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Zapfsäule
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Zapfsäule

Der Benzinpreis steigt und die Rohöl-Preise sinken. Wie passt das zusammen? Die Mineralölkonzerne schieben das hohe Niveau auf gestiegene Transportkosten aufgrund eines heißen Sommers und Niedrigwasser der Flüsse. Doch Bayern erhält zumindest einen Großteil seines Öls über eine italienische Pipeline.

45 Prozent Preissteigerung bei Heizöl

Der Benzinpreis ist auch im November weiter angestiegen und Experten rechnen in diesem Monat mit einem neuen Jahreshoch. Super E10 verteuerte sich nach Angaben des ADAC im Vergleich zur Vorwoche bundesweit um 2,7 Cent auf 1,541 Euro pro Liter. Für Diesel müssen Autofahrer sogar 4,0 Cent mehr bezahlen. Ein Liter kostet nun 1,438 Euro.

Das sorgte auch dafür, dass die Verbraucherpreise in Bayern im Oktober um 2,8 Prozent höher als vor einem Jahr lagen. Das ist der höchste Stand seit über zehn Jahren, teilt das Statistische Landesamt in Fürth Ende Oktober mit. Höher lag die Inflationsrate in den vergangenen zehn Jahren lediglich im September 2008 mit 2,9 Prozent. Zu der hohen Teuerungsrate im Oktober hat maßgeblich der Anstieg der Energiepreise beigetragen. So sind binnen Jahresfrist die Preise für Heizöl um fast 45 Prozent und Kraftstoffe um fast 19 Prozent spürbar gestiegen.

Die Begründung der Konzerne

Die niedrigen Wasserstände des Rheins und seiner Nebenflüsse sei Schuld, so die Mineralölkonzerne. Am Rhein sind viele Raffinerien angesiedelt, die wiederum von dort aus mit Binnenschiffe Tanklager versorgen. Durch die Pegelstände könnten die Schiffe nur halb beladen werden. Das verursache hohe Transportkosten. Weitere Gründe seien die Unsicherheit am Rohölmarkt und ein Rückgang der Fördermenge der Organisation erdölexportierenden Länder, Opec.

Mit der Freigabe von Mengen aus der strategischen Benzin- und Dieselreserve Ende Oktober hat das Bundeswirtschaftsministerium zur Entspannung der Situation beigetragen. Eine Normalisierung der Versorgung ist allerdings erst mit steigendem Flusspegel möglich. Mineralöl-Wirtschaftsverband e.V., 08.11.18

Bayern und die Pipeline

Der Freistaat bezieht seine Versorgung über eine Erdöl-Fernleitung. Die Tansalpine-Pipeline, TAL, verläuft vom Hafen von Triest aus und verbindet viele Länder in Mitteleuropa. Sie hat eine Gesamtlänge von 753 Kilometern und führt direkt ins oberbayerische Ingolstadt. Eine zweite Zweigtrasse versorgt von Deutschland aus die tschechischen Raffinerien in Kralupy und Litvinov nördlich der tschechischen Hauptstadt Prag, so die Gesellschaft. Nach Angaben der TAL-Gruppe gehören unter anderem Ölgesellschaften wie OMV, Shell, Rosneft, BP, Exxon Mobil, Philips66/Jet Tankstellen und Total dazu.

Mit dem durch die Transalpine Pipeline beförderten Öl wird der Rohölbedarf von Deutschland zu 40% gedeckt (von Bayern und Baden-Württemberg zu 100%). Ferner deckt die Pipeline den Bedarf Österreichs zu 90% und 50% Tschechiens ab. TAL-Gruppe, Homepage

Das wirft Fragen auf. Erst recht, wenn man auf der Homepage weiterliest und erfährt, das der Abschnitt TAL-OR ab Ingolstadt in westlicher Richtung über Nördlingen, Aalen und Schwäbisch-Gmünd nach Karlsruhe verläuft. In wie weit also ist Bayern tatsächlich bei den Öllieferungen von Rheinschiffen abhängig? Laut Aussage der TAL-Gruppe wird der Rohölbedarf von Bayern zu 100 Prozent durch die Pipeline gedeckt. Sie versorgt die Ölraffinerie am Oberrhein (MiRO) und arbeitet mit maximal drei Pumpstationen. Die derzeitige Jahreskapazität liegt bei 14 Millionen Tonnen und könnte nach Aktivierung zwei weiterer Pumpstationen auf 17 Millionen Tonnen gesteigert werden.

Ölpreis fällt wieder auf dem Weltmarkt

70 Dollar je Barrel ist die wichtige Marke für den Welthandel. An den Rohstoffmärkten beschleunigten die Ölpreise ihre Talfahrt. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich am Freitag um bis zu 2,2 Prozent auf ein Sieben-Monats-Tief von 69,13 Dollar je Fass. US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 59,28 Dollar pro Barrel 2,3 Prozent weniger. Investoren weltweit fürchten wegen der schwelenden Handelskonflikte negative Effekte für die Konjunktur. In den USA, Russland und Saudi-Arabien läuft die Ölförderung dennoch auf vollen Touren.

Treffen der Opec-Staaten

Wie es mit den Preisen auf dem Ölmarkt weitergeht wird auch das Treffen der Organisation erdölfördernder Staaten mit einer Reihe von Nicht-Opec-Staaten an diesem Wochenende in Wien zeigen. Am 6. Dezember entscheidet das Kartell die endgültige Strategie. Saudi-Arabien will auf jeden Fall den Preisverfall stoppen. Zudem gibt es gefährliche Gedankenspiele über eine Auflösung der Opec. Dazu kommen die Auswirkungen der Iran-Sanktionen. Das Opec-Land wird seine Produktion extrem drosseln müssen. Auch die unsichere Lage in Venezuela führt dort zu Lieferausfällen.

Auf der anderen Seite fördert Russland anscheinend wieder mehr Öl und Amerika ist aufgrund des massiven Ausbaus der Schieferöl-Industrie mittlerweile zum größten Ölproduzenten der Welt aufgestiegen. China als größter Ölimporteur will nachziehen und setzt ebenfalls verstärkt auf Fracking.

36 Prozent Ersparnis beim Heizen mit Holz

Doch Heizen mit Holz ist inzwischen wieder billiger als mit Heizöl. Das geht aus einer Statistik der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hervor. Demnach war das Heizen mit Hackschnitzeln seit 2006 stets billiger als Heizöl. Das Heizen mit Pellets fast immer, mit einer Ausnahme während der niedrigsten Ölpreise im Jahr 2016. Scheitholz war seit 2016 teurer als Öl, liegt inzwischen jedoch wieder unter dem Heizölpreis. Für das Heizen mit Pellets gibt die AEE derzeit einen Preisvorteil von 36 Prozent gegenüber Öl an.

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