen zu touristischen Zwecken zu verbieten. Das hat kurz vor den Osterferien Folgen für viele Menschen, die sich über die Feiertage ein paar Tage Auszeit im Freistaat gönnen wollten.

Die Übersichtskarte zu den aktuellen Coronavirusfällen in Bayern finden Sie hier.

Darüber hinaus hat das Auswärtige Amt am Dienstagmorgen eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgesprochen - auch um zu verhindern, dass Deutsche wegen weiterer Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr im Ausland stranden: "Treten Sie vorerst keine Reise zu touristischen Zwecken in das Ausland mehr an." Und das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt, auch im Inland möglichst auf Reisen zu verzichten.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

In der BR24-Redaktion erreichten uns heute mehrere Leser-Mails mit Fragen nach ihren Rechten angesichts der jüngsten Entwicklungen. Hier die wichtigsten Antworten:

Kurz bevorstehende Pauschalreisen

Wegen der Einzigartigkeit der aktuellen Virus-Epidemie gibt es noch keine klare Rechtsprechung. Doch Verbraucherschützer und Juristen sehen insbesondere Einreiseverbote oder offizielle Reisewarnungen des Auswärtigen Amts als ausreichende Begründung für sogenannte unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände - zumindest, wenn sie erst nach der Buchung ausgesprochen wurden.

"Stärkstes Indiz für außergewöhnliche Umstände sind die Einschätzungen des Auswärtigen Amtes und daraus folgende Reisewarnungen und -hinweise, an denen sich regelmäßig die Gerichte orientieren", schreibt die Verbraucherzentrale. Sie ist der Meinung: Wer eine Pauschalreise gebucht habe, die kurz bevorstehe, könne diese nach der Reisewarnung "in jedem Fall" kostenlos stornieren.

Sollte dem Anbieter dieser Grund nicht genügen, können Kunden laut ADAC noch einen weiteren Grund anführen: Auch wenn ein wesentlicher Teil der Reiseleistung nicht stattfindet - zum Beispiel zentrale Sehenswürdigkeiten geschlossen oder Routen vor Ort gesperrt sind -, könne man kostenfrei zurücktreten.

Individuell gebuchte Leistungen im In- und Ausland

Wer sein Ziel nicht erreichen kann, weil er Deutschland ohne wichtigen Grund nicht mehr verlassen kann oder auch innerhalb Deutschlands nicht mehr reisen soll, kann nach Angaben der Verbraucherzentrale auch einzeln gebuchte Leistungen, wie zum Beispiel Hotels, stornieren und sollte sein Geld zurückbekommen. "Zumindest wenn für die Buchung deutsches Recht gilt." Schwieriger könne es zum Beispiel sein, wenn Kunden direkt beim Anbieter im Ausland gebucht haben. "Dann kann das Recht des dortigen Landes statt des deutschen gelten."

Der Apartment-Vermittler Airbnb kommt betroffenen Reisenden entgegen und lässt für die kommenden Wochen gebuchte Aufenthalte kostenlos stornieren. Die Sonderregelung gilt für alle Aufenthalte, die bis vergangenen Samstag gebucht wurden und bis zum 14. April beginnen.

Hotel-Buchungen in Bayern und in anderen Bundesländern

Der Beschluss der bayerischen Staatsregierung ist eindeutig: "Übernachtungsangebote im Inland dürfen nur zu notwendigen, aber nicht zu touristischen Zwecken genutzt werden." Ähnlich lautet auch eine der Leitlinien, auf die sich Bundesregierung und Bundesländer am Montag geeinigt haben. Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (BHG) allen Hotels, Privatreisende "umgehend über die staatlich angeordnete 'Stornierung' zu informieren".

Zugleich stellt der Verband klar: "Stornierungskosten dürfen nicht verlangt werden, wenn diese aufgrund der Untersagung von Veranstaltungen/Versammlungen sowie der Einschränkungen der Öffnungszeiten anfallen würden. Sollten Anzahlungen geleistet worden sein, sind diese an den Gast zurückzuerstatten.

Reisen in einigen Wochen oder Monaten

Allen, deren Reise erst in einigen Wochen oder Monaten ansteht, empfiehlt die Verbraucherzentrale, Kontakt mit ihrem Reiseveranstalter oder Anbieter aufzunehmen, falls sie die Reise nicht antreten wollen. Airlines und Pauschalreiseanbieter zeigten sich durchaus kulant. "Außerdem: Wer nun eine Reise frühzeitig auf eigenes Risiko storniert und dafür Stornogebühren zahlen muss, muss diese zurückbekommen, wenn dann zum Reisezeitpunkt immer noch keine Reise möglich ist oder es bei Pauschalreisen dann für das Reiseziel immer noch eine Reisewarnung oder deutliche Reisehinweise des Auswärtigen Amts gibt."

Reiserücktrittsversicherung

Eine Reiserücktrittsversicherung greift nach Angaben des ADAC bei einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes nicht, sondern nur bei Krankheit. Eine Reisewarnung gelte "nicht als versichertes Ereignis".

Reisegutscheine

Bietet ein Veranstalter für eine ausgefallene oder abgesagte Reise einen Reisegutschein an, der bei einer späteren Buchung eingelöst werden kann, muss der Kunde diesen nicht annehmen: "Rechtlich sind Sie nicht dazu verpflichtet, einen Gutschein zu akzeptieren, sondern hätten das Recht, Ihren Reisepreis zurückzubekommen", schreibt der ADAC auf seiner Internetseite.

Schadenersatzleistungen

So enttäuschend es auch ist, wenn ein Veranstalter eine Reise absagt: Schadenersatzleistungen gegen den Reiseveranstalter wegen entgangener Urlaubsfreuden kommen nach Angaben des ADAC nicht in Betracht, "wenn unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen, die der Veranstalter nicht zu vertreten hat".

© BR

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