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Es könnte ein Mammutprozess mit komplexer Beweisführung werden: Vier ehemalige Mitarbeiter der Koenig & Bauer AG mit Hauptsitz in Würzburg werden der Industriespionage beschuldigt. Jetzt stehen sie nach langen Ermittlungen in Stuttgart vor Gericht.

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Prozess in Stuttgart: Industriespionage bei Koenig & Bauer?

Es könnte ein Mammutprozess mit komplexer Beweisführung werden: Vier ehemalige Mitarbeiter der Koenig & Bauer AG mit Hauptsitz in Würzburg werden der Industriespionage beschuldigt. Jetzt stehen sie nach langen Ermittlungen in Stuttgart vor Gericht.

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Von
  • Jochen Wobser

Vor dem Stuttgarter Landgericht beginnt am Freitag der Prozess gegen vier frühere Mitarbeiter des Koenig & Bauer-Konzerns mit Stammsitz in Würzburg. Die ehemaligen Mitarbeiter des in Stuttgart angesiedelten Tochterunternehmens KBA MetalPrint sollen sich illegal Fertigungszeichnungen der Firma verschafft haben, um in Baden-Württemberg ein Konkurrenzunternehmen auf- und auszubauen.

Anklage: "Verrat von Betriebsgeheimnissen"

Wie die Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft, Melanie Rischke, dem BR mitgeteilt hat, gehe die Anklage von Straftaten des "Verrates von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen" sowie "unerlaubter Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke" aus. Bei den Beschuldigten handelt es sich nach Angaben der Staatsanwältin um zwei ehemalige Bereichsleiter, einen ehemaligen Mitarbeiter im Kundendienst sowie um den früheren Kundendienstleiter von KBA MetalPrint.

Dieser war bis 2008 Chef der Kundendienstsparte und gilt als Hauptangeklagter. Ihm wird vorgeworfen, sich vor seinem Ausscheiden bei KBA im großen Stil Fertigungszeichnungen für Blechdruck-Maschinenkomponenten unrechtmäßig verschafft und bis 2014 in der von ihm gegründeten Konkurrenzfirma eingesetzt zu haben. Die anderen drei Angeklagten waren bei dieser Firma beschäftigt.

18 Prozesstage angesetzt

Der Prozess vor der Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts könnte ein kompliziertes und langwieriges Verfahren werden. Bis ins kommende Frühjahr hinein sind insgesamt 18 Prozesstage angesetzt. Ein Urteil könnte am 27. April 2021 fallen. Laut Staatsanwältin Melanie Rischke seien der Anklage "umfangreiche Ermittlungen" vorausgegangen. Nähere Angaben zu den Ermittlungen wolle sie im Vorfeld der Beweisaufnahme aber nicht machen. Auslöser der Ermittlungen sei eine Strafanzeige durch KBA MetalPrint im Jahr 2013 gewesen.

Zwei Ex-Mitarbeiter bereits verurteilt

Bereits 2017 sind zwei ehemalige Firmenmitarbeiter in diesem Fall rechtskräftig verurteilt worden. Wegen des Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen in drei bzw. in zwei Fällen verurteilten das Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt und das Amtsgericht Ludwigsburg die Männer zu Geldstrafen von 90 bzw. 60 Tagessätzen.

Die Koenig & Bauer AG mit Stammsitz in Würzburg ist nach Unternehmensangaben der älteste und derzeit zweitgrößte Druckmaschinenhersteller der Welt. Der Konzern beschäftigte zuletzt weltweit rund 5.600 Mitarbeiter. Unter anderem wegen sinkender Umsätze hatte KBA im Herbst angekündigt, rund 900 Arbeitsplätze abzubauen.

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