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Preisvergleich: Müssen E-Autos teurer sein? | BR24

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Vergleichsweise teurer Kaufpreis für E-Autos: Staatliche Fördertöpfe sollen Kunden locken

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    Preisvergleich: Müssen E-Autos teurer sein?

    Elektroautos haben bislang meist höhere Kaufpreise als vergleichbare Benziner oder Dieselfahrzeuge. Doch woher kommen die Preisunterschiede ? Werden sie bald verschwinden? Und sind E-Autos auch insgesamt teurer als Verbrenner? Eine Momentaufnahme.

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    Von
    • Jürgen Seitz

    Das sind scheinbar einfache Fragen, auf die es aber keine einfache Antwort gibt – weder für Hersteller noch Autokäufer. Doch technischer Fortschritt und Entwicklung schreiten schnell voran. Der vermeintliche Schnäppchenpreis von gestern kann morgen bereits sehr teuer sein – und umgekehrt.

    Hinzu kommt: Wer nur den Anschaffungspreis im Blick hat, kann in die Kostenfalle tappen. Denn ein durchschnittliches "Autoleben" in Deutschland dauert rund zehn Jahre. Da geht es auch um Wartungskosten, Wertstabilität bei Wiederverkauf, Steuern und Versicherungen sowie die Entwicklung der Kraftstoffpreise. Dem kostenbewussten Autokäufer helfen hier nur realistische Vergleichsrechnungen über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeuges.

    Mit Subventionen: Kosten von E-Autos und Verbrennern gleichen sich an

    Der ADAC hat zum Jahreswechsel umfassend nachgerechnet, um die Gesamtkosten für reine Elektrofahrzeuge pro gefahrenem Kilometer zu ermitteln. Berücksichtigt wurden die Strom-und Spritpreise, Wertverlust und Wartungskosten, Haltedauer und Jahreslaufleistung.

    Im Kaufpreis wurden E-Mobilitätszuschüsse bzw. 15 Prozent Händlerrabatt bei herkömmlichen Fahrzeugen berücksichtigt. Der Vergleich mit Benzinern und Dieselfahrzeugen zeigt: Je kleiner ein Auto ist, desto größer sind die Kaufpreisunterschiede zwischen Stromern und Verbrennern.

    Noch immer lassen sich die Hersteller bis auf wenige Ausnahmen die Elektromobilität teuer bezahlen. Katja Legner, Unternehmenssprecherin ADAC

    Dennoch ist die Gesamtkostenbilanz mit Benzinern fast identisch, weil der Staat mit Kaufprämien und Steuervorteilen für E-Autos einspringt.

    Zwei Beispiele: Beim BMW-Benziner 118i mit 100-Kw-Motor kostet der Kilometer 46,5 Cent. Ein in Ausstattung und Leistung vergleichbarer Elektro-BMW i3 kommt auf 46,9 Cent, obwohl der Kaufpreis 3.400 Euro höher ist. Das gleiche Bild beim VW Golf. Das Benziner-Modell 1.5 TSI LifeDSG kommt auf 42,3 Cent, der elektrische Golf-Nachfolger VW ID3 kostet 42,5 Cent pro Kilometer, obwohl sein Listenpreis 7.700 Euro teurer ist.

    E-Autos im Gesamtkostenvergleich oft teurer als Verbrenner

    Bis zu 9.000 Euro Zuschuss für reine E-Autos zahlt der Staat - und das mindestens bis 2025. Dass solche Kaufanreize wirken, zeigen die Absatzzahlen des vergangenen Jahres. Der Bestand an reinen E-Autos stieg von rund 136.000 auf über 300.000. Doch was E-Autokäufer als Prämien erhalten, zahlt die Gemeinschaft der Steuerzahler. Daher muss der volkswirtschaftliche Sinn solcher Subventionen stets sein, dass sie sich selbst wieder abschaffen. Aber wie sieht die Rechnung ohne staatliche Förderung bei Stromern oder Händlerrabatten bei Verbrennern aus?

    Auch hier hat der ADAC mit aktuellen Preisen (Stand: 12.01.2021) die Gesamtkosten pro Kilometer ermittelt. Demnach kostet der Benziner-BMW 118 i 53,8 Cent, der vergleichbare BMWi3 hingegen 56,1 Cent. Ähnlich die Differenz beim VW Golf 1,5 TSI und dem VW ID.3 mit 48,8 zu 51 Cent Gesamtkosten pro Kilometer.

    Im Februar wird der ADAC seine aktuellen Berechnungen für über 500 auf dem deutschen Markt angebotene Fahrzeuge veröffentlichen.

    Norwegen: Billiger Strom und Steuervorteile machen E-Autos attraktiv

    Aufschlussreich ist auch der Blick nach Norwegen. Dort fährt seit Kurzem mehr als die Hälfte der Autos rein elektrisch oder hybrid. Denn der Strom aus Wasserkraft ist vergleichsweise billig und E-Autos sind fast vollständig steuerbefreit. Das Beispiel zeigt: Wer den Massenmarkt mit Kleinst-und Kleinwagen bedienen will, kommt an günstigen Energiekosten und Subventionen für E-Mobilität bislang nicht vorbei.

    Hersteller zwischen Regulierung und Markt

    Der Staat greift auf europäischer und nationaler Ebene massiv in den deutschen Automarkt ein: Stetig sinkende CO2-Grenzwerte und Milliardenstrafen bei Nichteinhaltung einerseits, Milliarden-Investitionshilfen für E-Mobilitätsentwicklung andererseits. Die Autohersteller sind bei all dem gezwungen, sich gegen die internationale Konkurrenz zu behaupten. Das heißt, sie müssen weiterhin profitabel sein. Eine komplexe Aufgabe.

    Beim höheren Gewicht von E-Mobilen beißt sich die Katze in den Schwanz. Der Einsatz von Leichtmetallen wie z.B. Magnesium ist daher zwingend. Das wiederum führt zu sehr hohen Zusatzkosten. Prof. Jörg Wellnitz, Karosseriebau-Experte, Technische Fachhochschule Ingolstadt

    Die Unternehmensberatung Deloitte hat in einer aktuellen Studie über 25 Stellhebel identifiziert, die die Hersteller in ihrer Kostenrechnung unter einen Hut bringen müssen. Preisentscheidend wird dabei vor allem die Batterietechnik sein. Denn Batterien machen bis zu 40 Prozent des Gesamtpreises eines E-Autos aus. Dabei ist die Preisentwicklung der nötigen Rohstoffe wie Kobalt oder Nickel eine große Unbekannte. Deshalb forcieren die Autobauer Ersatzlösungen wie zum Beispiel Lithium-Eisenphosphat-Zellen. Doch auch das bedeutet Milliardeninvestitionen, die wir als Kunden beim Kaufpreis oder als Steuerzahler für Forschungssubventionen bezahlen.

    E-Luxusautos: Für Hersteller rentabel, aber nicht die Lösung

    Am ehesten schaffen es große Stromer, beim Anschaffungspreis nicht teurer zu sein. Bei großvolumigen und schweren SUVs jenseits der 50.000 Euro wird der Preisabstand zwischen Benzin, Diesel oder Elektro immer kleiner, die Gewinnmarge für die Hersteller immer größer.

    So erklärt sich beispielsweise, dass Audi-Chef Markus Duesmann laut "Wirtschaftswoche" ab 2024 Tesla Konkurrenz im Premiumsegment machen will. Mit dem TT-Sportwagen-Nachfolger "e-tron GT" – während gleichzeitig eine Einstellung des beliebten Kleinwagens A1 "in der Diskussion" steht. Inwieweit schwere, margenstarke E-Autos noch eine bessere ökologische Gesamtbilanz haben als vergleichbare Verbrenner, steht auf einem anderen Blatt.

    Politische Vorgaben als "Gamechanger"

    Doch fest steht: Die politischen Entscheider in Deutschland, aber auch die gesamte Europäische Union, haben die Weichen gestellt für die Transformation hin zu alternativen Antriebsarten. Sie tun dies unter der Annahme, dass weniger Kohlendioxid aus dem Auspuff dabei hilft, der fortschreitenden Erderwärmung entgegenzutreten. Egal, wie man dazu steht: Der Wandel beim Automobil wird damit zwangsläufig. Aber auch wenn E-Autos aus vielerlei Gründen im Kaufpreis nicht sinken sollten, hat die Politik noch einen "Trumpf".

    Können E-Autos nicht billiger werden, dann sollen bei leistungsgleichen Konkurrenten mit Verbrennungsmotoren die Kosten steigen. Auch diese Strategie belegen die aktuellen Vergleichsdaten des ADACs zwischen Diesel- und Elektrofahrzeugen. Sowohl BMW 118d und Golf 2.0 TDI schneiden deutlich schlechter ab als ihre Elektro-Geschwister. Steigende Steuerlast führte beim Diesel zu höheren Betriebs-und Fixkosten und damit zu höherem Wertverlust. Sinkende Konkurrenzfähigkeit zu E-Fahrzeugen ist das politisch gewollte Ergebnis.

    Aber auch Benziner könnten durch politische Vorgaben künftig unattraktiver werden. Die EU erwägt gerade, die neue Euro-7-Abgasnorm einzuführen. Euro-7 fordert weitgehende Emissionsfreiheit für jedes Fahrzeug in jeder Fahrsituation. Ob Euro-7 tatsächlich ab 2025 kommt, wird momentan unter Fachleuten intensiv diskutiert. Die deutsche Autoindustrie spricht jedenfalls offen von einer "Kriegserklärung", hält weitere Verschärfungen für technisch unmöglich und verweist auf 600.000 gefährdete Industriejobs, die laut ifo-Studie in Deutschland am Verbrenner hängen.

    Fazit aus Käufersicht

    Für Verbraucher bedeutet all das mit hoher Wahrscheinlichkeit: E-Mobilität wird noch eine Weile gefördert, das Angebot an E-Fahrzeugen wird größer, die Autoindustrie wird sich wohl oder übel anstrengen müssen, um mit Forschung und Entwicklung E-Mobilität rundum zu verbessern.

    Doch bleibt die Gefahr hoch, beim Autokauf Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Denn selbst wenn Verbrenner und reine E-Mobile in ein- und demselben Segment künftig etwa gleiche Preise haben sollten: Ein genauer Blick auf Bauweise, Ausstattung und Folgekosten der konkret betrachteten Fahrzeuge wird noch wichtiger. Das gilt besonders für den Massenmarkt der Kleinst- und Kleinwagen.

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