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ProSieben.Sat1 wechselt Spitze aus | BR24

© BR / Gabriel Wirth

ProSieben.Sat1 wechselt Spitze aus

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ProSieben.Sat1 wechselt Spitze aus

Der Münchner Medienkonzern ProSieben.Sat1 bekommt ab sofort einen neuen Vorstandsvorsitzenden. In der Nacht teilte der Aufsichtsrat mit, dass Max Conze gehen muss. Schon länger wurde um die Ausrichtung des Konzerns gestritten.

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Der Führungswechsel bei ProSieben SAT1 kommt nicht überraschend. Max Conze, der nicht einmal zwei Jahre an der Spitze des Konzerns stand, hatte nie die Gunst der Investoren bekommen eckte offenbar auch mit seinem Führungsstil an. Dass er ausgerechnet in der aktuellen Unruhe um die Covid-19-Pandemie geht, lässt aber aufhorchen. Mehrere Vorstände hatten schon das Handtuch geworfen, zuletzt auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Conrad Albert. Er hatte öffentlich die Situation bei ProSieben SAT1 kritisiert.

Fernsehen oder Digital

In der Führungsetage herrschte auch ein Richtungsstreit, wie es mit dem Medienkonzern weitergehen soll. Conze setzte vor allem auf die digitalen Geschäfte. Unter dem Dach der Tochter Nucom wurden Internetportale wie die Online-Parfümerie Flaconi, verschiedene Partnerschaftsbörsen wie Parship zusammengefasst. Den meisten Umsatz machte aber weiter das Fernsehgeschäft mit den TV-Sendern ProSieben, Sat.1 oder Kabel1. Doch gingen die Erlöse in den vergangenen zwei Jahren wegen der beginnenden Wirtschaftsschwäche zurück. Und dies wird sich im Zuge der aktuellen Covid-19-Pandemie noch verstärken. Zudem gab es Kritik am Programmangebot. Neue Formate suchte man bei ProSiebenSat.1 vergebens.

Wieder mehr Entertainment

Der bisherige Finanzvorstand Rainer Beaujean wird nun auch das Amt des Vorstandssprechers übernehmen und hat einen Strategiewechsel angekündigt. "Dieses Unternehmen hat weit mehr Potential als ihm derzeit extern beigemessen wird", sagte Beaujean. ProSiebenSat.1 will sich wieder stärker auf Fernsehen und Unterhaltung konzentrieren, und in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Schwerpunkt liege hier auf lokalen und Live-Formaten. Unter anderem über die Streaming-Plattform Joyn solle die digitale Reichweite weiter ausgebaut werden.

Die wachstumsstarke Tochter, Nucom Group, bleibe eine wichtige Säule des Konzerns. Die Beteiligungen sollen aber zu gegebener Zeit veräußert werden.

Gefahr der Übernahme

In den vergangenen drei Jahren ist der Kurs der ProSiebenSat.1 Aktie von knapp 50 auf rund 7 Euro abgeschmiert. Damit ist der Medienkonzern zu einem Schnäppchen für interessierte Konkurrenten geworden. Gleich zwei Investoren versuchen in Deutschland, dem wichtigsten Medienmarkt in Europa, Fuß zu fassen und haben sich nennenswerte Aktienpakete gesichert. Schon länger ist die italienische Mediengruppe Mediaset von Silvio Berlusconi an Bord. Diese machte mit ihrem Anteil von 20 Prozent Avancen, einen europäischen Medienkonzern zu gründen. Das hatte ProSiebenSat.1 stets abgelehnt. Seit dem Herbst haben zudem die Investoren des Metro-Konzerns um den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky ihren Anteil auf zehn Prozent aufgestockt.

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